Konfirmation Schritt zum Erwachsenwerden

Berit Richter

Das vergangene Pfingst­wochenende war für manch Jugendlichen ein ganz besonderes Datum, denn vielerorts wurden Konfirmationen gefeiertK

Leni Binder, Joline Apel und Michelle Bielek (von links) feierten am Sonntagnachmittag in der Foto: Jessie Morgenroth

Martinroda/Geraberg/Frauenwald - Die Luftballons vor der Kirche Martinroda verrieten auf den ersten Blick, dass hier etwas Besonderes ist. In einem Festgottesdienst feierten die drei Konfirmandinnen Leni Binder, Joline Apel und Michelle Bielek aus Martinroda beziehungsweise Neusiß ihren Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter. Zwei von ihnen hätten eigentlich schon vergangenes Jahr ihre Konfirmation gehabt, coronabedingt wurde diese aber ins Jahr 2021 verschoben. Zwar bestimmt auch derzeit die Coronapandemie noch das alltägliche Leben – die Konfirmation sollte aber nicht noch einmal verschoben werden.

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Zumindest nicht in Martinroda und Geraberg. Denn eigentlich gehören acht junge Männer und Frauen zur diesjährigen Konfirmandengruppe. Um die Coronaregeln einhalten zu können, wurde aber in unterschiedlichen Kirchen gefeiert. Drei Jugendliche waren am Sonntagvormittag zum Festgottesdienst in die Geraberger Kirche geladen, Leni, Joline und Michelle feierten nachmittags in Martinroda. Die Konfirmation in Plaue, an der zwei Jugendliche hätten teilnehmen sollen, wurde pandemiebedingt abgesagt.

Damit die Konfirmationen in Geraberg und Martinroda umgesetzt werden konnten, mussten bestimmte Regeln beachtet werden. Die Gäste trugen sich in eine Kontaktliste ein und saßen im Familienverband – mit Abstand zu den anderen Gästen – in der Kirche zusammen. Auch hatten die Gäste eine Maske auf. Pfarrer Kersten Spantig und die Konfirmandinnen – die vor der Zeremonie negativ auf das Coronavirus getestet worden sind – mussten hingegen keine Maske tragen. Zu Orgelmusik liefen die jungen Damen unter den stolzen Augen ihrer Angehörigen in die Kirche ein, ehe sie im Kirchenschiff platz nahmen.

Pfarrer Spantig hatte sich für seine Predigt die Pfingstgeschichte sowie die Gegengeschichte zu dieser, den Turmbau zu Babel, ausgesucht. Anschließend erzählte er den Zuhörern, wie er einmal mit seinem Sohn, der ebenfalls im Jugendalter war, in einem Motorradladen war. Hier gab es allerlei Maschinen: Von kleinen Rollern bis zu großen, schnellen Zweirädern war alles dabei. Spantig hatte durchaus Respekt vor den großen Maschinen. Die jungen Kunden aber, so sagte der Verkäufer, würden noch keine Angst kennen. Dies sei ein Privileg der Jugendlichen, führte Spantig aus. Die Jugendlichen hätten Wünsche und Ziele, für sie scheint alles machbar zu sein. „Was die Erwachsenen nur haben“, stellte der Pfarrer eine den jungen Männern und Frauen wohl sehr bekannte Frage. Es kommt zu Missverständnissen zwischen der jungen und der älteren Generation, obwohl doch alle die gleiche Sprache sprechen. Eltern und Kinder reden gerne mal aneinander vorbei. Hier schlug Spantig einen Bogen zur biblischen Erzählung des Turmbaus zu Babel. Das Vorhaben der Menschen, einen hohen Turm zu bauen, scheiterte, da Gott bei den Menschen eine Sprachverwirrung hervorruft – eine Verständigung ist nicht mehr möglich.

Genauso wie die Turmbauer versuchen auch die jungen Menschen, sich ein Denkmal zu setzen. So sammeln sie zum Beispiel viele Follower bei Instagram und Co. „Die Menschen wollen hoch hinaus, versuchen sich zu übertreffen und streben nach Macht und Einfluss“ so der Pfarrer. Die Turmbauer hätten damals nicht mit Gott gerechnet, doch Gott rechnete mit ihnen und stoppte das höhenflugartige, gottesanmaßende Bauprojekt. Gott sei es nicht egal gewesen, dass jeder beim Turmbau nur an seinen eigenen Vorteil gedacht hatte.

Jede Frage, was man aus seinem Leben macht, sei indirekt auch eine Frage nach Gott, so der Pfarrer. Mit Gott sei es möglich, neue Wege zu finden und Gegensätze zu überwinden. Verständigung sei Mühe – aber eine, die sich lohnt. Dazu gehöre auch die Erkenntnis, dass die eigene Meinung nicht die einzige ist. Gott bewege die Menschen in ihrem Handeln auch aus der eigenen Engstirnigkeit heraus. Für die Segnung mit ihrem jeweils ausgewähltem Spruch, den Gemeindepädagogin Cornelia Riekehr vortrug, traten die Konfirmandinnen mit ihrer Familie zum Altar. Die Konfirmationskerzen wurden entzündet. Pfarrer Spantig segnete die Konfirmandinnen coronakonform ohne Anfassen. Anschließend bekamen die Konfirmandinnen ihr erstes Abendmahl.

