Landfrauen Westenfeld Frauentag ist Männersache

Wolfgang Swietek
Der Mann unter all den Frauen ist Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus. Er fühlt sich sichtlich wohl. Foto: Wolfgang Swietek

Bereits zum dritten Mal wurde der Frauentag in der großen Mehrzweckhalle von Westenfeld gefeiert. Die Besucher erlebten einen durchweg stimmungsvollen Nachmittag.

 
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Es ist eine recht kleine Gruppe, der Landfrauenortsverein Westenfeld. Nur elf Frauen sind es, die sich hier unter Leitung von Sibylle Fender-Tschenisch zusammengefunden haben. Doch längst sind sie nicht mehr wegzudenken aus dem dörflichen Leben der Gemeinde im Grabfeld. Nicht nur die Frauentagsfeier, die es am Samstag hier nun schon zum dritten Mal gab, würde es ohne sie nicht geben. Auch viele andere Veranstaltungen und Aktionen haben sie etabliert, tragen damit wesentlich dazu bei, dass die Mehrzweckhalle weiterhin erhalten bleibt und sinnvoll genutzt werden kann.

Dass Sibylle Fender-Tschenisch bei der Vorbereitung der Frauentagsfeier in diesem Jahr nicht alle Frauen aus ihrem Verein zur Verfügung standen, hat sie nicht davon abgehalten, die Feier zu organisieren. Schließlich gibt es auch noch Männer in Westenfeld, sagt sie mit verschmitztem Lächeln. Außerdem ist sie der Meinung: Frauentag ist ohnehin Männersache. Und so hat sie „Männer im besten Alter“ gewonnen, um an der Veranstaltung mitzuwirken. Bereitwillig taten diese ihren Dienst am Kuchenbuffet, trotz ihrer Vermutung, dass einige von ihnen „noch nie zuvor in ihrem Leben eine Tortenschaufel in der Hand hatten.“

Bereitwillig am Kuchenbuffet: Die Westenfelder Männer. Foto: Wolfgang Swietek

Danach gingen die Männer durch die Tischreihen in der großen Mehrzweckhalle, um den Frauen Kaffee einzuschenken. „Wenn Männer sehen, wie leicht es ist, von den Frauen dafür ein dankbares Lächeln zu bekommen“, sagt sie, „vielleicht versuchen sie das Gleiche ja auch zu Hause bei ihren eigenen Frauen.“ Es wäre ohnehin längst an der Zeit, dass die Männer sich endlich ihre Rolle in der heimischen Küche erkämpfen. Und sie versprach: „Wir wollen unsere Männer gern auf dem Weg ihrer Emanzipation begleiten.“ Auch wenn sie zugeben musste: „Dieser Weg wird kein leichter sein! Doch es müsste zu schaffen sein. Männer brauchen einfach Regeln!“

Seit 1911 wird auf der Welt der Internationale Frauentag gefeiert, womit die Frauen auf ihre Rechte aufmerksam machen wollten. Einiges haben sie in diesen 112 Jahren erreichen können, wenn auch nicht in allen Ländern gleich viel. Schon ein Blick über die Landesgrenze Richtung Bayern zeigt einige Unterschiede. Nichts da von wegen einer Rose für jede Frau – oder wie in Westenfeld eine Piccoloflasche Sekt auf dem für sie liebevoll gedeckten Tisch. Im Freistaat Bayern machten an diesem 8. März 2023 die Kindergärtnerinnen mit einem Warnstreik auf Ungerechtigkeiten bei ihrer Entlohnung und dabei schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam. Dadurch wiederum konnten andere Frauen nicht zur Arbeit gehen, weil sie ihre Kinder nicht in die Kindereinrichtung bringen konnten und sie zu Hause betreuen mussten. Von Würdigung der Frauen von offizieller Seite war an diesem Tag nichts zu hören. Wie es anders gehen kann, haben die Mitglieder vom Landfrauenortsverein Westenfeld mit ihrer gelungenen Veranstaltung eindrucksvoll bewiesen. Wovon sich auch Christine Schwarzbach, die Geschäftsführerin vom Thüringer Landfrauenverband, überzeugte.

Während sich die Besucherinnen in der Westenfelder Mehrzweckhalle von den sie bedienenden Männern mit Kaffee und Torte verwöhnen ließen, sorgte Stimmungskanone Torsten Donau für gute Laune. Auch wenn er nicht sofort zum Zuge kam, Sibylle Fender-Tschenisch zur Begrüßung den Vorrang lassen musste.

Mit humorvoller Begrüßung: Vereinsvorsitzende Sibylle Fender-Tschenisch. Foto: Wolfgang Swietek

„Doch ich gehe gern in die zweite Reihe“, kommentierte er es, „das ist man ja als Mann von zu Hause gewöhnt.“ Als er später Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus unter den vielen Frauen entdeckte, bat er diesen: „Herr Bürgermeister, machen Sie mir bitte keinen Kummer!“ Eine Anspielung auf das (bisherige) Stadtoberhaupt der Kreisstadt, die nicht jeder sofort verstand.

Da wurde beim Rennsteiglied fröhlich mitgesungen und bei „So schön ist es nur am Rennsteig“ ausgelassen geschunkelt. Doch als Sibylle Fender-Tschenisch die Leipziger Autorin Kati Naumann vorstellte, herrschte sogleich gespannte Aufmerksamkeit im großen Rund der Mehrzweckhalle.

Autorin Kati Naumann las aus ihrem Buch „Wo wir Kinder waren“. Foto: Wolfgang Swietek

„Wo wir Kinder waren“, so der Titel ihres Buches, aus dem sie einige Kapitel las. Eine Familiengeschichte, die zum Teil in Sonneberg spielt. Ein Ort, von dem die Autorin versichert, dass er bis heute ihr Sehnsuchtsort geblieben ist. Die Autorin – um einiges jünger als viele ihrer Zuhörerinnen hier im Saal – konnte vieles aus der Zeit kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges nur aus den Erzählungen ihrer Eltern oder Großeltern aufschreiben, während etliche der Frauen im Saal es noch selbst miterlebt hatten. Die Reaktionen waren eindeutig – „... genau so war es damals“, war mehrfach an den Tischen zu hören.

Ein gelungener Nachmittag. Mit stetem Wechsel von purer Unterhaltung und anspruchsvollem, besinnlichen Nachdenken. So schön kann eine Frauentagsfeier sein.

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