Meiningen. Hand aufs Herz: War der Dom Karlos seine Traumrolle oder gäbe er lieber den Hamlet? Benjamin Krüger muss nicht lange überlegen. In manchen Zügen würden sich die beide Figuren sogar ähneln. Aber Schillers Held liege ihm gefühlsmäßig näher.
Für den jungen Schauspieler ist der Dom Karlos bis jetzt die größte Rolle in einem klassischen Drama. Als Absolvent des Hamburger Schauspielstudios Frese kam er vor drei Jahren nach Meiningen. In zumeist kleineren und mittleren Rollen war Benjamin Krüger seither zu erleben als Prinz im Aschenputtel, als Sergeant Trotter in Die Mausefalle, als Tempelherr in Nathan der Weise und als Ruprecht in Der zerbrochene Krug.
Erste große Rolle
Die große Rolle des Dom Karlos brachte dem Schauspieler zunächst erst einmal viel Arbeit am Text. Nicht nur das Auswendiglernen, auch die Sprache und der Rhythmus waren für ihn anfangs noch ungewohnt. Im Textbuch hat er sich zunächst die Hebungen mit Häkchen gekennzeichnet, um den Sinn der Sätze besser zu verstehen. Die Sprache klingt sehr schön, vor allem gegenüber der heute verstümmelten Internetsprache, meint Benjamin Krüger und möchte dieses Sprachgefühl vor allem auch an junge Leute weitervermitteln.
Neuland mit Schiller
Abgesehen vom Wurm, den er in Kabale und Liebe ersatzweise für Roman Weltzien übernahm, ist der Dom Karlos für den Schauspieler die erste intensive Begegnung mit einem Schiller-Drama. Im Deutsch-Leistungskurs in der Schule, so erzählt er, wurde Goethes Faust gelesen. Texte mussten die Schüler im Unterricht nicht auswendig lernen. Wir haben eher Gedichte interpretiert, erinnert sich der Hannoveraner. Nach dem Abitur leistete Benjamin Krüger als Zivi zwei Jahre Friedensdienste bei der Aktion Sühnezeichen in Paris. In dieser Zeit besuchte er Theaterkurse und arbeitete in freien Gruppen. Alles ohne Schiller. Und auch später an der Schauspielschule in Hamburg las er zwar Schiller-Texte, spielte aber nie selbst in einem seiner Stücke mit. Gleich in mehrfacher Hinsicht betritt Benjamin Krüger also Neuland mit dem Dom Karlos.
Dass dieses Debüt am authentischen Ort stattfindet, war für seine Arbeit zunächst weniger von Bedeutung. Ich versuche der Figur nahe zukommen und mich selbst darin zu finden, erklärt er seine Herangehensweise. Aber in den Vorstellungen vor dem Publikum, so meint er, wird ein solches Gefühl sicherlich mitspielen.
Natürlich war der junge Schauspieler schon in Bauerbach. Gleich zweimal im vergangenen Herbst, einmal stand er vor verschlossenen Türen des Schiller-Museums. Im Ort und im Museum war eine Ruhe, fast wie zu Schillers Zeiten, erinnert sich Benjamin Krüger an seine Begegnung in Bauerbach.
Das Leben des Asylanten im Schillerort wurde für Benjamin Krüger vorstellbar. Dem Dom Karlos ist er auf den Proben menschlich sehr nahe gekommen. Mit seiner Sensibilität, auch seiner emotionalen Intelligenz und seinem Geliebt-sein-wollen kann ich mich identifizieren, bekennt der junge Schauspieler. Auch in den Konflikt zwischen politischem Engagement und persönlichen Interessen kann sich Benjamin Krüger reindenken: Als Jugendlicher habe ich in Hannover in einer Amnesty-International-Gruppe mitgearbeitet. Ich beteiligte mich an Protestaktionen und schrieb Briefe gegen Menschenrechtsverletzungen in afrikanischen Ländern und in China. Als Schülerratsmitglied engagierte er sich auch im Stadtrat.
Heute keine Visionen
Doch seit er in Meiningen Schauspieler ist, fehlt ihm für all das die Zeit. Vielleicht, so vermutet er, liegt es aber daran, dass wir heute keine Visionen mehr haben, kein Ziel für das wir kämpfen können. Die 68er waren die letzten, sagt der 28-Jährige. So empfindet er einerseits, dass es ein Mangel ist, nichts zu machen, andererseits meint er jedoch, dass Veränderungen in kleinen Schritten vielleicht mehr bringen als eine Revolution.
