Kommentar Meine schönsten Momente beim Tageblatt

Lena C. Stawski
„Turbo Power“ braucht man auch als Journalistin – und einen starken Magen. Bei Recherchen fürs Tageblatt half manchmal auch kein Drei-Wetter-Taft. Für Lena C. Stawski ging es während ihrer Ausbildung rund, nicht nur auf dem Meininger Rummel. Foto: /Christopher Kirchner

Nach fast zwei Jahren beendet Redaktionsvolontärin Lena C. Stawski ihre Ausbildung beim Meininger Tageblatt. Was sie dabei alles erlebt hat, fasst sie an dieser Stelle zusammen.

Hinter jedem Artikel, der entsteht, steckt eine zusätzliche Geschichte – was ich als Volontärin nicht alles erlebt habe und das allein in Meiningen! Eins ist sicher: Nach knapp zwei Jahren beim Tageblatt bin ich fit wie ein Turnschuh.

Es ging die Berge rauf und runter. Die Strecken zu Terminen habe ich meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Wie oft bin ich mit meinem nicht-motorisierten Drahtesel den Kiliansberg hoch gestrampelt oder zum Schwimmbad auf den Rohrer Berg? Ein absolutes Highlight war die Extrem-Tour durch den Wald nach Dreißigacker hinauf. Das tat ich einmal und danach nicht wieder. Ich trug eine weiße Bluse und so mancher, der mich in meinem chicen Outfit durch den Wald schnaufen sah, muss sich sehr gewundert haben. Zur Ausstellungseröffnung in der Galerie im Langen Bau kam ich komplett k. o. an. Zum Glück gab es Schnittchen und zurück rollte es sich von ganz alleine.

Routen, die dann doch zu weit waren, habe ich mit dem „Pizza-Wagen“ vom Vertrieb hinter mich gebracht, einem kleinen Transporter. Quer durch die Rhön fuhr ich die vielen Kurven bis nach Unterkatz zu einer Infoveranstaltung der Kupfersucher – was für ein Abenteuer. In jedem Dörflein betete ich, dass mir auf den schmalen Straßen niemand entgegenkommen möge.

Ich saß im Stadtrat, in Beiräten und Ausschüssen; bleibenden Eindruck hat jedoch eine Ortsteilratssitzung in Wallbach hinterlassen. Zu den Treffen müsste man eigentlich Popcorn mitbringen – denn dort wird Demokratie noch richtig (aus)gelebt. Es ist bemerkenswert, wie sich die Wallbacher-Bürger einbringen, da braucht es nicht einmal um einen neuen Funkmast gehen – für Diskussionsstoff kann bereits ein zugewachsenes Denkmal oder ein defekter „trauriger Smiley“ (Geschwindigkeitsanzeigetafel, welche die Fahrzeuggeschwindigkeit im Straßenverkehr misst) sorgen.

Im Hinterkopf behalten werde ich auch die vielen tierischen Erlebnisse. Über zu früh heimgekehrte Schwalben in Sülzfeld schrieb ich meinen ersten Artikel. Ich machte mich mit Frank Möller auf die Suche nach dem Untermaßfelder Biber, besuchte in Meiningen die erste Geflügelschau meines Lebens und befasste mich literarisch mit den Fledermäusen in der Goetz-Höhle. Der Weg meines Volontariates in Südthüringen kreuzte sich auch mit dem der Deutschlandtour. Mit Kamera bewaffnet, stand ich, stolz die Presse-Akkreditierung um den Hals tragend, in der Zielgeraden auf der Bernhardstraße, jubelnde Menschen um mich herum. Sie jubelten nicht meinetwegen, aber es war ein Wahnsinns-Event und ich befand mich mittendrin. Als besonderes Ereignis entpuppte sich ebenso die Kinderstadt Tiberanda, bei der ich Berufspatin von den kleinen Hennepost-Reportern war.

Im Auftrag der Redaktion schrieb ich zahlreiche Reportagen, wanderte Silvester zum Diezhäuschen, ging shoppen, tanzte Zumba und fuhr auf dem Meininger Rummel Karussell, bis mir schlecht wurde.

Es wird mir auch ewig im Gedächtnis bleiben, wie ich mich mit der Sprecherin des Henfling-Gymnasiums, Anne Adam, im Wald verlief. Als sie mich zur Baumpflanzaktion der Schule im Landeswald bei Dreißigacker an der Straße abholte, fanden wir die Schüler nicht wieder und irrten auf Wald- und Feldwegen umher, bis wir die richtige Abzweigung ausmachten.

Neben der frischen Waldesluft inhalierte ich natürlich auch die des Meininger Theaters, besuchte die „Kammerbox“ und sprach mit Dramaturgen und Künstlern. In die lange Liste an Persönlichkeiten, die man als Journalist so kennenlernt, reiht sich auch der TV-Star und Quiz-Master Sebastian Klussmann ein, mit dem ich im Rahmen einer Veranstaltung ein Interview führen durfte. Zu meiner Kollektion an besonderen Momenten zählt aber auch die Situation, als ich im Inneren der Meininger Reger-Orgel stand. Ich freute mich wie ein Kind, das ein Schokoladen-Eis bekommt, cool war dafür gar kein Ausdruck.

Am liebsten waren mir während der letzten Jahre in Meiningen stets die Gespräche mit den vielen inspirierenden Menschen, die ich porträtierte und an welche ich noch lange denken werde. Aber nie werde ich die tollen Kollegen und Kolleginnen in der Redaktion vom Meininger Tageblatt vergessen – danke für die lehrreiche Zeit.

 

Bilder