Landestheater Coburg Experiment gelungen

Schauspielertheater vom Feinsten: Marina Schmitz als Ophelia und Florian Graf als Hamlet. Foto: /Screenshot

Mehr als 600 Zuschauer verfolgten die „Hamlet“-Premiere online. Das packende Video des Landestheaters wird regelmäßig zu sehen sein – und weitere Stücke folgen.

Coburg - Ausverkauft wäre diese Premiere gewesen, hätte sie denn „analog“ stattgefunden. Mehr als das: Mit gut 600 Zuschauern wäre der Abend im Großen Haus kräftig überbucht gewesen. Das Internet kennt kein Besucherlimit, und so konnten am Samstag nicht nur Coburger Theaterfreunde, sondern auch Shakespeare-Fans allüberall die erste komplette Online-Schauspielproduktion des Landestheaters streamen. Sie erlebten einen „Hamlet“, der als Gesamtkunstwerk 140 Minuten lang fesselt: konzeptionell, darstellerisch, atmosphärisch und nicht zuletzt durch die kongeniale Verfilmung des spannenden Bühnengeschehens (siehe Neue Presse vom 30. April).

Begeisterung spricht denn auch aus den Publikumskommentaren: „Wunderbar“ und „unfassbar gigantisch schön“ preisen Zuschauer/innen das virtuelle Theatererlebnis bei Facebook, das Feedback auf YouTube ist hingegen nicht mehr zu sehen, denn das Video war nur in einem fünfstündigen Zeitfenster am Samstagabend freigeschaltet. Wer die Premiere versäumt hat, geht allerdings nicht leer aus: „Hamlet“ wird regelmäßig online gehen, erstmals wieder am Donnerstag, 6. Mai.

Ganz bewusst möchte das Landestheater aufwendige Produktionen wie diese nicht kontinuierlich anbieten, sondern nach einem Online-Spielplan: „Es soll ein besonderes Erlebnis bleiben, ein richtiger Theaterabend – nur eben daheim“, erläutert Intendant Dr. Bernhard F. Loges.

Auf das gelungene Experiment ist der Theaterleiter stolz, zumal er um die Risiken der Transformation von der Bühne auf den Bildschirm weiß: „Die Verfilmung folgt der Atmosphäre und dem Spannungsbogen der Inszenierung und schafft dennoch etwas Eigenes“, meint Loges. Und er lobt das Ensemble: „Alle agieren hervorragend mit und vor der Kamera“.

Die nächste Online-Produktion steht schon in den Startlöchern: Ende Mai wird voraussichtlich die Coburger Inszenierung der Mozart-Oper „Cosí fan tutte“ veröffentlicht. Die Sorge, das Publikum damit zu entwöhnen, hat der Intendant nicht: „Online-Theater ersetzt das Live-Erlebnis nicht“, versichert Loges, „die Leute wollen Menschen auf der Bühnen erleben.“

 

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