Landkreis Sonneberg Blaulicht-Konvoi auf dem Weg nach Westen

red

Sonneberg hilft: Am Sonntagmorgen klopfte das Land an, ob der Kreis einen Katastrophenschutzzug zusammenbekommt für Rheinland-Pfalz. Zur Mittagsstunde setzten sich die Retter bereits in Bewegung nach Ahrweiler.

Sonneberg - Das Hochwasser der Ahr hat im Kreis Ahrweiler zu kaum vorstellbaren Verwüstungen geführt. Die Infrastruktur ist schwer beschädigt  –  etwa 30 000 Menschen sind ganz oder teilweise ohne Wasser, Strom oder Gas, informierte am Wochenende  die  Kreisverwaltung der  im Norden von Rheinland-Pfalz gelegenen Gebietskörperschaft. Bis Sonntag, so berichtet der Südwestrundfunk, zählte die Polizei 110 Tote.

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Im Gefolge der Naturkatastrophe im Westen setzte sich am Sonntagmittag Hilfe aus dem Thüringer Süden in Marsch. Um 11.30 Uhr war  Treffpunkt an der SBBS in Steinbach. Vom Berufsschulgelände startete die Blaulicht-Kolonne bereits nach kurzer Einweisung eine halbe Stunde später mit 25 Männern in fünf Fahrzeugen zur rund 470 Kilometer langen Tour zum Nürburgring, der als Bereitstellungsraum ihre erste Anlaufstation ist.

Ziemlich sportlich“ nennt Kreisbrandinspektor Mathias Nüchterlein die Vorglühzeit. Am Sonntag um 8 Uhr hatte er die erste Mail-Anfrage des Landes auf dem Handy-Display dazu, ob der  andkreis bitte Mal seine Ressourcen für den Fall des Falles abklopfen könne. „Um 9.30 Uhr war dann klar, dass es losgeht“. Um um 10.51 lag schließlich die offizielle Einsatzorder vor.

Demnach unterstützt der Freistaat die von Hochwasser und Starkregen betroffene Region mit zwei Einsatzzügen. Einer ist aus Erfurter, ein zweiter aus Südthüringer  Kräften gebildet. Vorrangig Feuerwehrler aus dem Landkreis  Sonneberg sichern die Hilfeleistung aus der Region ab.  Auf dem SBBS-Parkplatz bezogen ein Einsatzleitwagen aus Lindenberg, zwei  Tanklöscher von Sonneberg-Mitte und Oberlind, ein Rüstwagen aus Neuhaus am Rennweg und ein Mannschaftransporter aus Lichte Aufstellung. Zu diesen fünf stießen  zwei weitere Katschutz-Wagen aus Hildburghausen hinzu.

Zwischenstopp  der Retter aus Thüringen ist  eine Autobahnraststätte bei Eisenach-Nord vereinbart worden. Der klare Hinweis Nüchterleins aufs erste Hallo um 14 Uhr aller Beteiligten direkt beim Burger-King an der A4? Sorgte freilich für ein Schmunzeln in den Gesichtern. Ein Schnellimbiss zum Stelldichein der Lebensschützer, warum eigentlich nicht.

Dass Humor in der Stunde der Not immer ein Recht hat? Zeigen die Lindenberger als sie die Oberlinder bei deren Ankunft in Steinbach necken  mit der spitzen  Frage, „ihr habt wohl ka Kerwa mehr oder was“.  Die Party-Geprellten nehmen’s mit Gelächter. In der Tat musste  der dritte und letzte Tag des  Volksfestvergnügens im Sonneberger  Stadtteil in diesem Fall  für den Dienst an der Allgemeinheit geopfert werden. Was die Freiwilligen in Ahrweiler erwartet, skizzierte Nüchterlein bei der Lagebesprechung: Grundsicherung und Brandschutz ist angesagt. Die örtlichen Kräfte sind nach Tagen und Nächten, in denen  Notruf auf Notruf folgte, ausgelaugt und verbraucht.

