Bad Steben - Wir haben uns um 15 Uhr im Bad Stebener Kurpark verabredet. Pünktlich auf die Minute steht der hoch gewachsene Afrikaner vor mir - und begrüßt mich mit einem Strahlen wie aus der Blendax-Reklame. Für unseren Spaziergang hat Michel seine Arbeit in der "Therme" unterbrochen. Drei Monate im Voraus ist der dunkelhäutige Osteopath, den alle nur mit seinem französischen Vornamen ansprechen, ausgebucht. Die lange Wartezeit auf einen Behandlungstermin beruht wohl auf dem Ruf, er habe "heilende Hände". Dass es bei unserem Spaziergang im Schatten der Bäume 29 Grad heiß ist, stört Michel nicht. Er kennt aus seiner Heimat noch ganz andere Temperaturen. An den sonst eher kühlen Frankenwald hat er sich längst gewöhnt. "Ich mag diese Landschaft und die saubere, frische Luft", schwärmt er in akzentfreiem Deutsch. Es ist eine von fünf Sprachen, die er in Wort und Schrift beherrscht. Genauso fließend kann er sich in den zwei völlig unterschiedlichen Stammesdialekten von Vater und Mutter unterhalten, natürlich auch in Englisch - und in Französisch, das in Togo die Landessprache ist. Doch das Sprachtalent ist nicht die einzige Besonderheit im Leben des 47-jährigen Afrikaners, auch nicht sein Literatur- und Philosophiestudium - sondern sein Wirken als Osteopath, das er voller Dankbarkeit als eine Berufung empfindet. "Ich glaube, dass es meine Aufgabe im Leben ist, anderen Menschen zu helfen", sagt er in seiner ruhigen, zurückhaltenden Art.
Länderspiegel Ein Philosoph mit heilenden Händen
Von Gert Böhm 06.08.2013 - 00:00 Uhr