Kunsthandwerk Schwibbögen in Perfektion

Annett Recknagel

Nach Weihnachten, ist vor Weihnachten – selbst im Januar stellen Frank Ullrich und sein Team noch Schwibbögen her. Und das sind ganz besondere.

Kleinschmalkalden - Weihnachten ist längst vorbei, hier und dort aber leuchten sie immer noch in den Fenstern. Die meisten Menschen habe ihre Schwibbögen bereits in Kisten verstaut und in den Winterschlaf geschickt. Es gibt aber auch welche, die erst jetzt einen neuen kaufen. Und zwar einen regionalen. In der Vorweihnachtszeit fielen in Schmalkalden und Brotterode Banner auf. „Regionale Schwibbögen“ konnte man darauf lesen.

Um einen davon zu bekommen, führt der Weg nach Kleinschmalkalden in die Ortsstraße zu Graveurmeister Frank Ullrich. Er liebt Sperrholz. Und seine Lasermaschine. Dank der wurde eine Idee zum Selbstläufer. Teelichthalter und Baumanhänger aus Sperrholz kamen in der Weihnachtszeit bei seinen Kunden sehr gut an. Warum sollten es nicht auch Schwibbögen sein? Der Prototyp zeigt die Hohe Warte, umringt von Bäumen und Waldtieren, selbst einen Jäger kann man entdecken.

Vor vier Jahren baute Frank Ullrich den ersten regionalen Schwibbogen. Natürlich von Kleinschmalkalden. Im Fenster seiner elterlichen Wohnung konnte dieses Kunstwerk bestaunt werden. Und es dauerte nicht lange, bis es sich herumgesprochen hatte. Wie ein Lauffeuer. Das Telefon in der Werkstatt klingelte sich heiß. Die ersten Anfragen kamen. „Das freute uns natürlich und wir haben eben ein paar Schwibbögen gebaut“, erinnert sich der junge Mann. Auch in seinem Geschenkeladen in Seligenthal gingen zunehmend Anfragen ein.

Höchste Zeit, für seinen Heimatort Kleinschmalkalden einen zweiten Bogen mit den beiden Kirchen als Blickfang zu kreieren. Es dauerte nicht lange, da kam aus Brotterode die Frage, ob es nicht auch einen Bogen mit dem Typischen für diese Bergstadt gebe. Ullrich und sein Team setzten sich zusammen – und siehe da ein Schwibbogen mit Skispringer, Schanze und Brotteroder Kirche entstand. Kurz danach wurden die Trusetaler hellhörig. Auch die Seligenthaler und Floher bekamen Wind von den regionalen Schwibbögen. Nach Wahrzeichen brauchte man hier wie dort nicht lange zu suchen.

Ganz neu sind die Bögen mit Schloss Wilhelmsburg, St. Georg Kirche und Lutherhaus. Selbst ein Stück der Schmalkalder Stadtmauer wurde „verewigt“. Wobei es auch Vorschläge gegeben habe, das Lutherhaus gegen die Neue Hütte auszutauschen.

All dem wurde Ullrich gerecht. Seine Grafikerin arbeitete mit Hochdruck. Die Mitarbeiter vor Ort waren mit Schleifen, Zusammenstecken, Festkleben und Montieren der Einzelteile sowie mit dem Anbringen von Lichterketten beschäftigt. Alles wird in Handarbeit gefertigt. Die Motive werden nach Fotos oder alten Postkarten entworfen. Neu im vorigen Jahr war auch der Bogen mit der Hallenburg, dem Wahrzeichen von Steinbach-Hallenberg, im Hintergrund. Zudem hat Ullrich das dortige Rathaus und die Kirche mit untergebracht.

Vorbestellungen gab es sehr viele. Ullrich und sein Team aber mussten einige Kunden auf Januar vertrösten. Zwischenzeitlich sei kein Sperrholz lieferbar gewesen. Nicht einmal mehr Lichterketten habe er über den Großhandel bekommen können. Diejenigen, die den Bogen als Weihnachtsgeschenk eingeplant hatten, konnten erst einmal nur entsprechende, liebevoll gestaltete, Gutscheine verschenken. Jetzt stehen die Schwibbögen für die Hallenburgstadt abholbereit in Ullrichs Werkstatt. „Das ist auch ein schönes Neujahrsgeschenk“, meint er.

Was er 2021 nicht schaffte, war den Werragrund zu „versorgen“. Doch keine Sorge: Von Breitungen gibt es bereits einen Prototypen. Ebenso von Coburg. Recht speziell ist der Schwibbogen mit einem Motiv der Red Bull Arena in Leipzig, angefertigt auf besonderen Wunsch. Natürlich achtet Ullrich sehr auf Qualität. Schließlich ist das eine Anschaffung, an der man mehrere Jahre Freude haben will.

Graveur ist ursprünglich ein Metallberuf. Die Lasertechnik aber macht es möglich, außerdem auch Holz, Kunststoff, Stein oder Glas zu bearbeiten. Prägestempel und Schilder für die Automobilindustrie stellen Ullrich und sein Team das gesamte Jahr über her. Schwibbögen kommen jetzt dazu. „Ich habe noch ganz viele Ideen“, sagt der 37-Jährige und freut sich schon jetzt auf die Adventszeit 2022.

Auf einige neue Motive von umliegenden Orten darf man dann gespannt sein. Verraten aber wird jetzt noch nichts. Selbstverständlich richtet sich der Graveur auch nach den Wünschen seiner Kundschaft. „Ich hätte nie geglaubt, dass diese Idee solche Kreise zieht“, sagt er. Natürlich sei so ein Bogen etwas ganz Individuelles. Manch einer wanderte in ein Paket und wurde verschickt. Auf diese Weise erfreut so manche Familie ihre Lieben, die nicht mehr hier wohnen, mit solch einem Geschenk.

Übrigens gibt es die Bögen in verschiedenen Größen. Man hat also die Qual der Wahl. Und auch der Sockel kann verschieden gestaltet werden. Den für den Erfurter Bogen hat Ullrich mit der Krämerbrücke versehen.

Ab der zweiten Jahreshälfte 2021 begann das Geschäft mit den Schwibbögen. Seit Oktober gibt es gar einen Online-Shop dazu. Obwohl Weihnachten vorbei ist, laufen Bestellungen und Produktion weiter. Schließlich will Ullrich für die nächste Adventszeit gewappnet sein. Denn nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Und leuchtende Fenster sind in der dunklen Jahreszeit für die menschliche Psyche so wichtig. Wenn dann noch heimatliche Wahrzeichen beleuchtet werden, ist es umso schöner.

„Die Heimatverbundenheit ist sicher auch ein Garant für das große Interesse an den Bögen“, weiß Ullrich. Seit 22 Jahren übt er den Beruf des Graveurs schon aus, zehn Jahren davon ist er sein eigener Chef. Sechs Mitarbeiter gehören zu seinem Team. „Ich hatte im vorigen Jahr zehnjähriges Jubiläum“, sagt er. An eine Feier war wegen Corona nicht zu denken. Möglicherweise wird die in diesem Jahr nachgeholt.

 

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