Landestheater Eisenach Eine Woche Tanztheater

Szene aus der Choreografie „Tanz aus der Reihe“ vom Thüringer Staatsballett Gera-Altenburg. Foto: Ronny Ristok

Wieder wagt sich die Ballett-Company des Landestheaters Eisenach an eine Ballettwoche. Die Umstände sind nicht die Besten, aber Spartenleiter Andris Plucis verspricht, das Beste daraus zu machen.

Nicht ganz so spektakulär wie damals“ sei das, was man in dieser Woche im Landestheater erwarten dürfe, versucht Andris Plucis, der Eisenacher Ballettchef, die Erwartungen des Publikums gleich zu Beginn ein wenig herunterzuschrauben. Damals freilich, bei der letzten Ballettwoche vor vier Jahren, waren Tänzerinnen und Tänzer aus Basel zu Gast an der Wartburg. Diesmal ist Corona da – und der Tanz auf der Bühne, das liegt in der Natur der Sache, besonders anfällig für virale Ausfälle in den Ensembles. Schon bei der „Found Souls“-Premiere letzte Woche in Meiningen musste Plucis auf vier Tänzerinnen und Tänzer verzichten. Die seien nun zwar wieder an Bord, aber um alle Produktionen wie eigentlich geplant aufzunehmen, dazu habe die Probezeit dann einfach nicht ausgereicht.

Thüringer Leistungsschau

Dennoch, oder gerade deswegen, könnte die Eisenacher Ballettwoche, die am Sonntag mit den Choreografien „Squard / Die Geschöpfe des Prometheus“ gestartet ist und bis zum kommenden Samstag läuft, etwas Besonderes werden. Denn nicht nur verschiedene Eisenacher Tanztheater-Stücke werden zur „Thüringer Ballettgala“ am Freitagabend zu sehen sein. Neben den Eisenacher Tänzerinnen und Tänzer werden auch die beiden anderen Thüringer Ensembles aus Nordhausen und Altenburg-Gera mit etlichen Ausschnitten aus ihrem Können auf der Bühne stehen.

Diese Thüringer Leistungsschau des Tanztheaters ist schon etwas Besonderes – weil so nur sehr selten zu erleben. Sie erlaubt nicht nur den direkten Vergleich der Handschriften, sondern auch einen Eindruck von der geballten Vielfalt des Tanzes an nur einem Abend. An weitere gemeinsame Vorstellungen ist übrigens gedacht: „Wir wollen uns schon wieder regelmäßig treffen“, sagt Plucis. Eine Möglichkeit biete der Unesco-Welttag des Tanzes am 29. April. „Wir könnten ein gemeinsames Programm machen, das in allen drei Theatern in Nordhausen, Gera und Eisenach gespielt wird“, meint der Eisenacher Ballettchef. mal sehen, was aus dieser Idee wird. Nicht als Konkurrenz sehe man sich schließlich im Thüringer Theaterland, sondern solidarisch miteinander verbunden – um dieser besondere Theatersparte, bei der in vergangenen Jahrzehnten auch in Thüringen kräftig gekürzt und gestrichen wurde (etwa durch Abwicklung des Meininger Balletts 2005) die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Ums Publikum kämpfen

Denn ums Publikum kämpfen müssen auch die Protagonisten der Körperkunst. Ab der neuen Spielzeit im September wolle man sich ganz programmatisch Gedanken machen, mit welchen Mitteln das Publikum ins Theater zurück geholt werden könnte, das derzeit wegen diverser Corona-Einschränkungen fern bliebe oder sich das Live-Erlebnis Theater schon ein wenig abgewöhnt habe, meint Andris Plucis. Eine Möglichkeit sieht er im traditionellen „Handlungsballett“, das für viele Menschen einen leichteren Zugang zum Tanz bietet als die mitunter sehr abstrakten und experimentellen Choreografien.

Doch auch bis zum Ende der laufenden Spielzeit wollen die Eisenacher Tänzerinnen und Tänzer das Publikum noch überraschen. Etwa mit einer „tänzerischen Sehreise“, begleitet mit Musik von Anton Bruckner. Oder dem von vielen Fans des Ensembles bereits heiß ersehnten Abend „Junge Choreografen“ – Teil VII, bei dem die Tänzerinnen und Tänzer selbst choreografieren. Und schließlich bei einem Stück, das sich „Übersitzung“ nennt und eine Begegnung mit Martin Luther zum 500. Jahrestag der Bibelübersetzung auf der Wartburg verspricht.

Karten unter Tel. 03691/256219 oder per Mail an kasse@landestheater-eisenach.de

Autor

 

Bilder