Kostenloses Heiligabendmenü „Wir wollen Liebe zu Weihnachten schenken“

Eigentlich herrscht in der Weihnachtszeit Hochbetrieb in den Restaurants. Dieses Jahr ist das anders. David Werner, Betreiber des Haus am See in Ilmenau, hat aus der Not aber eine Tugend gemacht – und dabei an seine Mitmenschen gedacht.

David Werner öffnet das Haus am See an diesem Heiligabend für Menschen mit kleinem Geldbeutel. Foto: Konstanze Rückert

Ilmenau - Seit viereinhalb Jahren betreibt David Werner – von allen nur Dave genannt – in Ilmenau das Haus am See. Es ist eine beliebte Adresse für die Ilmenauer, nicht nur wegen der idyllischen Lage im Teichgebiet der Stadt. Eigentlich hätte in den vergangenen Tagen und Wochen Hochbetrieb im Restaurant geherrscht. Zahlreiche Firmen hatten sich zu Weihnachtsfeiern angemeldet. Eigentlich ...

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„Doch alle Feiern wurden abgesagt“, sagt David Werner. Dass er trotzdem guter Laune ist und sogar puren Tatendrang versprüht, hat vermutlich zwei Gründe: Zum einen unterstützt ihn der Verpächter Marek Schramm in dieser finanziell ungewissen Zeit, zum anderen macht David Werner zu diesem Weihnachtsfest aus der Not einfach eine Tugend.

„Eigentlich wollte ich schon seit Langem mal eine Weihnachtsaktion machen. Mit einem kostenlosen Essen für Menschen, die nicht so viel Geld haben oder die einsam sind“, sagt er und gibt offen und ehrlich zu: „Aber das Weihnachtsgeschäft ist eben auch sehr wichtig. Deshalb haben wir den Plan immer wieder verschoben. Nun haben wir uns aber gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Sechs Leute sind im engsten Organisationskreis dabei, alle freiwillig und ehrenamtlich. David Werner kontaktiert zudem alle seine Lieferanten, startet in den sozialen Medien einen Aufruf: Er bittet um Zutaten fürs Festmahl, aber auch um Sachspenden für Menschen mit kleinem Geldbeutel. „Am heutigen Heiligabend kann dann zwischen 15 und 18 Uhr jeder kommen, der möchte. Menschen, die wenig Geld haben, Flüchtlinge, Rentner, Obdachlose, aber zum Beispiel auch einfach nur die Oma, die sonst alleine zu Hause sitzen müsste“, erklärt er.

„Liebe ist stärker als Hass“

Mit seiner Aktion möchte David Werner der Gesellschaft etwas zurückgeben und gerade in diesen Zeiten ein Zeichen setzen. „Liebe ist stärker als Hass“, sagt er. „Es nervt mich, dass die Leute ohne Maske und Abstand demonstrieren gehen und wir als Gastronomie dann darunter leiden.“

Die Rückmeldungen von den Lieferanten und aus der Bevölkerung seien überwältigend gewesen, sagt David Werner. „Die Fleischerei Schumm hat uns unter anderem mit Wienern und Bockwürsten eingedeckt.“ Er hat aber auch Fisch und Bratwurst gespendet bekommen, Paprika, Gurken – und rund 45 Kilogramm Kartoffeln. „Die zu schälen ist die Aufgabe von meiner Mutter und mir“, sagt er. Daraus wird ein großer Kartoffelsalat gemacht. Auch zahlreiche Sachspenden sind zusammengekommen. „Unser Gabentisch läuft über“, so David Werner. Schlafsäcke, warme Jacken, Socken. „Das stellen wir alles vor den Laden. Jeder, der etwas braucht, kann sich bedienen.“

Auch To-Go-Pakete

Das Essen gibt es drinnen. Rund 200 Portionen werden zubereitet. In Absprache mit Gesundheitsamt und Stadtverwaltung dürfen bis zu 75 Personen gleichzeitig das Haus am See betreten. „Wenn man rein möchte, gilt 2G“, erklärt David Werner. „Wir bereiten aber auch To-Go-Pakete vor, die wir über den Zaun reichen werden, wenn jemand nicht geimpft oder genesen ist“, verspricht er.

Sogar ein kleines Rahmenprogramm gibt es. So kommt aller Voraussicht nach ein Pferdchen, welches die Kinder streicheln können und womöglich schaut sogar der Weihnachtsmann vorbei und verteilt kleine Geschenke. Zu trinken gibt es Tee und Kakao. „Nur alkoholische Getränke gibt es nicht“, sagt David Werner und betont: „Das hier wird keine große Party. Es geht darum, dass die Menschen mal wieder zusammensitzen können, wo doch etwa alle Weihnachtsmärkte ausgefallen sind. Es geht darum, dass wir etwas Liebe zu Weihnachten schenken wollen.“