Kreisstraßenmeisterei Sonneberg verabschiedet langjährige Mitarbeiter „Schöne Zeit, die wir nicht missen wollen“

Michael Frank neben seinem Unimog, mit dem er zu den verschiedensten Einsätzen der Kreisstraßenmeisterei ausgerückt ist. Foto:  

Sie waren bei Wind und Wetter auf den Straßen des Kreises unterwegs, um diese von Schnee und Eis zu befreien oder um sie zu reparieren. Nach mehr als 30 Jahren verabschieden sich Klaus Hertha und Michael Frank von der Kreisstraßenmeisterei und freuen sich auf ihren Ruhestand.

Sonneberg - Sie gehören zu den Männern der ersten Stunde, die in der Kreisstraßenmeisterei tätig waren. Klaus Hertha und Michael Frank haben quasi die Einrichtung mit aufgebaut. Jetzt heißt es für sie Abschied nehmen. „Eine Zeit, die wir nicht missen möchten“, sind sich beide einig.

Vor der Wende in der Thuringia in Oberlind tätig, war Michael Frank mit der Schließung seines Betriebes arbeitslos. Sein damaliger Feuerwehrchef erzählte ihm, dass man für die neue Kreisstraßenmeisterei – eine solche Einrichtung gab es zu DDR-Zeiten nicht – Leute sucht, die einen Lkw-Führerschein haben. „Den hatte ich und habe mich beworben“, erzählt Michael Frank. Er hatte Glück, wurde genommen und arbeitet zunächst knapp drei Jahre als ABM-Kraft hier. Danach wurde er fest übernommen. „Also fast 31 Jahre“, kann er es selber kaum glauben.

Nur ein kleines bisschen später wurde Klaus Hertha sein Kollege. Er arbeitete im Agrochemischen Zentrum und wurde regelmäßig für den Winterdienst von der Kreisstraßenmeisterei geordert. Man kannte sich und als aus der ABM eine richtige Kreiseinrichtung wurde, bewarb er sich. Auch er wurde genommen und hatte seitdem „eine sehr schöne Zeit“. Die ersten zehn bis 15 Jahre waren nicht einfach und für die Mitarbeiter körperlich anstrengend. „Wir hatten noch nicht die Technik und gerade in der Anfangszeit wurde sehr viel gebaut“, erzählt Klaus Hertha. Aber, und da ist er sich ganz sicher, er würde es genau so wieder machen. „Meine Entscheidung war richtig“, ergänzt er.

Wie viele Kilometer Straße sie im Laufe ihrer Jahre abgefahren sind, können sie nicht sagen. „Eine Menge“, sagen sie nur. „Wir sind für rund 100 Kilometer Straßen im gesamten Landkreis zuständig“, ergänzt der Leiter der Kreisstraßenmeisterei, Sebastian Hertha. Da diese stets in einem verkehrstechnisch sicheren Zustand sein müssen, sind in der Regel die insgesamt 11 Mitarbeiter den ganzen Tag unterwegs, um die einzelnen Abschnitte zu kontrollieren. „Die Stammfahrer haben dafür immer ein festes Auto, was besonders im Winterdienst von Vorteil ist“, erklärt Sebastian Hertha. Neben den eigentlichen Fahrbahndecken, die sie auf Löcher und Risse untersuchen, haben sie ein Auge für die Verkehrszeichen und Leiteinrichtungen sowie die Bankette. Zu Jahresbeginn wird stets ein grober Plan aufgestellt und der nach und nach abgearbeitet. „Doch der wird fast immer schnell durcheinander geworfen“, wissen die Straßenwärter. Manche Schäden, die beispielsweise nach einem Starkregen auftreten, können nun einmal nicht warten, sondern müssen gleich behoben werden. Gleiches gilt für Ölspuren, die man ebenfalls schnell beseitigen muss. Risse und Schäden im Straßenbelag mit einer Bitumenemulsion wieder zu verschließen und somit die Griffigkeit der Straße wieder herzustellen ist gerade nach dem Winter eine der Hauptaufgaben der Einrichtung.

