Krieg in Osteuropa „Solidarisch im Kampf um Freiheit“

Menschen, die vor Putins Krieg aus der Ukraine fliehen müssen, sind in Sonneberg willkommen – diese Botschaft sendeten am Sonntag 350 Teilnehmer der Friedenskundgebung auf dem Piko-Platz.

Ihre Anteilnahme am Schicksal der Opfer von Gewalt und Vertreibung in Osteuropa flaggen diese Jugendlichen in der Sonneberger Innenstadt. Foto:  

Sonneberg - Sonneberg steht fest an der Seite jener Menschen, die in der Ukraine einem mörderischen Angriffskrieg ausgesetzt sind und Land und Leben verteidigen müssen. Hierzu ein Zeichen zu setzen, hatte für den späten Sonntagnachmittag ein breites Bündnis aus Parteien, Organisationen und Verbänden sowie der evangelischen Kirche aufgerufen. 300 Teilnehmer hatte Mitorganisator Michael Stammberger angemeldet, rund 350 waren der Einladung zum Pikoplatz gefolgt, darunter viele kommunale Mandatsträger. Mit Friedenstauben auf blauen Luftballons, Forderungen nach einem Ende der Gewalt auf Protestplakaten oder Fahnen in den Landesfarben der Ukraine gaben die Sonneberger ihrer Betroffenheit Ausdruck.

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Superintendent Thomas Rau nannte Russlands Präsident einen Aggressor, „der die Welt an den Rand eines Abgrunds führt“ mit seinem durch nichts zu rechtfertigenden Gebaren. Dessen Imperialismus bedeute einen Rückfall in die „dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte“.

Seine Gedanken seien bei jenen, die nun nicht nur ihre eigene, sondern die Freiheit aller Menschen verteidigen müssen. Und in Sonneberg auf dem Pikoplatz habe man auch jene im Blick, die in Moskau aufbegehren – und im Gegensatz zu Demonstranten in einem demokratischen Gemeinwesen dort damit rechnen müssen, abgeführt zu werden.

Es werde noch viel Tapferkeit brauchen, sich an die Seite derjenigen zu stellen, die angekommen sind und noch kommen werden, sagte der Kirchenmann mit Blick auf die Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet.

Auch Vizelandrat Jürgen Köpper zollte seine Achtung jenen, die zurzeit in Russland aufstehen gegen den grundlos vom Zaun gebrochenen Krieg. Seine Gebete gelten aber den Ukrainern, die sich tapfer zur Wehr setzen: „Wir sind solidarisch und unterstützen sie in ihrem Freiheitskampf.“

„Unsere Verantwortung“

Anderthalb Millionen Menschen seien schon jetzt auf der Flucht, rund 40 000 kamen nach Deutschland, über 10 000 nach Thüringen. Der Landkreis, so seine Vermutung, werde sich in den kommenden anderthalb Monaten auf die Aufnahme von 800 Menschen einzustellen haben. Zumeist Frauen und Kinder, die wenig mehr haben als einen Koffer und eine Reisetasche, und das, was sie am Leib tragen. Doch einerlei, wie groß die Herausforderung ist: „Auch wir stellen uns unserer Verantwortung und kümmern uns von Herzen gerne um die vielen, die bei uns Schutz suchen – wer vor Putin fliehen muss, ist im Landkreis herzlich willkommen.“ Ein Bekenntnis, das mit kräftigem Beifall bedacht wurde. Allerdings merkte Köpper auch an, dass die Solidarität konkret werden muss – etwa wenn Flüchtlingskinder in Schulen und Kindergärten zu integrieren sind. An die „Adresse der Bundesregierung“ gewandt äußerte der amtierende Landrat daher, diese sei aufgefordert die Bevölkerung zu entlasten, bei den Energiepreisen, die nicht nur die Glaswerker in der Region gerade hart treffen, sondern auch viele Arbeitnehmer, die als Pendler auf Mobilität angewiesen sind. Es ist in diesen Zeiten notwendig das umzusetzen, was im Sinne der Bürger machbar ist, so Köpper.

Die flächendeckende Zerstörung der Ukraine sofort zu beenden, lautete sein Ruf an Russlands Präsidenten. Der sofortige Abzug aller Truppen, eine Ende der humanitären Katastrophe, sind die zentrale Forderungen. „Ziehen Sie sich aus der Ukraine zurück und lassen Sie die Menschen wieder in Frieden und Freundschaft zusammenleben.“

Von den Sonnebergern sei angesichts von Krieg und Elend in Osteuropa Bereitschaft zur Unterstützung vonnöten. Spenden – ob nun Geldbeträge oder Hilfsgüter – brauche es dringend. Decken, Schlafsäcke, Isomatten oder Gästebetten, Taschenlampen und Hygieneartikel, Konserven, Nudeln und Reis, wärmende Winterkleider aber auch Verbandsmaterial und Medikamente zählte er auf. All das werde unbedingt gebraucht. Darüber hinaus bitte das Landratsamt Sprachkundige dringend, sich als Dolmetscher zur Verfügung zu stellen.

Stolz auf die Sportler

Sonnebergs Bürgermeister Heiko Voigt gab seiner Erschütterung Ausdruck angesichts der sich zuspitzenden Nachrichtenlage in den vergangenen Wochen und Monaten, als im November noch von einem Manöver die Rede war, schließlich vergangene Woche vom Einmarsch, und dann die Bombardierung von Städten und der Beschuss von Atomkraftwerken gemeldet wurde – „und keiner kann sagen, welche Grausamkeiten noch kommen werden“.

Die tapferen Menschen in der Ukraine, die sich mutig gegen einen übermächtig erscheinenden Aggressor behaupten, „gehört unsere Solidarität“. Wobei Voigt betonte: „Unser Gegner ist nicht das russische Volk und schon gar nicht sind es unsere russischen Mitbürger in Sonneberg.“ Bewegt zeigte sich der Stadtchef von dem, was er am Freitag in der Wolkenrasen-Begegnungsstätte erlebte bei der Ankunft jener Flüchtlinge, die der Sonneberger Handballverein im Bus von der ukrainisch-ungarischen Grenze abgeholt hatte. Mütter mit Kleinkindern, die ihm in gebrochenem Englisch von ihrer Angst bei Luftangriffen berichteten, von schlaflosen Nächten in der U-Bahn in Kiew. Die Rettung dieser Familien durch die Sportler mache ihn stolz. Die Sonneberger haben tatkräftige Anteilnahme gezeigt. Hier nicht nachzulassen, lautete seine Bitte an die Bevölkerung. Jeder möge leisten, was ihm möglich ist, einerlei ob durch Geld- und Sachspenden oder persönliche Zuwendung gegenüber den jetzt Ankommenden.

Nach rund einer dreiviertel Stunde beendete Michael Stammberger die Friedenskundgebung. Der Linke-Kreisvorsitzende kündigte weitere Aktionen im Rahmen des Programms „Demokratie leben“ an. Superintendent Thomas Rau lud die Teilnehmer derweil ein, das Angebot offener Kirchen zur Gelegenheit von Einkehr und einem tröstenden Miteinander zu nutzen.