Wie gut sind die Karten der Europäer?
Sie haben kaum Druckmittel in der Hand. Die Alternative zu einem schnellen Friedensschluss ist eine Fortsetzung des Krieges, bei dem die Europäer die Ukraine möglicherweise alleine ohne die USA unterstützen müssen. Etliche europäische Spitzenpolitiker geben mehr oder weniger offen zu, dass das mittel- bis langfristig kaum zu leisten ist. So gelten zum Beispiel amerikanische Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot auf absehbare Zeit als unverzichtbar, um den ukrainischen Luftraum gegen russische Drohnen und Raketenangriffe zu verteidigen. Ähnliches gilt für die US-Geheimdienstinformationen und weitreichende Raketenwerfer.
Welches Problem haben die Europäer noch?
Außerdem sind viele Staats- und Regierungschefs zu Hause mit kriegsmüden Wählerinnen und Wählern konfrontiert, die die kostspielige Unterstützung für die Ukraine mehr und mehr infrage stellen. Innerhalb der EU können weitreichende Pläne für mehr Unterstützung für die Ukraine schon heute nicht mehr durchgesetzt werden, weil sie Einstimmigkeit erfordern und von Ländern wie Ungarn und der Slowakei blockiert werden. Aktuell wird darum gerungen, das in der EU eingefrorene Milliarden-Vermögen der russischen Staatsbank für die militärische Hilfe der Ukraine zu nutzen.
Was macht den Europäern Hoffnung?
Die Erfahrungen mit der letzten Friedensinitiative Trumps. Damals hatte es nach dem persönlichen Treffen von Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Alaska schon die Befürchtung gegeben, dass der Ukraine eine Zustimmung zu einem Friedensvertrag aufgezwungen wird. Die Europäer schafften es dann aber, Trump zu einem Umdenken zu bringen. Ein geplantes zweites Treffen mit Putin kam nicht zustande. Stattdessen ließ Trump sogar neue Sanktionen gegen russische Energieunternehmen verhängen.
Wie verhandlungsbereit sind die Amerikaner jetzt?
Es gibt Signale, dass sie für Änderungen offen sind. Am Samstagabend verneinte Trump in Washington die Frage einer Reporterin, ob sein Friedensplan denn nun das letzte Angebot sei.
Bis wann will Trump zu einer Einigung kommen?
Er hat eine Frist bis Donnerstag gesetzt. In den USA ist dann Thanksgiving, einer der wichtigsten Festtage des Landes. Es gibt Spekulationen darüber, dass Trump bereits konkrete Pläne für eine Unterzeichnungszeremonie in den USA hat.
Ist das zu schaffen?
Merz glaubt nicht so recht daran. "Vielleicht können wir weiterkommen, aber ich bin unverändert skeptisch, dass das in der Kürze der Zeit kommt", sagt er.
Kann es dann zumindest zu einem ersten Schritt kommen?
So stellt sich der Kanzler das vor. "Ich habe noch einmal einen weiteren Vorschlag gemacht, der sozusagen unterhalb der kompletten Lösung bleibt", sagte er überraschend bei einer Pressekonferenz zum G20-Gipfel. Die Einzelheiten nannte er aber noch nicht. Kurz darauf wurde aus seinem Umfeld klargestellt, dass es nicht sein persönlicher Vorschlag sei, sondern es eine "inzwischen abgestimmte" Verhandlungsposition der Europäer und der Ukraine gebe. Diese Position sei nun Gegenstand der Gespräche mit den USA.