Natürlich ist es ein Skandal, was da in Brotterode passiert. Über Monate hält der Mutterkonzern Marelli die fast 900 Beschäftigten bei Automotive Lighting (AL) schon hin. Es waren die Gewerkschaft und die Belegschaft, die die Unternehmensführung früh dazu aufgefordert hatten, sich um Folgeaufträge für die aktuell noch laufenden Produkte zu bemühen. Es waren Gewerkschaft, Belegschaft und Lokalpolitik, die den Konzern dazu aufgefordert hatten, über Konzepte für den Standort zu diskutieren. Bis vor wenigen Wochen bestand die Hoffnung, dass zumindest ein Kern von AL in Brotterode erhalten bleibt. Doch selbst das scheint nun hinfällig. Der Standort in Südthüringen ist offensichtlich zum Spielball eines internationalen Konzerns geworden. Und der will Scheinwerfer künftig anderswo entwickeln und bauen. Da nützen selbst fast 80 Jahre Tradition in Brotterode nichts. Diese Erkenntnis ist bitter, aber sie ist nicht neu. Nokia und AEG sind prominente Beispiel dafür, wie schnell ganze Produktionen verschwinden können. Umso wichtiger wäre jetzt ein Signal der einheimischen Wirtschaft, die Mitarbeiter von AL aufzufangen, ihnen Arbeitsplätze mit Perspektive zu geben. Dann könnte sich die Hiobsbotschaft von der Schließung zum Positiven wenden. jolf.schneider@insuedthueringen.de