Bad Steben - Die Stimmen der Spötter sind allgegenwärtig: Bis heute gelten Meditation oder Achtsamkeitsübungen vielen als esoterischer Hokuspokus, dem bevorzugt Menschen in der Lebensmitte erliegen. Vom Alter her könnte zwar auch Eckard Krüger zu dieser Gruppe gehören. Aber nicht von dem, was er zu sagen hat: Der 45-jährige Oberarzt an der Bad Stebener Alexander-von-Humboldt-Klinik hat sich intensiv mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt. In seiner Masterarbeit, die er im Dezember 2010 an der Universität Bangor (Wales) vorgelegt hat, hat er die positive Wirkung von Achtsamkeitstrainings nachgewiesen. Die 230 Teilnehmer der Studie absolvierten acht Wochen lang täglich zu Hause ein etwa einstündiges Achtsamkeitstraining mit Hilfe einer CD. "Es ist sehr eindrücklich", erklärt Krüger, "was für tiefgreifende Entwicklungen Menschen durch Achtsamkeitstraining machen." Als wesentliches Ergebnis der Studie nennt der Arzt "eine hoch signifikante Steigerung der Achtsamkeit und des Selbstmitgefühls" im Vergleich zur Kontrollgruppe, die keine derartigen Übungen durchführte. "Selbstmitgefühl" definiert Krüger als "wohlwollende Form der Selbstzuwendung". Sie wirke gerade in schwierigen Zeiten "hilfreich und stabilisierend", betont Krüger. "Selbstmitgefühl bietet auch einen besseren Schutz gegen psychische Krankheiten als die Psychotherapie". Denn diese ziele vor allem darauf ab, das Selbstwertgefühl zu steigern. "Das hilft zwar in guten Zeiten, aber wenn es schwierig wird, fällt das Selbstwertgefühl schnell wieder in sich zusammen."
Länderspiegel Medizin entdeckt Meditation
Von Beate Franz 06.10.2011 - 00:00 Uhr