Kultur Keine Feier zum Geburtstag: CCS ist 25

Szene für Szene werden im November 2020 die drei Fernseh-Shows mit Florian Silbereisen in verschiedenen Bühnenbildern im Suhler CCS produziert und aufgezeichnet. – Alles ohne Publikum in Corona-Zeiten. Foto: ari/Michael Reichel

Menschenleer das Atrium, der große Saal sowieso: Tapfer kämpft alleine der Weihnachtsbaum gegen den Corona-Blues. Am 2. Dezember wurde das CCS 25 Jahre alt. Doch bis auf Weiteres geht nichts.

Suhl - Musik aus dem „Tannhäuser“ zur Eröffnung: „Freudig begrüßen wir die edle Halle“ – gespielt von der Thüringen-Philharmonie Suhl. Später am Abend stehen Johannes Heesters, Harald Juhnke und Paul Kuhn auf der Bühne. Lang ist’s her. Zum runden Geburtstags-Kaffee mit Pressekonferenz auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert später sind weder Aufsichtsratschef Dieter Spieker noch Geschäftsführerin Daniela Schneider, noch OB André Knapp in Feierlaune. Das Jahr verläuft für das Congress Centrum, das eben nun einmal nicht nur einem Parkhaus, der Schwimmhalle und eingemieteten Geschäften oder Verwaltungsbehörden ein Dach über den Kopf gibt, sondern zum erheblichen Teil von Veranstaltungen lebt, katastrophal.

„Wir sind durchs Jahr geschlingert“, sagt Daniela Schneider und spricht von einer Berg- und Talfahrt. Genaue Zahlen zur Höhe der Einnahmeausfälle gibt es noch nicht. Wie überall im Kulturbetrieb musste auch das CCS einen Großteil seines Personals in Kurzarbeit schicken. „Das hat natürlich geholfen“, so Schneider. Sicher, es gab einige Lichtblicke: Im Spätsommer und im Herbst spielte zwei Mal das MDR-Orchester in dem mit einem ausgefeilten Hygienekonzept versehenen Haus. Die Konzerte waren ausverkauft. Und erst vor wenigen Tagen ließ der MDR abgeschottet von der Außenwelt drei TV-Shows in Suhl produzieren – darunter das erstmals nicht live gesendete „Adventsfest der 100 000 Lichter“. Mehrere kleine Veranstaltungen gingen problemlos über die Bühne – u. a. auch beim „Provinzschrei“-Festival. Aber das war es dann auch schon.

Nun ist wieder alles dicht. Erst hieß es bis 20. Dezember – laut Thüringer Verordnung von Anfang dieser Woche. Inzwischen gilt der Teil-Lockdown bis 10. Januar. Womöglich aber ist auch erst der 1. Februar ein realistisches Datum – bis dahin sind die Thüringer Theater dicht. Aber selbst das ist nicht sicher. Womöglich dauert der Lockdown noch viel länger. Das Weihnachtsmärchen soll nun Ostern gespielt werden, sagt Daniela Schneider. Viele Veranstalter hätten ihre gebuchten Termine schon verschoben, zum Teil sogar ins übernächste Jahr – wie etwa die Band „Stahlzeit“. „Wir versuchen, jeden Veranstalter zu begleiten“, sagt die Geschäftsführerin.

Doch letztendlich bedeutet das für Suhl als Finanzier des CCS erhebliche Mehraufwendungen – zusätzlich zu den notwendigen Reparatur- und Sanierungsprojekten. Gerade wurde das neue Glasdach für das Atrium fertig. Und weitere Arbeiten sind unumgänglich: Nach 25 Jahren ist eben vieles auch einfach alt geworden.

Suhl erhält im Moment keine Landesmittel für das CCS, sagt Andrè Knapp. Das war einmal anders. Die Thüringer Staatskanzlei bestätigt, dass die Stadt Suhl zurzeit die Kriterien für den Kulturlastenausgleich nicht erfüllt. Die Kulturausgaben werden dafür im Verhältnis zum Verwaltungshaushalt betrachtet. Entscheidend sind auch die Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur, und da gibt Suhl zu wenig Geld aus. Auch institutionell – das heißt mit einem jährlichen Zuschuss aus dem Landeshaushalt – wird das CCS nicht gefördert. Allerdings kompensiert das Land einen Teil der Corona-bedingten Steuerausfälle vieler Kommunen und möglicherweise könnte Suhl ab Januar Mittel aus der „Überbrückungshilfe III“ beantragen. Licht am Ende des Tunnels will Dieter Spieker aber sehen: 2022 wird die „Stadthalle der Freundschaft“, die Anfang der Neunziger zum CCS umgebaut wurde, 50 Jahre alt: „Wir wünschen uns, dass wir das feiern können.“

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