Kommunikative Premiere Format mit Kuchen und Klartext

Das erste Lesercafé unserer Redaktion in Hildburghausen berührt, verbindet und zeigt den Wert menschlicher Begegnungen und echten Austauschs.

Inmitten von Büchern geht es um die Zeitung: Die Lesercafé-Premiere in der Buchhandlung in Hildburghausen ist gelungen. Foto:  

Ein Donnerstagvormittag in Hildburghausen. Vor der Tür füllt sich der Markt mit Leben – ein Duft von Sommer liegt in der Luft. Die Stadtmitte summt. Drinnen, in der Buchhandlung am Markt, herrscht eine andere Art von Spannung: leise, erwartungsvoll, fast zart. Ein paar Stühle stehen um einen Kaffeetisch. Frischer Kuchen wartet – und eine Einladung: Reden wir. Über das, was uns bewegt. Und über die Zeitung, die uns verbindet. Es ist das erste Lesercafé, initiiert von unserer Redaktion und unseren Kolleginnen aus dem Lesermarkt: Silvia Bergner und Malia Singh, Expertinnen für digitales Lesen aus Suhl. Die Idee: raus aus der digitalen Welt, hinein in echte Begegnung. Offen, neugierig, erwartungslos – und doch voller Hoffnung.

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Eine gute Mischung

Die ersten Besucher treten leise ein, zögern kurz – wie bei einer Tür, die man nicht kennt. Dann ein Lächeln, ein erster Gruß, ein Platz wird eingenommen. Und plötzlich ist sie da: eine Stimmung, die man nicht planen kann. Eine Mischung aus Neugier, Wärme, gegenseitigem Respekt. Menschen setzen sich, nehmen sich Zeit – und beginnen zu erzählen. Über das, was sie bewegt. Was sie ärgert. Was sie vermissen. Was sie hoffen.

Ein älterer Mann sagt: „Ich habe nur noch die Zeitung.“ Die Zeitung sei sein Fenster zur Welt, seine tägliche Gesellschaft. Eine Frau bringt eine Mappe mit. Darin: sorgfältig ausgeschnittene Artikel, unterstrichen, markiert. „Das sind die Texte, die mich wirklich berührt haben“, sagt sie – und legt ihre Lieblingsstellen auf den Tisch, als wäre es ein Geschenk. Und irgendwie ist es das auch.

Foto: frankphoto.de

Schnell wird klar: Die Themen sind vielfältig – und alles andere als belanglos. Es geht um den Krieg, um politische Ohnmacht, um das Gefühl, in einem Gesundheitssystem zu leben, das viele längst abgehängt hat. Es geht um Werte, die sich verschieben – und um das Bedürfnis nach Orientierung. Und mittendrin: die Zeitung. Als Gesprächsanlass. Als Resonanzraum. Als stiller Begleiter in einer lauter werdenden Welt.

Andere sprechen über das Digitale: Wie funktioniert das E-Paper? Wie kann man die Website insüdthüringen.de besser nutzen? Was fehlt? Was funktioniert gut? Wünsche werden geäußert – nach mehr Kultur, nach Veranstaltungstipps. Immer wieder wird deutlich: Die Zeitung ist mehr als eine Informationsquelle. Sie ist Heimat. Sie ist Teil des Alltags. Sie ist das, was viele miteinander verbindet – auch wenn sie ganz unterschiedlich leben.

Es wächst ein kleiner Mikrokosmos des Zuhörens. Man lernt voneinander, gibt ein Stück von sich preis, nimmt neue Gedanken mit. Wir – als Redaktion – bekommen wertvolle Impulse. Für Themen. Für Formate.

Silvia Bergner freut sich über das große Interesse am digitalen Lesen – und kann in vielen Einzelgesprächen beraten, erklären, motivieren. „Ich nehme so viele Anregungen mit – für die Optimierung des E-Papers, für die Leserführung auf der Website. Diese Rückmeldungen sind Gold wert.“

Kleine Dinge, große Wirkung

Auch Gastgeberin Alexandra Messerschmidt, die der Veranstaltung mit ihrer liebevoll geführten Buchhandlung den perfekten Rahmen gibt, ist begeistert: „Solche Formate bringen Menschen zusammen, schaffen Verbindung – auf neue Art.“ Und tatsächlich: Aus Fremden werden Gesprächspartner, aus Einzelnen eine kleine Gemeinschaft auf Zeit. Sogar das regionale Künstlernetzwerk gewinnt an diesem Tag ein neues Mitglied – vermittelt über einen Zeitungsartikel. Es sind diese kleinen Dinge, die im Nachklang groß wirken. Weil sie zeigen, was möglich ist, wenn man einander zuhört.

Foto: frankphoto.de

Das Fazit nach zwei Stunden: Das Lesercafé ist gelungen. Künftig wird das Format durch den Landkreis touren. Monat für Monat laden wir an wechselnde Orte ein. Um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Um zu erfahren, was sie beschäftigt. Und um der Zeitung ein Gesicht zu geben – in der analogen, echten Welt.

Denn auch wenn wir digital arbeiten: Unsere Leserinnen und Leser begegnen wir am liebsten persönlich. Mit offenem Ohr. Mit echtem Interesse. Mit einem Platz am Tisch – und vielleicht einem Stück Kuchen.