Im Winter selber müssen die Männer rund um die Uhr parat stehen, um bei Schneefall ausrücken zu können und die Kreisstraßen wieder frei zu machen. „Das ist gerade in Wintern mit kräftigen und anhaltendem Schneefall echt anstrengend“, sind sich die beiden Neu-Rentner einig. Oft mussten sie dafür Überstunden schieben, die man aber zum Glück in den Sommermonaten wieder abbauen konnte. Auf glatten Straßen ist es ab und an passiert, dass man im Straßengraben landete. „Ich hatte mal an einem Ostersonntag im April mit ganz viel Schnee zu kämpfen“, weiß Michael Frank noch ganz genau. Doch das ist nun einmal das Los eines Straßenwärters. Man muss den Winterdienst machen, egal wann. Und zum Glück sind in all den Jahren diese „Ausrutscher“ immer glimpflich ausgegangen. „Andere Autos haben uns dann wieder rausgezogen und weiter ging’s“, sind sie zufrieden.

Neben den Straßen müssen sich die Straßenwärter aber auch um die Pflege Straßenbegleitgrünes kümmern. „Im Frühjahr und im Sommer gehören neben dem regelmäßigen Mähen das Rückschneiden von Hecken und Straßenbäumen, dass Instandhalten des Lichtraumprofils sowie die Erhaltung von Entwässerungseinrichtungen und Fahrbahnmarkierungen zu unseren Aufgaben“, zählt Sebastian Hertha auf. Und das ist noch längst nicht alles, denn auch zu Baumaßnahmen an nachgeordneten Einrichtungen des Landratsamts, wie beispielsweise der Musik- oder der Volkshochschule sowie der Grund- und Regelschulen, werden beide Mitarbeiter gerufen. Sie bauen Spielplätze auf, legen Schulgärten an, kümmern sich um Stützmauern oder helfen bei der Einrichtung von grünen Klassenzimmern. „Bei allen anstehenden Arbeiten waren Klaus Hertha und Michael Frank immer mit voller Kraft im Einsatz“, lobt der Chef.

Dieses Lob können die Beiden nur zurückgeben. „Es war ein sehr schönes Arbeiten, die Kollegen haben gepasst, man hat sich gegenseitig geholfen und die abwechslungsreiche Tätigkeit hat immer Spaß gemacht“, heben beide hervor. Höhen und Tiefen gebe es überall, aber wenn man einmal Sorgen hatte, konnte man darüber reden. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, nicht allein zu sein und gab es etwas, was nicht so passte, wurde das geklärt. Mit meinem Chef Sebastian Hertha oder dem Amtsleiter Martin Hausdörfer hat man immer eine Lösung gefunden“, ist er zufrieden. Das alles jetzt nicht mehr zu haben, fällt ihm ein wenig schwer. „Vielleicht wäre es besser, wenn es wie bei einer Wiedereingliederung nach langer Krankheit eine Wiederausgliederung geben würde“, gibt er zu bedenken. So aber fährt man von 100 auf Null zurück und das ist ganz schön krass. „Aber ich werde mich schon daran gewöhnen“, sagt er und freut sich, in Ruhe Haus und Hof bewirtschaften zu können.

Michael Frank fällt der Abschied von der Kreisstraßenmeisterei nicht ganz so schwer. „Ich bin auf Grund gesundheitlicher Probleme schon zweieinhalb Jahre zu Hause“, erzählt er. An die Zeit so ganz ohne Arbeit hat er sich deshalb schon gewöhnt. Doch wenn er zurückdenkt, fällt ihm nur Gutes ein: Die Arbeit an der frischen Luft statt in einer miefigen Halle, das gute Team und die vielfältigen Aufgaben, die es zu meistern galt. In seinem Ruhestand kann er sich ausgiebig seinen beiden Hobbys widmen und nach Herzenslust an seiner Garten-Eisenbahn bauen oder die Lego-Technik zusammensetzen. Daneben bleibt noch genügend Zeit für lange Spaziergänge mit den beiden Familienhunden.

 

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