Therapien können Linderung verschaffen
Auch wenn Clusterkopfschmerzen als unheilbar gelten, können Therapien Linderung verschaffen. In den 1990er Jahren kamen in Deutschland Triptane auf den Markt. Sie wirken bei Migräne und Clusterkopfschmerzen zuverlässig, sagt Goßrau. "Insbesondere wenn man Sumatriptan als Spritze gibt, hört die wirklich schreckliche Schmerzattacke ziemlich zügig auf. Das ist eine Akut-Therapie." Bei etwa zwei Drittel der Patienten wirke die Verabreichung von hochdosiertem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske, nötig seien mindestens 12 Liter pro Minute. Dann könne die Attacke binnen 15 Minuten enden.
Goßrau zufolge haben mehr Cluster-Patienten wie Eckert einen episodischen Verlauf der Erkrankung. Beim chronischem Verlauf höre der Schmerz für Betroffene im Grund gar nicht mehr auf. "Sie haben in ihrem Leben vielleicht nur wenige Wochen Pause, aber ansonsten eigentlich ständig diese Attacken. Das ist sehr belastend, weil man ihnen nur mit Spritzen oder Sauerstoff begegnen kann."
Erwerbsunfähigkeit und Depressionen können die Folge sein
"Es gibt auch prophylaktische Medikamente, die täglich eingenommen die Attacken unterdrücken können. Sie wirken jedoch nicht bei allen Patienten und haben oft unangenehme Nebenwirkungen", erläutert die Expertin. Oft führten die Schmerzen bei Betroffenen zu Erwerbsunfähigkeit und Depressionen. "Sie erleben einen Verlust von sozialen Kontakten, von Arbeit und allem, was zum Leben gehört."
Eckert ist bewusst, dass er noch Glück im Unglück hat. Wenn ihn die Schmerzen anfallen, versucht er dennoch so viel Normalität wie möglich herzustellen und auch zu arbeiten. "Wenn ich keine Ablenkung erfahre, würde ich durchdrehen." Er erlebe die Phasen als rastlose Zeit, wolle sich aber nicht hängenzulassen, lieber spazieren gehen oder etwas Tolles erleben. Er sei froh, mit Medikamenten und Sauerstoff leben zu können. "Es ist ein gutes Leben, es lohnt sich."
Um Patienten wie Laurin Eckert muss sich Gudrun Goßrau also keine Sorgen machen. "Positiv denken. Das sagen wir allen unseren Kopfschmerz-Patienten. Ein positives Mindset ist der entscheidende Punkt." Wenn man alles nur pessimistisch sehe, werde es auch nicht besser. Nur mit positiver Einstellung gebe es eine Chance. So denkt auch Eckert. Er möchte sich in einer Selbsthilfegruppe engagieren und Erfahrungen weitergeben an jene, die schlimmer dran sind als er selbst.