Kritik an Bildungspolitik Greiser wünscht stärkere Regelschulen

red
Landrätin Peggy Greiser wünscht sich Änderungen in der Bildungspolitik. Allgemeinbildende Lehrinhalte sollten ihrer Meinung nach künftig vom Bund gesteuert werden und nicht Sache der einzelnen Länder sein. Foto: /Marko Hildebrand-Schönherr

Landrätin Peggy Greiser kritisiert die Schulpolitik: Das Wettbieten der Länder bei der Bezahlung der Lehrer müsse aufhören, die Regelschule sollte gestärkt werden. Sie rät außerdem dazu, besser darauf zu achten, wer sich als Lehrer überhaupt eignet.

 
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Lehrermangel, eine hohe Schulabbrecher-Quote, große Lernrückstände und Leistungsdefizite bei Schülern durch die Corona-Zeit. In den Schulen liegt einiges im Argen. „Wir haben deutschlandweit sehr viele Probleme im Bildungsbereich. Die Krise lässt sich nur überwinden, wenn alle Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagt Landrätin Peggy Greiser (parteilos). Den Bildungsgipfel kürzlich in Berlin bezeichnet sie als Farce. Etliche Bildungsminister der Länder seien der Runde ferngeblieben. „Sie verweigern offenbar eine Zusammenarbeit“, moniert Greiser. Dabei sei es höchste Zeit, dass das ewige Kompetenzgerangel zwischen Bund und Land aufhöre. Beim Thema Bildung sei eine harte Auslegung des Föderalismus-Begriffes Gift. Gerade allgemeinbildende Lehrinhalte sollten wie die Berufsausbildung auf Bundesebene gesteuert werden, findet Greiser.

Zudem müssen ihren Worten zufolge dringend strukturelle Probleme angegangen werden, die auch durch den demografischen Wandel immer mehr zutage treten. Es dürfe nicht nur um eine bessere Bezahlung von Lehrern oder um ein Wettbieten zwischen den Bundesländern um die Lehrergehälter gehen. „Die jetzt diskutierten Leistungsprämien für Lehrer sind schwer umzusetzen, da steht die Frage der objektiven Messbarkeit im Raum. Am Ende läuft man Gefahr, dass sich noch weniger Lehrer als ohnehin schon für einen Job an einer Schule mit schwierigerem Umfeld entschließen. Bestimmte Leistungsparameter wie eine hohe Abschlussquote sind an Brennpunktschulen natürlich schwieriger zu erreichen.“

Auch müsse strukturell das Stadt-Land-Gefälle beim Thema Lehrermangel betrachtet werden. Wichtiger als finanzielle Anreize seien gleichwertige und attraktive Arbeitsbedingungen für Lehrer und weniger Bürokratie. Zudem müsse bei der Lehrerausbildung stärker auf die persönliche Eignung geachtet werden. Laut aktuellen Studien sind rund 40 Prozent der Lehrer in Deutschland für den Beruf weniger geeignet. Dies führe in der Folge zu psychischen Belastungen und vermehrten Krankheitsausfällen. Landrätin Greiser wünscht sich einen stärkeren Fokus auf längeres gemeinsames Lernen und eine praxisnahe berufliche Orientierung. „Der Akademisierungswahn in Deutschland verschärft die Fachkräftesituation weiter. Wir brauchen in Deutschland laut Studien der Agentur für Arbeit und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rund 80 Prozent Facharbeiter und nur 20 Prozent Arbeitskräfte im akademischen Bereich. Wir müssen Schulabschlüsse der mittleren Reife stärken“, fordert Greiser.

All diese Ziele könnten Bund und Land nur zusammen in Kooperation mit den Kommunen erreichen. Greiser begrüßt, dass sich die Kultusminister verbindlich auf den Weg machen wollen, um die Inhalte zur Vorbereitung auf das Abitur zwischen den Bundesländern anzugleichen.

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