Wenngleich die Gäste während des Gottesdienstes nicht singen durften, so war trotzdem für eine musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes gesorgt. Daniel Beer überzeugte mit seinen hingebungsvollen Gesangs- und Gitarreneinlagen die Kirchenbesucher. Darüber hinaus lud er die Konfirmandinnen ein, sich in der jungen Gemeinde zu beteiligen. Das junge-Gemeinde-Leben wird momentan coronabedingt online gestaltet. Ebenso online war der Konfirmandenunterricht, an dem die jungen Erwachsenen vor ihrer Zeremonie teilgenommen haben.

Ähnlich war am Vormittag die Konfirmation in der Geraberger Kirche verlaufen. Mara Liedke aus Erfurt, Annalena Schrickel aus Geraberg und Alexander Amberg aus Elgersburg wurden hier feierlich in die Kirchgemeinde aufgenommen. Auch sie hörten mit ihren Familien die Geschichte vom Turmbau zu Babel, bekamen ihr erstes Abendmahl und einen Segensspruch mit auf den Weg.

Am Ende des Gottesdienstes waren es ihre Familien und Paten, die vors Mikrofon traten, um eine ganz spezielle Fürbitte zu halten und Gott um all das zu bitten, was sie den drei jungen Menschen mit auf den weiteren Lebensweg geben wollen. Die Kraft, das Leben mit all seinen Herausforderungen zu meistern, zum Beispiel, den Mut, auch etwas zu wagen, etwas aus ihrem Leben zu machen und die Weisheit zu erkennen, wenn man Fehler begehe, um diese dann zu korrigieren. Auch Freunde, die ebenso für einen da sind, wie man selbst für sie, standen auf der Wünsche-Agenda. Und vor allem der Wunsch, aus dem Glauben Kraft und Zuversicht zu schöpfen für all das, was die Zukunft für die Teenager bereithalten mag.

Damit der besondere Tag in Erinnerung bleibt, schloss sich an den Gottesdienst noch eine kleine Fotosession mit der jeweiligen Familie an.

In Frauenwald feierte Lena Marie Hartung ihre Konfirmation. Eigentlich wären es dort zwei Konfirmandinnen gewesen, doch Stephanie Katharina Sachs konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Sie soll an einem späteren Zeitpunkt, so Pfarrer Dirk Lehner, der gemeinsam mit seiner Frau Petra Lehner und Familienangehörigen von Lena Marie den Festgottesdienst feierte, konfirmiert werden.

Dirk Lehner erinnerte an die Konfirmationen von einst. Damals musste zu den Festgottesdiensten auch Fragen beantwortet werden. Gewisse Texte – und das war kein Geheimnis – wurden von den Prüflingen auswendig gelernt. In der heutigen Zeit ist vieles anders, moderner. Da predigen auch schon mal die Konfirmanden anlässlich ihres großen Tages vor der Kirchgemeinde. Lena Marie Hartung hatte in ihrem Predigttext ihren Konfirmationsspruch verarbeitet. Ihre ersten Worte galten den Familienangehörigen, denen sie für alles dankte, was sie ihnen bislang an Liebe und Fürsorge entgegengebracht haben.

Doch auch Stephanie Katharina, die sie in diesem Festgottesdienst vermisste, erwähnte sie. Gemeinsam haben sie die Konfirmationsstunden besucht, viel gelacht und sich gut vorbereitet. Auch bei der Auswahl des Konfirmationskleides haben sie sich unterstützt.

Das Pfarrerehepaar erinnerte in seinen Predigtworten an das Pfingstwunder und die Empfängnis des Heiligen Geistes. Die Jugend ist sprachfähiger geworden, so Petra Lehner und sprach in diesem Zusammenhang die Heilige Schrift mit ihren verschiedenen Worten und Sprachen an. Viele hatten dafür gesorgt, dass dieser Festgottesdienst für die jungen Christen etwas Besonderes sein wird. Den Ein- und Ausgang der Konfirmandin begleiteten die Bläser der Kirche Sankt Nikolaus. Die Mitglieder des Frauenwalder Gemeindekirchenrates sorgten für eine ausgeschmückte Kirche. Und Tischlermeister Matthias Wolff hatte rechtzeitig die neue Kirchentür eingebaut, die dem Konfirmationsfoto einen passenden Hintergrund gab. Schon im Vorfeld hatte er zudem die neuen Fenster und Seitentüren denkmalschutzgerecht eingebaut.