Kreativscheune in Eckardts Das Weihnachtsgeschenk gab’s schon vor dem Advent

Birgitt Schunk

Anica Schröter hat sich mit ihrer Kreativ-Scheune einen Traum erfüllt. Fotografieren ist ihre Leidenschaft. Doch sie will noch mehr und hat viele Ideen für die Zeit nach Corona.

Fotoshooting vorm Weihnachtsbaum in der Kreativ-Scheune – diesmal allerdings Rollentausch: Die Hobbyfotografin Anica Schröter und Sohn Til werden fotografiert. Foto: /Birgitt Schunk

Eckardts - Die Adventszeit hat bei Anica Schröter schon längst begonnen. Bereits Mitte November schmückte sie den Christbaum. Weihnachtsgestecke mit Kerzen und eine große Dose mit frischen Plätzchen stehen längst auf dem Tisch - Sterne hängen von einer Leiter herab, die an der Decke befestigt ist. Fürs Fest herausgeputzt hat sie allerdings nicht die Wohnstube der Familie, sondern ihre neue Kreativ-Scheune. Das alte Gebäude aus dem Jahre 1897 auf dem Drei-Seiten-Hof in Eckardts wurde rundherum umgekrempelt und ist kaum wieder zu erkennen. Fast ist alles fertig. „Damit geht ein großer Traum für mich in Erfüllung“, sagt die 32-jährige. Neben dem Wunsch nach Gesundheit und Glück für ihre Lieben „wird das wohl das schönste Weihnachtsgeschenk werden“.

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Angefangen hatte alles eigentlich mit der Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin, die Anica Schröter samt Fachabitur in Angriff nahm. Dabei näherte sie sich auch Schritt für Schritt der Fotografie. „Hier habe ich noch in der Dunkelkammer gestanden und gelernt, wie man klassisch einen Film entwickelt“, erzählt sie. Ebenso wurde der Blick geschärft für schöne Motive. Als sie 2014 erstmals Mama wurde und in Elternzeit ging, kamen Ideen und Motivation wieder. Sie fotografierte die ersten wunderschönen Momente mit Söhnchen Emil Leopold, fertigte Grußkarten und verschenkte diese an die Familie, Verwandte und Freunde. „Es dauerte nicht lange, da fragten mich die Ersten im Bekanntenkreis, ob ich für sie nach der Geburt ihrer Kinder ebenso Fotos machen könnte.“ Als Sohn Til auf die Welt kam und sie erneut in Elternzeit ging, rückte das Hobby abermals stärker in den Vordergrund.

2017 meldete die Freizeitfotografin ein Nebengewerbe an und hält seither auch für junge Paare den schönsten Tag im Leben fest. Eigentlich kamen seither immer neue Ideen hinzu. Ein gutes Händchen fürs Gestalten und Dekorieren hatte die junge Frau ohnehin schon immer. Warum also nicht auch mal kreative Veranstaltungen für Kinder und auch große Leute anbieten, sagte sie sich. Doch sie wusste, dass ein solches Vorhaben an den nötigen Räumlichkeiten scheitern würde. So war es ebenso bei ihrem großen Wunsch, das Hobby gerne weiter auszubauen - vielleicht sogar mit einem eigenen Atelier.

Als sie mit Freunden irgendwann einmal bei einer Tasse Kaffee im Garten saß und von ihren Plänen erzählte, gab es Rückenwind. Und so rückte die alte Scheune des Hofes ins Blickfeld. Je mehr sich Anica Schröter damit befasste, desto größer wurde ihr Wunsch danach, hier ihre Ideen zu verwirklichen. „Zumal das Gebäude bis auf die Garage und die Werkstatt im Erdgeschoss ungenutzt und der obere Teil inzwischen ziemlich sanierungsbedürftig war“, sagt sie. Wie sehr der Zahn der Zeit an der alten Bausubstanz genagt hatte, zeigte sich mit Beginn der Arbeiten. Zahlreiche alte Balken waren vom Holzwurm befallen und mussten ersetzt werden, auch der Dachstuhl war in die Jahre gekommen.

Doch bevor es an Umbau und Modernisierung ging, musste das Gebäude erst einmal leer geräumt und entrümpelt werden. Früher diente ein Teil als Stall. Dort, wo Anica Schröter heute ihre Kreativräume hat, war früher der Heuboden. „Das Futter, das hier noch lag, war über zwanzig Jahre alt“, erzählt sie. Ihr Großvater, der heute nicht mehr lebt, hatte einst Landwirtschaft. „Ich habe als Kind damals im Stall noch Lämmchen mit der Flasche aufgezogen, wenn das Muttertier das kleine Schäfchen nicht annehmen wollte“, erzählt sie. Schöne Erinnerungen an eine behütete Kindheit auf dem Dorf mit Eltern, Schwester Kathleen sowie Opa und Oma gemeinsam auf dem Hof.

Und so war das Ausräumen der alten Scheune auch eine Reise in die Vergangenheit der Familie. „Da findet man alte Schätze wie eine Nähmaschine oder eine Schrotmühle, die an früher erinnern und ihre Geschichte haben.“ All das landete natürlich nicht auf dem Sperrmüll. Anica Schröter hat alles aufgehoben. Auch alte Balken, die noch in Ordnung waren, sind weiter sichtbar und wurden erhalten in der Kreativ-Scheune. Die Leiter, die nun an der Decke hängt und die Sterne festhält, ist zudem von anno dazumal.

