München - Die bayerischen Grünen fordern einen ehrlicheren Umgang mit den Folgen der demografischen Entwicklung im Freistaat. "Wir müssen uns von dem lange erweckten Eindruck verabschieden, dass der Trend zur Abwanderung aus den ländlichen Regionen und zur Überalterung der dort lebenden Bevölkerung umgekehrt werden kann", erklärte Grünen-Landeschefin Theresa Schopper (Bild) in München. Vielmehr müsse deutlich gemacht werden, "dass die versprochenen blühenden Landschaften nicht mehr überall in Bayern so bleiben werden". Wenn die Staatsregierung behaupte, auch in den vom Bevölkerungsschwund betroffenen Regionen werde alles gut, dann seien das "unhaltbare Versprechen". Niemand wolle "auf den Dörfern das Licht ausmachen", doch werden sich aufgrund der demografischen Entwicklung die Lebensbedingungen "entscheidend verändern", sagte Schopper. Nach den Prognosen des Statistischen Landesamtes wird die Bevölkerungszahl in Oberbayern bis 2029 von derzeit knapp 4,4 auf 4,6 Millionen wachsen, wobei der Großraum München besonders betroffen sein wird, in Oberfranken dagegen wird die Zahl der Einwohner - mit Schwerpunkt im Osten des Bezirks - von 1,07 Millionen auf etwa 980 000 sinken. Auf einem Zukunftskongress am Samstag in Bamberg wollen die Grünen Handlungsmöglichkeiten erörtern, um sowohl den schrumpfenden Regionen in diesem Wandlungsprozess zu helfen, als auch den zum Teil rasanten Bevölkerungszuwachs in den Ballungsgebieten zu steuern. Schopper erklärte, ein Strategiewechsel sei "überfällig". Weder mit familienpolitischen Maßnahmen noch den Mittel der klassischen Infrastrukturpolitik könne die Entwicklung aufgehalten werden. In den Regionen mit Bevölkerungsschwund komme es darauf an, die Konsequenzen des Wandels abzufedern und die Lebensqualität der Menschen zu sichern. Die Grünen-Chefin sagte sich verschärfende Verteilungskämpfe zwischen den schrumpfenden und wachsenden Regionen voraus. Deshalb sei es nötig, sich künftig auf solche Projekte zu konzentrieren, die wirklich sinnvoll und notwendig seien. Statt in Straßen zu investieren, sollte der Staat das Geld in eine neue Bildungsinfrastruktur stecken.