Von Rechts wegen müsste Recep Tayyip Erdogan eigentlich Zylinder tragen – oder Homburger, Melone oder Fedora. Einen Hut mit Krempe jedenfalls, so schreibt es das türkische Gesetz allen Inhabern öffentlicher Ämter vor. Das Hutgesetz trat am 28. November 1925 in Kraft und gilt bis heute. Abschaffen oder widerrufen kann das Gesetz nicht einmal der Staatspräsident, obwohl der niemals im Leben einen solchen Hut aufsetzen würde; er kann es höchstens ignorieren – was er auch tut. Das Hutgesetz entzweit seit nunmehr hundert Jahren die türkische Gesellschaft: Was wer auf dem Kopf trägt, darum wird in der Türkei bis heute gestritten.