Bildungsforscher dürften die Hände über dem Kopf zusammenschlagen angesichts der Wiedereinführung von Kopfnoten und dem Sitzenbleiben in zahlreichen Gesamtschulen. Studien belegen, dass Sitzenbleiben für die Lernbiografie oft keine positiven Effekte hat – im Gegenteil. Es könne das Gefühl von Scheitern und sozialem Ausschluss verstärken. An vielen Gemeinschaftsschulen gibt es deshalb freiwillige Klassenwiederholungen. Das werde weniger als Scheitern wahrgenommen. Problematisch sind Experten zufolge auch Kopfnoten. Betragen, Ordnung und Mitarbeit können in den unterschiedlichen Fächern unterschiedlich ausfallen. Wie wollen Lehrer und Lehrerinnen da eine objektive Gesamtnote vergeben? Mit Kopfnoten und der Möglichkeit des Sitzenbleibens haben Pädagogen eine Handhabe gegen unbequeme Schüler. Nicht nur zahlreiche Lehrkräfte sind deshalb für eine verschärfte Gangart. Auch viele Eltern und beispielsweise das Handwerk befürworten mehr Härte im Schulalltag – mit Rückendeckung von Bildungsminister Christian Tischner. Skandinavische Länder sind mit ihren modernen Konzepten erfolgreicher. Thüringen mag es wie so oft traditionell: Zucht und Ordnung haben früher schon nicht geschadet. Alte Rezepte passen aber nicht in neue Zeiten. joerg.lessing@insuedthueringen.de
Kopfnoten und Sitzenbleiben Zucht und Ordnung
Jörg Lessing 26.12.2025 - 15:22 Uhr