Kreissynode Schmalkalden Zerreißproben und Fragen

Annett Recknagel

Die Synodalen des Kirchenkreises Schmalkalden trafen sich am Samstag im Gemeindehaus zu ihrer Herbsttagung. Die Frage, wie die derzeitige Krisenzeit gemeinsam gestaltet werden kann, stand im Mittelpunkt.

Die Kreissynode kam im Elisabethsaal des Gemeindehauses St. Georg am Kirchhof 3 zusammen. Foto: Annett Recknagel

Diskutierten die Synodalen des Kirchenkreises Schmalkalden in letzten Jahr das Problem „Wie wollen wir miteinander leben?“, gingen sie zur jüngsten Tagung der Frage nach „Wozu sind wir da?“. Beide Themen hatte Dekan Ralf Gebauer in seinen Berichten aufgeworfen.

Nach der Werbung weiterlesen

Vor zwölf Monaten beherrschte die auslaufende Corona-Pandemie und die zwischen Menschen vielerorts entstandenen Gräben die Szenerie. Jetzt sind Ukrainekrieg, gestiegene Energie- und Lebensmittelreise, nicht mehr funktionierende Lieferketten und Materialengpässe als zusätzliche Belastungen dazu gekommen. „Vertrauensverlust in Institutionen und staatliches Handeln sowie Existenzängste prägen Gespräche und Diskussionen“, sagte Gebauer. Proteste und Unmutsäußerungen hätten zugenommen – und das nicht nur von rechten Gruppierungen. „Sie kommen aus der gesamten Breite der Gesellschaft“, so der Dekan.

Dies führe auch in den Kirchengemeinden zu Zerreißproben. Man merke hier, dass Kirche immer auch ein Spiegel der Gesellschaft sei. Und so sei die Frage, wie wir miteinander leben und umgehen momentan aktueller denn je. Es helfe nicht weiter, vor all dem die Augen zu verschließen.

Und weil Dekan Gebauer persönlich nicht zum Resignieren neigt, stellte er sich die Fragen: Wie gehen wir mit der Situation um? Und wie gestalten wir die Krisenzeit gemeinsam? Im Hinblick auf die nächsten Monate seien ihm im kirchlichen Bereich zahlreiche Überlegungen und Vorschläge bereits bekannt. Vieles drehe sich dabei um das Thema „Wärme“. Dies betreffe einerseits ganz praktische Ideen – zum Beispiel für Wärmestuben, das Anbieten warmer Mahlzeiten oder auch das schlichte Bereithalten von Wolldecken bei Veranstaltungen.

Andererseits gehe es auch um „Wärme“ im übertragenen Sinn. „Um Atmosphärisches und Hoffnung stiftende Impulse“, so der Dekan. In vier Arbeitsgruppen ging man der Frage „Wozu sind wir da?“ im Gemeindehaus nach. Danach erfolgte die Auswertung in großer Runde. Wobei die Themen Wärmestuben, warme Mahlzeiten und Wolldecken nach Ansicht der Synodalen eher auf große Städte zutreffen würden. Hier bei uns habe die nachbarschaftliche Hilfe nach wie vor einen großen Stellenwert.

Weitaus wichtiger, so die Meinung nach den Gruppendiskussionen, sei der Wunsch der Menschen nach Normalität und Gemeinschaft. Und so sei es eine Aufgabe der Kirche, gerade in der bevorstehenden Adventszeit, Menschen zu vermitteln, dass sie nicht alleine seien.

Für ein Stück weit Normalität sprechen auch die kirchlichen Veranstaltungen in der Advents- und Weihnachtszeit. Dekan Gebauer versicherte, dass es die Lichterkirche, Andachten und Gottesdienste an Heilig Abend in diesem Jahr geben werde.

In der Andacht, die der Tagung der Synode voraus gegangen war, hatte Pfarrerin Bettina Diener den großen Wunsch nach Frieden ausgesprochen. „Es gilt Brücken zu bauen, wenn wir Frieden schaffen wollen“, sagte sie und erinnerte an die ökumenische Friedensdekade, die in dieser Woche beginnt. Auch Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski hatte in seinem Grußwort von der gegenwärtigen Unsicherheit, von Frustration und großen Ängsten gesprochen. Wie man damit umgehen sollte, sei schwer zu beantworten. „Es geht um Hoffnung. Die Menschen müssen wieder dazu kommen, Vertrauen zu entwickeln“, stellte er heraus.

Der neue Superintendent des Kirchenkreises Bad Salzungen-Dermbach wies auf die Veränderungen in den letzten Jahren hin. „Wir alle passen uns der Zeit an, verändern uns“, sagte er. Seiner Ansicht nach stünden riesige Aufgaben vor uns. Und so ermutigte er, sich auf neue Vertriebswege einzulassen. Mit Dekan Gebauer habe er schon ein sehr intensives Gespräch geführt. Möglicherweise könnten künftig auch an einigen Stellen gemeinsame Sache gemacht werden.

Denkbar wäre das bereits beim Projekt „Mein Traum von Kirche“. Dahinter verbirgt sich die Frage, wie Kirche künftig sein werde. Dabei müsse man lernen, Kirche auch ein stückweit neu zu denken. Das könne nur gemeinsam vollbracht werden. Um dabei möglichst viele Menschen einzubeziehen, war am bevorstehenden Samstag eine Zukunftswerkstatt zu diesem Thema geplant. Leider musste sie wegen mangelnder Anmeldungen abgesagt werden.

Doch: Das Projekt soll weitergeführt werden, allerdings gelte es, das Format nochmals zu überdenken. „Es ist kein unwichtiges Projekt“, meinte der Dekan. Möglicherweise sei der Zeitpunkt falsch gewählt gewesen. Und auch ein ganzer Tag wäre vielleicht dafür zu viel.

2023 soll es einen neuen Ansatz geben. Möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit dem Nachbarkirchenkreis. Die Frage, wie Kirche in Zukunft zu gestalten sei, stelle sich schließlich allen.