In dieser Hinsicht fühlt er sich gleichgesinnt mit dem Dom Karlos. Allein durch Liebe wolle der die Welt verändern. Geradlinig und direkt zeige Dom Karlos seine Gefühle. Darum tauge er auch nicht für die Verschwörung des Marquis von Posa gegen König Philipp. Liebe ist es, die Seelen an Seelen bindet, die aus der grenzenlosen Geisterwelt eine Familie macht, ist der Leitspruch des Dom Karlos. Und darin fühlt sich Benjamin Krüger mit ihm einig. Carola Scherzer
Für den jungen Schauspieler ist der Dom Karlos bis jetzt die größte Rolle in einem klassischen Drama. Als Absolvent des Hamburger Schauspielstudios Frese kam er vor drei Jahren nach Meiningen. In zumeist kleineren und mittleren Rollen war Benjamin Krüger seither zu erleben als Prinz im Aschenputtel, als Sergeant Trotter in Die Mausefalle, als Tempelherr in Nathan der Weise und als Ruprecht in Der zerbrochene Krug.
Erste große Rolle
Die große Rolle des Dom Karlos brachte dem Schauspieler zunächst erst einmal viel Arbeit am Text. Nicht nur das Auswendiglernen, auch die Sprache und der Rhythmus waren für ihn anfangs noch ungewohnt. Im Textbuch hat er sich zunächst die Hebungen mit Häkchen gekennzeichnet, um den Sinn der Sätze besser zu verstehen. Die Sprache klingt sehr schön, vor allem gegenüber der heute verstümmelten Internetsprache, meint Benjamin Krüger und möchte dieses Sprachgefühl vor allem auch an junge Leute weitervermitteln.
Neuland mit Schiller
Abgesehen vom Wurm, den er in Kabale und Liebe ersatzweise für Roman Weltzien übernahm, ist der Dom Karlos für den Schauspieler die erste intensive Begegnung mit einem Schiller-Drama. Im Deutsch-Leistungskurs in der Schule, so erzählt er, wurde Goethes Faust gelesen. Texte mussten die Schüler im Unterricht nicht auswendig lernen. Wir haben eher Gedichte interpretiert, erinnert sich der Hannoveraner. Nach dem Abitur leistete Benjamin Krüger als Zivi zwei Jahre Friedensdienste bei der Aktion Sühnezeichen in Paris. In dieser Zeit besuchte er Theaterkurse und arbeitete in freien Gruppen. Alles ohne Schiller. Und auch später an der Schauspielschule in Hamburg las er zwar Schiller-Texte, spielte aber nie selbst in einem seiner Stücke mit. Gleich in mehrfacher Hinsicht betritt Benjamin Krüger also Neuland mit dem Dom Karlos.
Dass dieses Debüt am authentischen Ort stattfindet, war für seine Arbeit zunächst weniger von Bedeutung. Ich versuche der Figur nahe zukommen und mich selbst darin zu finden, erklärt er seine Herangehensweise. Aber in den Vorstellungen vor dem Publikum, so meint er, wird ein solches Gefühl sicherlich mitspielen.
Natürlich war der junge Schauspieler schon in Bauerbach. Gleich zweimal im vergangenen Herbst, einmal stand er vor verschlossenen Türen des Schiller-Museums. Im Ort und im Museum war eine Ruhe, fast wie zu Schillers Zeiten, erinnert sich Benjamin Krüger an seine Begegnung in Bauerbach.
Das Leben des Asylanten im Schillerort wurde für Benjamin Krüger vorstellbar. Dem Dom Karlos ist er auf den Proben menschlich sehr nahe gekommen. Mit seiner Sensibilität, auch seiner emotionalen Intelligenz und seinem Geliebt-sein-wollen kann ich mich identifizieren, bekennt der junge Schauspieler. Auch in den Konflikt zwischen politischem Engagement und persönlichen Interessen kann sich Benjamin Krüger reindenken: Als Jugendlicher habe ich in Hannover in einer Amnesty-International-Gruppe mitgearbeitet. Ich beteiligte mich an Protestaktionen und schrieb Briefe gegen Menschenrechtsverletzungen in afrikanischen Ländern und in China. Als Schülerratsmitglied engagierte er sich auch im Stadtrat.
Heute keine Visionen
Doch seit er in Meiningen Schauspieler ist, fehlt ihm für all das die Zeit. Vielleicht, so vermutet er, liegt es aber daran, dass wir heute keine Visionen mehr haben, kein Ziel für das wir kämpfen können. Die 68er waren die letzten, sagt der 28-Jährige. So empfindet er einerseits, dass es ein Mangel ist, nichts zu machen, andererseits meint er jedoch, dass Veränderungen in kleinen Schritten vielleicht mehr bringen als eine Revolution.
In dieser Hinsicht fühlt er sich gleichgesinnt mit dem Dom Karlos. Allein durch Liebe wolle der die Welt verändern. Geradlinig und direkt zeige Dom Karlos seine Gefühle. Darum tauge er auch nicht für die Verschwörung des Marquis von Posa gegen König Philipp. Liebe ist es, die Seelen an Seelen bindet, die aus der grenzenlosen Geisterwelt eine Familie macht, ist der Leitspruch des Dom Karlos. Und darin fühlt sich Benjamin Krüger mit ihm einig. Carola Scherzer