Sie müssen mithin  dringend entlastet werden. Dass die Thüringer somit direkt im Katastrophengebiet zu Aufräum- und Sicherungsarbeiten herangezogen werden, wäre demnach unwahrscheinlich. Aber wissen kann es keiner, betont  Nüchterlein: „Die Lage ist derart dynamisch, sodass man sich immer auf alles einstellen muss.“

Kein Urlaub, keine Kirmes

Bei Hochwassereinsätzen weißt du ja nie was dich erwartet“, bestätigt Sebastian Schröder. Der Oberlinder hat bereits  Erfahrungen mit einer solchen Situation  gesammelt.  Im Juni 2013 hatte ein Hochwasser Gera und die umliegenden Orte heimgesucht. Auch damals zeigten die Sonneberger Flagge im Osten Thüringens. Zuhause alles stehen und liegen zu lassen, sich beim Arbeitgeber von jetzt auf gleich abzumelden oder  die Kirmes eben Kirmes sein zu lassen, solche Momente  gibt es eben, hieß es übereinstimmend. Der Oberlinder Christian Rau zum Beispiel hatte sich eigentlich frei genommen für  die Tage rund ums Fest. Der Urlaub geht jetzt  drauf für schnelle Hilfe in Ahrweiler und Umgebung. Bei dem Lindenberger Fahrzeugführer Holger Wicklein klingt’s kaum anders. Gibt’s denn Verständnis beim Chef oder der Frau oder den  Kindern? „Das muss jetzt alles abgeklärt sein, die Sache ist durch.“

Das Leid der Menschen

Vonseiten der Kreisbehörde gab der amtierende Landrat Jürgen Köpper den Männern aus den Wachen in Sonneberg und Neuhaus am Rennweg, Lichte und Lindenberg seine Anerkennung  mit auf den Weg. Ebenso sein Dankeschön  an die Familien und Angehörigen fürs Verständnis. „Hilfe zu leisten, das muss  uns jetzt eine Selbstverständlichkeit sein. Wir würden sie  auch brauchen, wären wir so hart getroffen.“ Die  Bilder aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aus den Niederlanden und Belgien vom Not und Elend der Menschen, machen tief betroffen und berühren, sagt Köpper. „Das Leid der Leute sieht man  den ganzen Tag im Fernsehen, all das Wasser in den Städten und Dörfern   – der Landkreis ist euch dankbar  für eure Hilfe, die ihr dort leisten werdet.“ 

Mit der Bitte, alle  mögen aufeinander achtgeben und gesund  heimkehren, verabschiedet  der Vizelandrat zusammen mit Nüchterlein schließlich die Feuerwehrler. Angeführt werden sie von Andreas Hartwig, dem amtierenden Sonneberger Stadtbrandmeister, und von Sven Quade, Verbandsführer aus Lichte. Vonseiten der Kreisbrandinspektion kam im Laufe des Sonntags als dritter Regie-Geber Nüchterleins Stellvertreter Florian Eichhorn mit dem Kommandowagen  hinzu. Zwei Tage im EinsatzLäuft alles nach Plan, wird es für die Sonneberger bei 48 Stunden Außenmission – gerechnet ab Ankunft  am Einsatzort –    bleiben. Dann soll, um der Gefahr von Erschöpfung und Überforderung die Spitze zu nehmen, ihre  Ablösung erfolgen. So oder so wird der gemeinsame Blaulicht-Konvoi aus Sonnebergern und Hildburghäusern nicht das einzige Achtungszeichen aus Südthüringen sein.

Eine Spendenkampagne (Freies Wort vom Samstag) hatte das Sonneberger Landratsamt bereits aufgelegt. Und wie  Köpper am Sonntagmittag  gegenüber Freies Wort äußerte, stimme man sich derzeit mit dem Rot-Kreuz-Kreisverband ab was die Möglichkeit eines zusätzlichen Sachspendenaufrufs angeht. Idealerweise wird in Kürze eine Örtlichkeit bekannt gegeben, wo Dinge, an denen dringend Bedarf ist im Katastrophengebiet, entgegen genommen werden. „Das wird dann sortiert und eingepackt und  zu den Menschen gebracht, die Haus, Hab und Gut verloren haben“, so Köpper.