Dass sie das ganze Vorhaben relativ schnell umsetzen konnte, hat die junge Frau der Förderung der Regionalen LEADER-Aktionsgruppe „Henneberger Land“ zu verdanken. Aufmerksam wurde sie auf den Verein, der innovative Projekte auf dem Lande in der Region unterstützt, durch ihre Freundin. „Sie kennt sich aus, hat mir davon erzählt und mir Informationen besorgt“, sagt die Eckardtserin. Sie erarbeitete ihr Projekt, reichte einen Förderantrag ein, stellte ihre Ideen den Gremien vor und bekam grünes Licht. Immerhin konnte sie so einen Zuschuss in Höhe von 60 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten. „Das war eine riesengroße Unterstützung“, sagt sie heute. Punkten konnte sie nicht nur mit dem Ausbau ihrer Tätigkeit als Fotografin, sondern vor allem auch mit den Angeboten, die die Kreativscheune in die Region bringen will. Schon heute hat Anica Schröter Freunde und Bekannte mit im Boot, die gemeinsam mit ihr die Themen Kunst, Natur, Regionales und Heimatgefühl bedienen wollen – ein gutes Netzwerk eben.

Und so kann sie sich durchaus gut Kreativ-Kurse zum Thema Fotografie oder Gestalten mit Naturmaterialien vorstellen, aber auch den Kaffeeklatsch der Landfrauen und Bastel-Nachmittage als Generationen-Treff. Näh-Workshops, Projekte mit Entspannungsübungen für die Kleinen beim Kinderyoga sowie Kochkurse für die feine Küche mit regionaler Note sollen 2021 auf dem Veranstaltungsplan stehen. In der Kreativ-Scheune gibt es einen großen Raum mit Küche und eine lange Tafel, an der bei Bedarf 24 Besucher Platz nehmen können. Ein Kamin beheizt das Ganze. In einer Spielecke können sich die Kinder tummeln. Den Eingangsbereich zieren Fotos mit eigener Handschrift.

Fast vergessen sind die Wochen und Monate harter Arbeit. „Mein Vater und mein Mann haben unheimlich viel auf dem Bau selbst gemacht“, sagt sie. Die Stunden hat man nicht gezählt. Dennoch sind darüber hinaus immerhin noch rund 100 000 Euro in das Objekt geflossen. „Meine ganze Familie hat mich unterstützt – aber ohne eine Förderung hätten wir wohl Jahre gebraucht.“ Auf dem Hof leben – so wie früher – noch vier Generationen gemeinsam. Einmal am Tag zur Kaffeezeit kommen alle zusammen, dann wird alles beredet, was es so zu bereden gibt. „Und das möchte ich nicht missen.“

In die großen Städte hat es Anica Schröter nie gezogen. Auch wenn die Dörfer hierzulande inzwischen schon einiges entbehren mussten - Schulen oder Läden vielerorts geschlossen wurden - so ist für das Gros der Menschen dennoch die Bindung an die Heimat eng. Das versucht die Hobbyfotografin auch immer wieder in ihren Arbeiten festzuhalten. Zum siebten Mal gibt sie in diesem Jahr einen Kalender mit Motiven aus Eckardts heraus. Sie hat keine Sorge, dass ihr mal die Ideen ausgehen könnten. „Es gibt immer wieder neue Dinge zu entdecken“, sagt sie. Alleine der Wandel der Jahreszeiten sei faszinierend. Ob sich der Nebel der Rhön übers Dorf lege oder man über ein Rapsfeld auf die Kirche schaue – überall tun sich neue Blickwinkel auf. All das inspiriert auch für die Fotoshootings mit Babys oder Familien. Mit der neuen Kreativ-Scheune haben sich nun die Möglichkeiten hierfür noch erweitert. „Da können die Eltern mit ihren Kindern sich hier zu Hause fühlen und frei bewegen - in der Spielecke kuscheln oder gemütlich am Kamin Geschichten lesen. Auch Plätzchenbacken oder Weihnachtsbasteleien sind möglich“, so die Frau mit dem Blick fürs Besondere, die dann diese Momente festhält. „Ähnlich einer Homestory.“

Für 2021 stehen schon sieben Hochzeiten in ihrem Kalender, die sie dann mit der Kamera begleiten wird – wenn es sein muss auch zu Aufnahmen unter freiem Himmel bei Regen. Auch das gab es schon. „Dann kann das Brautpaar für ein außergewöhnliches Motiv sogar mal Gummistiefel anziehen.“

Eigentlich sollte die Kreativ-Scheune schon längst offiziell eröffnet werden. Doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Veranstaltungen oder gar ein Tag der offenen Tür sind nicht möglich. Anica Schröter schaut deshalb mit Vorfreude ins neue Jahr und hofft, dass dann irgendwann alles besser wird.

Ein Hobby soll das alles auf alle Fälle bleiben, denn hauptberuflich ist sie bei der Viba sweets GmbH in Schmalkalden tätig. Nach der gestalterischen Ausbildung hatte sie hier noch eine Lehre zur Industriekauffrau absolviert – und arbeitet heute im Marketing als Grafikerin. Hier ist ebenso Kreativität gefragt – Hobby und Beruf haben viele Berührungspunkte.

Jetzt freut sie sich aber erst einmal auf den ersten Advent ganz in Familie. Darauf eingestimmt hat sie sich in ihrer neuen Kreativ-Scheune bereits, die seit Anfang November schon weihnachtlichen Schmuck angelegt hat und so eine schöne Kulisse für Fotomotive bietet. Auch wenn innen so gut wie alles fertig ist, bleibt noch einiges zu tun. Die Fassade der Scheune wird erst im Frühjahr fertig.

Dann soll auch das Original-Muster des alten Fachwerks wieder nachgestaltet werden – mit Holz oder eben per Hand gemalt.