Kloster Veßra Fernsehmaus erkundet Museum

Klar, dass es in einem alten Kloster auch Mäuse gibt – und Katzen. In Kloster Veßra war eine ganz besondere zu Gast: Die berühmte Fernsehmaus vom WDR.

Kloster Veßra - „Gibt es Dinge, die Ihr sammelt?“ Prompt geht der Arm von Elias Waschek nach oben. „Ich sammle Münzen“, sagt der Elfjährige. „Die bewahre ich in einem Album auf.“ Der nächste Junge berichtet, er sammle Knochen, die er gefunden hat, ohne das diese bislang bestimmt worden sind. „Da habt ihr ja tolle Sammlungen“, sagt Meike Leyde. Sie ist Mitarbeiterin des Hennebergischen Museums Kloster Veßra, das am Sonntag seinen Mottotag „Türen auf mit der Maus“ veranstaltet hat. „Ganz ähnlich tun wir das auch“, erklärt sie im Coburger Stall, der entsprechend hergerichteten Heimstatt für die museumspädagogischen Projekte. „Wir sammeln und bewerten Gegenstände und bewahren sie auf, denn sie erzählen uns Geschichten.“ Beispielsweise wie Menschen früher gelebt haben.

Um darüber zu berichten und den Kindern ab acht Jahren Wissen zu vermitteln, beteiligt sich das Museum am Maus-Tag, den der Westdeutsche Rundfunk (WDR) initiierte, und hat an diesem Tag mehr als 300 Gäste, die Basteln, an Spielmobil und Hüpfburg ihre Geschicklichkeit und Fitness zeigen und an Führungen teilnehmen können. Wer kennt sie nicht, Die Sendung mit der Maus, die seit 50 Jahren am Sonntagvormittag im Fernsehen läuft. Lach- und Sachgeschichten für Kinder werden gezeigt, kurze Trickfilme mit der orangefarbenen Maus und ihrem Freund, dem kleinen, blauen Elefanten und natürlich Wissensfilme darüber, wie etwas hergestellt wird oder funktioniert. Derart Wissenswertes hält auch das Museum in Kloster Veßra parat. Die Kinder dürfen mit Hilfe der Maus, welche den passenden Schlüssel parat hält, dort hinter die Kulissen schauen.

Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln sind die zentralen Aufgaben eines Museums. Meike Leyde, die abwechselnd mit Denise Kirchner die insgesamt fünf ausgebuchten Führungen ohne Eltern leitet, stellt den Kindern eine Aufgabe: Dinge von früher und heute, die auf zwei Tischen nach dieser Aufteilung platziert sind zusammen, zu bringen und zu ergründen, warum gerade diese Gegenstände zueinander passen. Wieder ist Elias Waschek aus Römhild am schnellsten. Er hält ein paar Turnschuhe in der Hand und ordnet sie einem metallischen Gegenstand zu, der mehrere verschiedene Füße hat, die in unterschiedliche Richtungen zeigen. Mit Hilfe von Meike Leyde spannt er einen Schuh über zwei dieser Füße. „So wurden Sohlen repariert und Nägel hinein geschlagen“, sagt sie. Es handelt sich um einen Dreifuß, ein Werkzeug eines Schuhmachers.

Richard Hauck hält eine Packung mit Masse für Kartoffelknödel in der Hand und ordnet sie einer hölzernen Maschinerie zu. „Das ist eine Kartoffelpresse“, sagt der zwölfjährige Meininger. Die Kartoffeln werden in eine Öffnung gefüllt und ein Kolben per Hebel dort hinein gedrückt. „Da muss noch eine Schüssel darunter gestellt werden, um den Saft aufzufangen“, meint Richard Hauck. Meike Leyde stimmt zu. Und munter weiter geht es mit der Zuordnung, bei der die Kinder zumeist gleich goldrichtig liegen – etwa bei Schneebesen zu Holzquirl, Weizenmehl zu einem geflochtenen Brotkorb, der als Backform diente oder einer Wäscheklammer aus Plastik zu einer aus Holz. Auch auf diesem Utensil ist eine Nummer vermerkt. „Das ist die Inventarnummer, die jedes Objekt erhält, damit wir es in der Sammlung zuordnen können“, sagt Meike Leyde und schätzt nach den zehn Objekten ein: „Super, ihr habt alles gut zugeordnet.“

Weiter geht der Rundgang. „Nach den eher kleinen zeige ich Euch jetzt eines unserer größten Objekte“, sagt Meike Leyde, „das Neubauernhaus“. Das 1948 im Zuge der Bodenreform errichtete Gebäude ist als Streckhof angelegt und verbindet alle Funktionsbereiche unter einem Dach: Wohnung, Stall und Scheune. Das Neubauernhaus, das die für die frühen 1950er-Jahre typische Einrichtung zeigt, wird teilweise saniert und ist eigentlich geschlossen. „Für Euch öffnen wir aber, die Maus hat den Schlüssel um den Hals“, sagt die Museumsmitarbeiterin. Die zehnjährige Clara, sie ist die Schwester von Richard Hauck, darf den Schlüssel rumdrehen. Die Kinder erkennen unter anderem, dass die Muster an der Wand des Wohnraums einst mit Hilfe von Farbwalzen entstanden, die sie an der ersten Station gesehen haben. Der Küchenbereich mit Holzofen ist gegenwärtig abgesperrt, darin steht unter anderem ein Waschkessel aus früheren Tagen. Eben so einer, zu dem der große Rührlöffel aus Holz passt, den die Kinder zuvor ebenfalls gesehen haben. Im Scheunen- und Stallbereich mit allerlei historischen landwirtschaftlichen Gerätschaften nennen sie Hühner, Schafe und Schweine als Tiere, die hier untergebracht waren. „Und hier ist das Plumpsklo“, ruft ein Junge. „Genau“, bestätigt Meike Leyde.

Anschließend können die Kinder bei Steffen Sommer an einer weiteren Station auf ihrem Rundgang durch das Museumsgelände ein ähnliches Muster auf Papier zum Andenken an diesen Tag walzen, wie es die Wohnraumwände des Neubauernhauses ziert. Und damit nicht genug: Für einen Schnappschuss auf dem grünen Sofa im Fotozimmer des Museums bleibt dann natürlich auch noch Zeit, bevor es zurück zu den Eltern geht. Die Maus darf bei dieser besonderen Aufnahme nicht fehlen.

„Das war ein kleiner Einblick in unser Museum“, sagt Meike Leyde zum Abschluss der Führung und schaut in zufriedene Gesichter. „Ich hoffe, dass ihr wieder her kommt, um Euch noch mehr anzuschauen.“ Richard Hauck hat der Rundgang ebenso sehr gut gefallen wie Elias Waschek. Besonders das Neubauernhaus finde er interessant, sagt er und präsentiert dann seinen Eltern das Stück Papier, das er gerade kunstvoll bewalzt hat.

 

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