Kranzniederlegung Gedenken an Opfer des NS-Regimes

Mit einer Kranzniederlegung ehrten Mitglieder von Parteien und Verbänden die Opfer des Nationalsozialismus. Bürgermeister Heiko Voigt plädiert für zeitgemäße Formen des Erinnerns.

Am Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus legten Mitglieder von Partein und Verbänden Blumen und Kränze nieder. Foto: /Carl-Heinz Zitzmann

Sonneberg - „Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst“, zitierte Sonnebergs Bürgermeister am Donnerstag den französischen Philosophen und Soziologen Jean Baudrillard (1929-2007). Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag hatte die Stadt an das Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Hauptfriedhof der Kreisstadt eingeladen. Am 27. Januar 1945 hat die sowjetische Armee das Vernichtungs- und Konzentrationslager Auschwitz befreit. „Auch 77 Jahre danach wollen wir daran erinnern“, betonte Voigt. „Erinnerung dürfe nicht enden“, habe der Bundespräsident Roman Herzog gefordert, als er den Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus ins Leben rief. Aller Opfergruppen solle übergreifend an diesem Tag gedacht werden – von den Juden bis hin zu sozialdemokratischen und kommunistischen Widerstandskämpfern.

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Erinnerungsarbeit zähle heute mehr denn je meint der Kommunalpolitiker. „Da der zeitliche Abstand zum Geschehenen wächst und die Generation der Zeitzeugen immer mehr schwindet, ist es von Bedeutung, zukunftsweisende Formen des Erinnerns zu finden“, sagte Voigt. Er sieht die Zukunft der Erinnerungsarbeit vor allem in der stärkeren Einbeziehung von Denkmälern, Gedenkorten und Gedenkveranstaltungen. Hier könne man die regionale Erinnerungskultur lebendig halten und dabei helfen, „heute teils noch manifeste rassistische Einstellungen in einen historischen Kontext zu stellen“.

Wie das gehen kann? Ein gutes Beispiel ist aus Sicht des Bürgermeisters die Stolperstein-Initiative des Künstlers Gunter Demnig. In fast 1300 Kommunen und in mehr als 20 Staaten Europas erinnern pflastersteingroße Messingplatten an die jeweils letzten selbst gewählten Wohnorte der Opfer. Vergangenes Jahr sei auf Initiative Brigitte Dornheim in der Otto-Bergner-Straße in Köppelsdorf ein Stolperstein für den Widerstandskämpfer Adolf Wicklein verlegt worden, der im Januar 1945 in Weimar hingerichtet worden war. Bereits vor längerer Zeit wurde ein Stolperstein für die jüdische Hausangestellt Rosalie Bibo in der Bahnhofstraße verlegt, die 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet worden war. Aber auch filmische Dokumentationen möchte der Bürgermeister zu den zeitgemäßen Formen des Erinnerns gerechnet wissen. So habe der im ZDF zu sehende Film „Die Wannseekonferenz“ die Gräueltaten der Nationalsozialisten vor Augen. „Das Anliegen, die Erinnerung wach zu halten, teilen all diese Formate – ob der Gedenkstein auf der Straße, der Film im Fernsehen oder die Kranzniederlegung an der Gedenkstätte“, betonte Voigt.

Der Einladung zur Kranzniederlegung waren am Donnerstagvormittag Mitglieder der im Stadtrat vertretenen Parteien CDU, SPD, Linke und AfD, aber Landtagsmitglied Beate Meißner und stellvertretender Landrat Christian Tanzmeier (beide CDU) sowie Vertreter des Bundes der Vertriebenen und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten gefolgt. ts