Konzerte und Sommerkino nach Corona Zeit des Kulturfastens ist in Lauscha endlich vorbei

Die Tradition hat Corona überlebt! Am Wochenende gab es beim Sommerkino des Kulturkollektivs der Lauschaer Goetheschule endlich wieder Livemusik, Open-Air-Kino und viele begeisterte Besucher.

Lauscha - Tränen der Freude standen Toni Köhler-Terz, Vereinsvorstand beim Kulturkollektiv Goetheschule, am Freitagabend in den Augen. Nach Monaten – durch Corona erzwungener – kultureller Abstinenz durfte der Verein endlich wieder zum Sommerkino-Open-Air einladen. Die vielen begeisterten Besucher, die auf den Schulhof der einstigen Goetheschule gekommen waren, bestätigten den Organisatoren: Menschen aller Altersklassen vermissen Kunst und Kultur, sind ausgehungert nach Live-Erlebnissen anstelle von Streaming-Konzerten und Online-Bespaßung, freuten sich riesig, „dass wieder einmal etwas los war“ im Glasbläserstädtchen. „Da muss man doch einfach hin“, hieß es von vielen Seiten. Einfach mal wieder unter Menschen sein, Live-Musik hören, miteinander reden. Alte Bekannte wiedersehen, die man monatelang nicht oder nur unter seltsamen Umständen treffen durfte.

Am Eingang wurde zwar kein Eintritt kassiert – den verlangt das Kulturkollektiv bei seinen Veranstaltungen nie. Doch Adresse oder Telefonnummer zur Kontaktnachverfolgung im Falle eines Falles musste hinterlassen, wer mitfeiern wollte...

Bei der Versorgung der Besucher mit Flüssignahrung packten zahlreiche Vereinsmitglieder mit an. Auch das Chili mit und ohne Fleisch und die Kichererbsensuppe, die Gabi Köhler-Terz anbot, gingen weg wie warme Semmeln.

Vor allem aber wollten die Gäste Musik hören. Gleich drei Bands sorgten für den passenden Sound. Mit Heimvorteil natürlich „Revolving Door“. Als sie das letzte Mal auf dem Schulhof spielten, vor zwei Jahren, da war Frontfrau Liesa schwanger. Inzwischen hat sie zwei Söhne zur Welt gebracht, der jüngste gerade mal zwei Monate alt. „Ich hoffe stark, er hat keinen Schaden genommen“, meint die Sängerin mit einem verschmitzten Lächeln. Schließlich habe ihr Großer schon in Mamas Bauch regelmäßig ihre Musik gehört und sei inzwischen ein richtiger kleiner Rocker. Beim Jüngsten war hingegen Musik kaum möglich. Kulturell und sozial stummgeschaltet haben sich die Musiker gefühlt, zum Kulturfasten verurteilt...

Der Auftritt auf dem Schulhof – er ist erst der zweite in diesem Jahr, nach dem Erfolg beim SOS-Festival in Suhl. Ansonsten war Flaute, wie auch schon 2020. Und das war für die Musiker ebenso schwer wie für ihr Publikum.

Wegen der Pandemie konnte sich die Band kaum treffen. Liesas Kinder haben natürlich auch ihren Tribut gefordert. Deshalb habe man aktuell leider keine neuen Songs in petto, bedauert die junge Mutti. Und schiebt gleich nach: Aber das soll nicht mehr lange so bleiben. Zumal das neue Bandmitglied, Sissl, frische Einflüsse einbringt.

„Wir freuen uns, bei diesem Projekt dabei zu sein“, kommentiert Leadsänger Ralf von der Thüringer Blues Rock Band „Sixty Amp Fuse“. Die vier Jungs „aus Südthüringen (Heubach, um genau zu sein) mit Coburger Einfluss“ spielen seit über zehn Jahren zusammen. Alte Hits, denen sie ihren eigenen Touch verpassen, wie Ralf betont. Die Mucke der 60er und 70er Jahre wolle man hochhalten.

Aber auch eigene Songs gehören zum Repertoire von Nils, Peter, Christian und Ralf, Blues und Rock...

Das Wichtigste ist ihnen der Spaß dabei. Kennengelernt haben sich die Band und Toni vom Kulturkollektiv übrigens beim „Woodstock forever Festival“ in Waffenrod, bei dem die Musiker quasi zu Hause sind und das heuer vom 12. bis 15. August auf das „wohl idyllischste Festivalgelände in Deutschland“ einlädt.

„Wir spielen nur eigene Lieder“, erzählt Marcel, der bei „Duerer“ Bass spielt. Deutschsprachige Songs zu den Themen des Lebens von der Freude des Tanzens bis zur Trauer der Trennung, Indie, Pop, Rock...

Die erste Single, „Kanada“, soll am 27. August erscheinen. Ein Album ist in Arbeit. Die Musik von Danny, Daniel, Alex, Marcel, Felix und Martin kam bei den Gästen gut an, lockte einige sogar auf die Tanzfläche.

Die drei Bands – sie waren ja eigentlich als Vorspann für die Kinoabende angekündigt, im Endeffekt aber , wie zu erwarten, die Highlights des Kulturrevival-Wochenendes.

Trotz alledem kamen bei denen, die bis zu später Stunde durchhielten, die gezeigten Filme sehr gut an. Kein Wunder, basieren sie doch auf Ideen voller typisch Lauschner Humor von Thomas Müller-Litz, umgesetzt mit hochprofessionellen Darstellern aus Lauschywood wie Franzl Müller, Axel Fichtmüller und weiteren Größen der ortseigenen Kulturszene.

Was andere Filmstudios nur mit teuren Dreharbeiten am Nordpol erreichen, gelang den Lauschaern 2003 und 2013 mit Witz, Gemeinschaftssinn und vollem Körpereinsatz bei der Besteigung des „Little Animal Mountain“ und des „Devil Wood“. Ein filmisches Engagement, das nicht nur ortsansässige Zuschauer immer wieder zu würdigen wissen.

Technische Unterstützung garantierten einmal mehr Rüdiger Koch, Johannes Heppner und Co. von den Schwammastürern und vom Kulturverein Schwarzwurzel mit deren Equipment für die Filmvorführung.

Toni Köhler-Terz und sein Team hoffen nun, dass bald weitere Events folgen dürfen. Als nächstes haben sich für den 25. September Cynthia Nickschas & Friends angesagt.

 

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