Museum sieht Strafanzeige als Einschüchterungsversuch
Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, die das Synagogenzentrum in Potsdam betreibt, kritisierte in einem Bericht der "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN) am Dienstag, Kunstfreiheit, die auf Kosten gefährdeter Gruppen gehe, fördere keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt und keinen Beitrag zum Frieden. "Sie schürt weiter die Glut in einer Atmosphäre, in der Jüdinnen und Juden seit dem 7. Oktober 2023 einer Gewalteskalation ungeahnten Ausmaßes ausgesetzt sind."
Zu der eingegangenen Strafanzeige, über die "Spiegel Online" zuvor berichtete, und wie der Vorwurf lautet, wollte sich die Staatsanwaltschaft Potsdam auf Nachfrage nicht näher äußern. Das Museum bezeichnete den juristischen Schritt als Versuch, "uns und den Künstler einzuschüchtern".
Volker Beck sagte angesichts seiner Strafanzeige am Nachmittag, das Kunstwerk ignoriere die Verfolgungsbedingungen im Holocaust, verhöhne durch Banalisierung das Leiden der Opfer und greife so ihre Würde und ihr Angedenken an.
Oberbürgermeisterin schaltet sich ein
Jetzt will sich auch die Oberbürgermeisterin der Stadt, Noosha Aubel (parteilos), vermittelnd in den Streit einschalten. "Klären lässt sich das nur im Dialog", sagte sie. "Es ist das eine, eine Ausstellung nach wissenschaftlichen Maßstäben zu kuratieren - das ist geschehen. Doch vor dem Hintergrund des Terroranschlags in Sydney bleibt bei der jüdischen Gemeinde ein ungutes Gefühl. Ich finde, auch das muss man ernst nehmen." Zu einem "Dialog auf Augenhöhe" sei das Museum und der Künstler bereit, sagte Museums-Geschäftsführer Blénessy.