Krankenversicherung Mehr Aufwand, mehr Frust

Guido Bohsem

Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung hat mehr Nach- als Vorteile. Es geht dabei keineswegs nur um das Gerechtigkeitsgefühl.

Guido Bohsem Foto: HCSB

Wie sonst wohl nur Chile leistet sich Deutschland zwei Versicherungssysteme nebeneinander – und schafft es trotzdem, gleichzeitig zu viel, zu wenig und das Falsche zu behandeln. Die meisten anderen Nationen bevorzugen eine Mischform aus staatlicher Grundversorgung und privater Zusatzversorgung. Das klappt in der Regel besser. Hinzu kommt ein Gerechtigkeitsproblem, das Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nun ebenfalls erkannt hat. Gesetzlich Versicherte fühlen sich bei der Terminvergabe benachteiligt, während Privatversicherte im Alter über stark steigende Prämien klagen.

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Eine Reform dieses Systems wird seit Jahrzehnten diskutiert. Während SPD und Grüne die private Vollversicherung abschaffen möchten, hält die Union daran fest. Daran wird auch die eilig dahingeworfene Bemerkung des Kanzlers wenig ändern. Stattdessen dürfte der Vorstoß zu weiteren Versuchen führen, mit gesetzlichen Detailregelungen Nachteile auszubügeln, die das System erzeugt. Das führt zu mehr Aufwand, primär für die niedergelassenen Ärzte, und zu noch größerem Frust, der durch die Zweiteilung der Kassenlandschaft ohnehin geschürt wird. Wollte man das System grundlegend ändern, müsste es ohnehin sehr lange Übergangsfristen geben.

Von heute auf morgen lässt sich die PKV-Vollversicherung jedenfalls nicht auflösen, auch wenn die Rücklagen von rund 357 Milliarden Euro verlockend erscheinen.

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