Dennoch ist noch lange nicht ausgemacht, ob der Friedensprozess zum Erfolg führen kann. Es gibt scharfe Kritik an der Initiative und dem vorgelegten Gesetz. Die PKK selbst kritisierte schon vor Verabschiedung, es gebe Mängel. Schritte könnten nur umgesetzt werden, wenn PKK-Gründer Öcalan unter freien Bedingungen leben und den Friedensprozess persönlich anführen könne, hieß es in einer Erklärung. Das Gesetz müsse den Weg für weitere Entwicklungen öffnen, damit die Kämpfer ihre Waffen niederlegen und in die Türkei zurückkehren könnten.
Frieden nur mit demokratischen Fortschritten?
Teile der Opposition werfen der Regierung zudem vor, den gesamten Prozess intransparent zu gestalten und fordern, dass Frieden und mehr Rechte für die kurdische Bevölkerung nur mit einer Demokratisierung einhergehen können.
Oppositionsführer Özgür Özel von der Yeni-Partei kritisierte das Gesetz als oberflächlich. An dem System, das politische Gegner, Journalisten, Wissenschaftler und gewählte Bürgermeister im Gefängnis festhalte, habe sich nichts geändert, erklärte er im Parlament. Trotz ernsthafter Bedenken unterstütze er das Gesetz, um den Friedensprozess nicht zu blockieren und weiteres Blutvergießen zu verhindern.
Der Co-Chef der prokurdischen Partei Dem, Tuncer Bakirhan, sagte, es handele sich um einen ersten Schritt. Nun müssten "Demokratisierung, Recht und die Lösung der kurdischen Frage folgen." Die Dem-Partei ist Vermittlerin im Friedensprozess.
Populärer kurdischer Politiker weiter in Haft
Ähnlich äußerte sich Reha Ruhavioglu, Direktor des Zentrums für kurdische Studien in Diyarbakir. Das verabschiedete Gesetz schaffe die rechtliche Grundlage für einen politischen Prozess, sagte er der dpa. Es sei unwahrscheinlich, dass bereits in den nächsten zwei Jahren die Auswirkungen auf eine Demokratisierung durch das Gesetz erkennbar werde.
Zum Fall des kurdischen Politikers Selahattin Demirtas, der seit 2016 unter Terrorvorwürfen inhaftiert ist, erklärte der Experte: "Selahattin Demirtas ist ein politischer Häftling. Seine Freilassung hat nichts mit einer entsprechenden Gesetzesbestimmung zu tun." Ohnehin liege ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zur Freilassung vor.
Die Kurden sind die größte Minderheit in der Türkei und fordern seit Jahrzehnten eine gesellschaftliche Gleichstellung. Dazu gehört etwa das Recht auf muttersprachlichen Unterricht an Schulen.