Kultspielzeug Schmalkalden als Lego-Stadt

Annett Recknagel

Eine große Stadt aus zusammengesteckten Teilchen entstand jetzt in den Räumen der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (EFG) am Schmalkalder Kanonenweg. 40 Kinder verbauten zwei Tage lang 150 000 Steine.

Sophie will ein Superauto für eine Schnellstraße bauen. Jenny tüftelt an einem Candy-Shop. Silas und Matthes setzen einen Wolkenkratzer zusammen und Johanna und Magdalena arbeiten schon den ganzen Tag an einem riesigen Rundhaus. Letzteres ist so groß, dass beim Befestigen des Dachs Hilfe nötig wird. Betreuer sind ausreichend zur Stelle. Es muss nur aufgepasst werden, dass das Haus keinen Schaden nimmt. Und dann ist es geschafft: Das Rundhaus ist fertig und muss einige Meter transportiert werden.

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Samuel Kloft vom Kids Club „Lebendige Steine“ aus Stendal ist zur Stelle. Gemeinsam wird das Gebilde zum Tisch transportiert, auf dem die große Lego-Stadt wächst. Und das ist ein ganz besonderer Tisch. Eigentlich sind es mehrere, insgesamt zwölf Meter lang. Am Tag eins ist die Fläche schon sehr gut gefüllt. Die Stadt ist schon zu erkennen. Emily hat ihr Traumhaus gebaut. „Es hat 13 Etagen, ist pink und lila angestrichen und hat innen einen Fahrstuhl“, erzählt sie. Drei Stunden hat die Schülerin investiert. Auch ein Garten gehört dazu. Erik baut derweil ein Schiff. „Das ist gar nicht so schwer. Ich bin ziemlich begabt im Bauen mit Lego“, meint er und Isack tönt: „Ich liebe Lego!“ Genau diese Leidenschaft teilen alle an dem Projekt beteiligten 40 Kinder.

Zwei Tage lang hatten sie die Möglichkeit, in den Räumlichkeiten der Evangelisch-Freikirchlichen-Gemeinde eine große Lego-Stadt zu bauen. Und das setzten sie im vollen Eifer um. Schon am ersten Tag herrschte ein reger Betrieb. Des Bauens müde wurde so schnell keiner. Tun einem dabei nicht die Finger weh? „Nein“, kommt es gleich aus mehreren Mündern und danach: „Es macht voll Spaß.“

Die meisten haben Erfahrung im Bauen. Zudem gibt es genaue Anleitungen. Wer will, kann aus dem Stegreif Bauten zusammen setzen. Und wenn etwas nicht klappt, sind genug Ansprechbarkeit da, die man um Hilfe bitten kann. „Das große Gemeinschaftserlebnis ist es“, erklärt Samuel Kloft aus Stendal. Jeder könne sich mit seinen Gaben einbringen. Häuser dürften in verschiedenen Höhen gebaut werden. Schön bunt gemischt. Dazu kämen Gemeinschaftsobjekte. An einem Plattenbau beispielsweise haben sieben Kinder gearbeitet. „Und dabei viel Geduld bewiesen“, meint Kloft. Zudem entstanden ein Stadion, ein Zoo, eine Polizeistation, Feuerwehr, eine landwirtschaftliche Ecke, Gärten, Freizeitanlagen, Grünflächen, Kirche, Straßen – eben alles, was eine Stadt ausmacht. Manch einer hockt zum Bauen auf dem Fußboden, andere an den Tisches. Es wird auch im Stehen gebaut. John und Hans zeigen stolz ihren Mähdrescher und ihr Bauernhaus. Edwin berichtet über viele schöne Riesenhäuser. Die letzten beiden Ferientage waren damit sehr gut ausgefüllt. „Die Kinder sind bestimmt am Abend gut müde“, mutmaßt Gemeindereferent Silas Birnbaum. Er hatte den Kids-Club mit einer Lego-Stadt in Friedrichroda kennengelernt und sofort Kontakt aufgenommen. Und so war man mit 150 000 Steinen im Gepäck nach Schmalkalden gefahren. 40 Kinder zwischen acht und 14 Jahren waren begeistert. Zwölf Helfer schauten nach dem Rechten und waren für die Versorgung zuständig. Zwischendurch gab es informative Geschichten aus der Bibel. Auch das Legostein Lied mit dem Refrain „Stein auf Stein, Stück für Stück – wir bauen eine Legostadt“ hallte an den Bautagen regelmäßig durch den Saal. Nach dem Sonntags-Gottesdienst übergab Bürgermeister Thomas Kaminski die große Lego-Stadt und der Jubel war entsprechend groß. Ein jeder durfte die Stadt bewundern. Für den Abbau konnte man eine Gruppe Erwachsener gewinnen, die am letzten Nachmittag noch einmal gut zu tun hatten.