Kunstverein Nekst Papierfetzen und Holzfurchen im Miteinander

Gut besucht die Vernissage von „Paper Wood“ in der Galerie Zwinger4. Foto: /privat

Kettensäge im Holz trifft auf Wild Posting der zur Relief gewordenen Papierfetzen. „Paper Wood“ heißt die Ausstellung von Andreas Stäblein und Birgit Alberts in der Nekst-Galerie Zwinger4.

Meiningen - Die beiden aktiven, langjährigen Mitglieder des Meininger Kunstvereins Nekst sind gut befreundet und haben eine ähnliche Ungezähmtheit in sich. Die haben sie auch in ihren künstlerischen Werken bewahrt.

Wie selbstverständlich fiel deshalb die Wahl der seit drei Jahren in Norddeutschland, in Neuhaus Oste bei Cuxhaven, lebenden Künstlerin Birgit Alberts auf den Unterfranken und Wahl-Meininger Andreas Stäblein zum Ausstellungspartner für die neue Zwinger4 Galerie. „Ich bin sicher, dass unsere Arbeiten gut miteinander funktionieren können“, meinte sie vor fast einem Jahr, als die besondere Kunstpräsentationsmöglichkeiten in der winzigen Räumlichkeit der Zwingergasse 4 noch nicht für jedermann erkennbar waren.

Am Beginn des Abends, nach der Begrüßung der Anwesenden, bat Vereinsvorsitzender Harald Bernhardt um eine Schweigeminute für den vor kurzem verstorbenen Vereinsfreund und Gleichgesinnten Stefan Hasenöhrl.

Eine glückliche Begebenheit ist, dass der Laudator, der Frankfurter Kulturjournalist Ruthard Stäblein, gleichzeitig ein Bruder von Andreas Stäblein ist und Birgit Alberts auch seit längerem kennt.

Birgit Alberts arbeitet in ihrem Atelier in Cuxhaven, im städtischen Milieu, nach dem Zufallsprinzip, indem sie aus dem Alltag, aus den Gegenständen, auch aus weggeworfenen Gegenständen, Zufallsfunden aus Abseiten Reliefs und Collagen schafft. Begonnen hat es in den Zwanzigern, die Aktionen der Surrealisten berufen darauf, aus dem Alltag Gegenstände zu finden, aus Weggeworfenem etwas neues zu schaffen. Nicht im herkömmlichen Sinn, sondern in einem neuen, modernen Sinne Kunst zu schaffen.

Die im Hamburger Schanzenviertel zufällig gefundenen Abrisse, Plakate, Posterfragmente und Wortschnipsel und ihre Zeichnungen fügt Birgit Alberts zu einer Collage oder einem Relief zusammen. Den Gegensatz der Motive und den ständigen Verfall der Inhalte zeigt sie in einer Komposition von Fetzen, die immer den Zufall zum Prinzip macht.

Andreas Stäblein ist ein Künstler, bei dem es schnell gehen soll. Wie ein Actionpainter agiert er. Dabei ist alles wohl überlegt. Er macht Vorzeichnungen. Dann aber, wenn es an die Arbeit geht, soll es in ein, zwei Tagen entstehen.

Die Skulpturen wie die „roter Gräfin“ oder der „roter Baron“ sind abstrakt, die aber die menschliche Figur durchscheinen lassen. Andreas Stäblein ist kein künstelnder Künstler, der so lange arbeitet, bis die Spuren der Entstehung beseitigt sind, alles poliert und glatt aussieht, als wäre es natürlich und selbstverständlich und weich. Nein! Bei ihm sieht man die Furchen der Arbeit, die Spuren der Motorsäge, wenn der Künstler in Aktion tritt. Andreas Stäblein ist, seit spätestens der Besuch einer Picassoausstellung 1978 in Barcelona, ein Bewunderer von Picasso. Die Folge davon ist die „Kunst der nicht Kunst’s des non finito“. So findet die Materie, selbst das Holz, seinen Ausdruck, indem die Spuren der Arbeit erhalten bleiben.

Die Werke der beiden Künstler kommunizieren in der aktuellen Ausstellung lebhaft, herausfordernd, einander stärkend, laut und doch harmonisch miteinander.

Ruthard Stäblein gab ein Picassozitat, das er gerade aus einer aktuellen Picassoausstellung in Paris mitgenommen hat, dem Besucher zur Besichtigung der Ausstellung mit: „Ein Werk vollenden, was für eine Dummheit! Beenden heißt mit einem Objekt abschließen, es töten, ihm seine Seele nehmen.“ Dixit Picasso – hier sehen die Betrachter die Seele seines Werkes und auch ihres Werkes.

Über vier Dutzend Besucher interessierten sich für diese vierte Kunst-Ausstellungseröffnung des Kunstvereins Nekst in seinem neuen Domizil in der Zwingergasse 4 in Meiningen. red

 

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