Bei der Gedenkfeier selbst gab es jedoch keine Zwischenfälle, eine Mahnwache am Theaterplatz wurde abgesagt. Lediglich am Bahnhof versammelten sich laut Polizei etwas über ein Dutzend Menschen aus dem propalästinensischen Lager. Außerdem gab es eine proisraelische Demonstration in der Stadt.
4. Die Überlebenden
Seit mindestens Mitte der 1990er Jahre ergriff immer einer der Überlebenden das Wort beim offiziellen Gedenken. In diesem Jahr war das nicht möglich. Dennoch spielten die Geschichten von Überlebenden nicht nur in der Rede Kerkelings eine zentrale Rolle. Zwei ehemalige Insassen waren immerhin vor Ort, meldeten sich aber nicht zu Wort: der 98 Jahre alte Alojzy Maciak aus Polen und der 99-jährige Andrej Moiseenko aus Belarus.
Insgesamt hielten die Nazis in Buchenwald zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertelmillion Menschen gefangen. Etwa 56.000 von ihnen starben während der Haft an den katastrophalen Bedingungen im Lager oder wurden von der SS getötet. Am 11. April 1945 hatten US-Truppen das Lager erreicht.
Teile davon wurden ab August 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager genutzt. Sie inhaftierte dort lokale Funktionsträger der NSDAP, aber auch Jugendliche, Denunzierte und teils willkürlich Festgenommene, die keinerlei Verantwortung für den Nationalsozialismus trugen.