Kunst aus Schmalkalden Kunstwerke symbolisieren jüdisches Leben

Vier Künstler haben eine Woche lang auf dem Gelände des Vereins „Bunter Kultur Schmalkalden e. V.“ (BUKS) an Stelen gearbeitet. Das Projekt wurde umgesetzt im Rahmen des Villa K-Projektes „Mit offenen Augen und Armen“, gefördert von 1700 JJLD, Denkbunt und der Thüringer Ehrenamtsstiftung.

Schmalkalden - Durch Kunst im öffentlichen Raum soll ein lebendiger Diskurs über jüdische Geschichte in Schmalkalden eröffnet werden. Die Arbeiten, die in dieser Reihe entstehen, darunter auch Street-Art an Hauswänden, sollen Jung wie Alt für eine Kultur des Erinnerns sensibilisieren. Sie sollen anregen, über unser gesellschaftliches Zusammenleben nachzudenken, um einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zu leisten. Es ist angedacht, die entstandenen Arbeiten zukünftig auf dem alten Jüdischen Friedhof zu platzieren.

Robert Tropschug
„Die Synagoge“: 1929 wurde in der Schmalkalder Judengasse die neue, zuvor umgebaute Synagoge feierlich eröffnet. Nach den Plänen des Architekten Walter Peter erhielt die bestehende Bausubstanz der alten Synagoge ein schmuckvolles und repräsentatives Eingangsportal. Viele einheimische Handwerker waren an dem Umbau beteiligt und durchaus stolz auf ihr gemeinsames Werk. Am 9./10. November 1938 wurde die Synagoge in der Pogromnacht zerstört. Die Stele zeigt die Tür sowie die schmuckvollen Fenster des Portals der neuen Schmalkalder Synagoge. Ihre charakteristische Form soll so als Denkmal an das zerstörte Bauwerk und die Auslöschung der Jüdischen Gemeinde Schmalkaldens während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. (Ganz oben soll auf der Stele noch ein Dach aus Kupfer sowie ein Davidsstern ergänzt werden.)

Ines Britz
„Jüdischer Totem“: Der Totem ist bei ethnischen Völkern ein Symbol der verwandtschaftlichen Verbundenheit zwischen Gruppe/Stämmen und einer bestimmten Naturerscheinung. Die Säule ist daran angelehnt. Der Olivenbaum steht für das Volk Israels, getragen von dem Fisch als Fruchtbarkeitssymbol sowie dem Chai und der Menora – stehend für das Leben und die Schöpfung. Über dem Baum befindet sich die schützende Hand der Miriam. Als oberer Abschluss, über allem stehend, ist die Tora – eine Art Regelwerk für das Leben nach dem jüdischen Glauben. Die Farbe Blau des Himmels steht im Judentum für Gott, Glauben und Offenbarung, Weiß bedeutet Reinheit und Heiligkeit – die Farben der israelischen Flagge.

Kathleen Hegenbarth
„Erinnern“: Die Schmalkalder Mikwe ist ein bedeutendes Relikt jüdischer Kultur in Südthüringen. Das Tauchbad diente zur rituellen Reinigung und wurde mit Grund- und Regenwasser gespeist. Die Treppenstufen, welche in das Becken führen, finden sich im Innern der Stele wieder. Anders als bei der Mikwe, in der sich das Wasser in einem Becken sammelte, fällt der Regen durch das Innere der Stele ins Bodenlose und wird nicht aufgefangen. Ein Verweis darauf, dass auch in Schmalkalden wegen der antisemitischen Verfolgung und Vertreibung die lokale jüdische Kultur nahezu gänzlich verschwunden ist. Die Inschrift in hebräischer Schrift bedeutet Erinnern.

Marie Denecke
„Der Granatapfel“: Der Granatapfel, spielt eine zentrale Rolle im jüdischen Neujahrsfest‚ „Rosh ha-Schana’’, welches dieses Jahr am 6. September begann, ebenso wie das Bilderhauer-Symposium in Schmalkalden. An Rosh ha-Schana wird der Granatapfel gereicht. So wünscht man sich im nächsten Jahr ebenso viele gute Taten zu begehen, wie der Granatapfel Kerne hat. Außerdem wird dem Granatapfel nachgesagt, so viele Kerne zu haben, wie die Tora Gebote hat – also 613. Der Granatapfel, der im Hebräischen „Rimonim’’ heißt, schmückt auch die Enden der Tora.

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