Klinikchef entschuldigt sich Regiomed befeuert Impfgegner

, aktualisiert am 14.09.2021 - 16:33 Uhr

Ein – internes – Mitarbeiterschreiben von Regiomed enthält längst bekannte Fakten zur Wirksamkeit von Corona-Impfungen. „Durchgestochen“ ins Worldwide-Web, sieht sich nun der Klinikverbund zur „Klarstellung“ des – mittlerweile zurückgezogenen – Dokuments veranlasst.

Hildburghausen/Sonneberg/Coburg – Erst ein Schreiben an die Mitarbeiter und dann eine Klarstellung – die Chronologie einer internen Mitteilung des Klinikverbundes Regiomed blieb schon am Sonntag nicht intern. Bereits Sonntagabend nahm letzteres seinen Weg ins Worldwide-Web. Die Sache an sich ist zunächst einmal in Zeiten von Hygiene-Konzepten und Pandemie-Management nichts Außergewöhnliches. In dem von Regiomed-Klinik-Geschäftsführer Robert Wieland und der für das Hygienemanagement zuständige   Mediziner Dr. Andreas Schwarzkopf unterzeichneten Papiers, dass sich an „alle Mitarbeiter der Regiomed Kliniken“ richtete, heißt es: „Aus gegebenem Anlass wird seitens der Geschäftsführung und der Leitung des Hygienemanagements ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch eine abgeschlossene Sars-CoV2-Impfung nicht vor der Infektion mit diesem Virus schützt. Auch die immer wieder aufgestellte Behauptung, dass Geimpfte weniger ansteckend seien, ist schlicht falsch.“ Es folgen dann Verhaltenshinweise für Mitarbeiter mit typischen Symptomen, die – ob geimpft oder nicht – sich dann testen lassen müssen.

Aufgegriffen

Aufgegriffen hatte dies am Montagabend auch Ingo Schreurs vom Verein Sonneberg zeigt Gesicht. In dem auch als Video auf dem Facebook-Profil der impfkritischen Initiative verfügbaren Mitschnitt von der Versammlung war der Brief  zu sehen. Schreurs skandalisierte das Dokument als Beleg dafür, dass es auch im heimischen  Klinikverbund  Zweifel an der Wirksamkeit der Impfungen bestehe.

Das durchgestochene Mitarbeiterschreiben löste offenbar noch am Montagabend in der Chefetage des Klinikkonzerns Handlungsdruck aus. Man sehe sich zu einer Klarstellung gegenüber den Medien gezwungen, teilt Unternehmenssprecherin Birgit Schwabe in einer Mail mit, die 21.47 Uhr versandt wurde.„Unglücklicherweise haben wir ein Dokument anlassbezogen an die Mitarbeiter herausgegeben, das nicht präzise genug formuliert und geprüft worden ist“, heißt es in dem alleine von Geschäftsführer Wieland unterzeichneten Schreiben. Die stark verkürzte Darstellung des Inhaltes vermittle den Eindruck, dass Regiomed den Nutzen der Covid-19 Impfungen in Frage stelle. Dass das Mitarbeiterschreiben „besonders unter Impfkritikern weitergereicht und  im Netz bereits mehrfach geteilt“ werde, trete man mit Klarheit entgegen.

Die Intention der Geschäftsführung und des Hygieneinstituts sei es gewesen, den Mitarbeitern nochmals zu verdeutlichen, dass trotz vollständiger Impfung die Möglichkeit besteht, grippale Symptome zu entwickeln. Dies sei im Text aber leider nur sehr verkürzt, verallgemeinert und zu oberflächlich dargestellt worden, merkt der Manager an.  „Vorrangig sollten die Mitarbeiter mit dem Schreiben erinnert werden, dass trotz einer Covid-19-Impfung alle geltenden Hygienemaßnahmen eingehalten werden müssen, um noch besser geschützt zu sein und Risiken größtmöglich auszuschließen. Insbesondere weil wir eine Sorgfaltspflicht gegenüber unseren Patienten und Bewohnern in unseren Einrichtungen und Leistungsbereichen haben, wollten die Verantwortlichen das Vorgehen bei auftretenden Erkältungssymptomen darstellen und klar regeln, um eine größtmögliche Sicherheit zu bieten“, erklärt Wieland. Das ursprüngliche Dokument sei bereits entfernt, die Wirksamkeit außer Kraft gesetzt und durch einen neuen Revisionsstand ersetzt, der das Hygienekonzept und die Regelungen eindeutiger klarstelle. Alle Verantwortlichen im Klinikverbund seien von der Schutzwirkung der Corona-Impfung überzeugt, möchte der Geschäftsführer betont wissen. „Derzeit wird auch gerade eine eigene Impfkampagne bei Regiomed entwickelt, um noch mehr Mitarbeiter und Bürger in Bezug auf eine Covid-19-Impfung zu sensibilisieren. Auch die Geschäftsführung und das Hygieneinstitut stehen hinter der Impfkampagne“, so Wieland. Man sehe im Impfen einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen das Virus, so wie gegen andere Erreger.

„Gegebener Anlass“

Neu sind die von der Regiomed-Geschäftsführung im internen Mitarbeiterschreiben getroffenen Aussagen hinsichtlich der Ansteckungsgefahr von und durch bereits vollständig Geimpfte nicht. Mithin kann dem entnommen werden, dass sich geimpfte Mitarbeiter ebenso sorgfältig an die Hygieneregeln zu halten haben wie alle anderen auch. Weniger die Faktenlage als die „durchgestochene“ Mitteilung und deren Weg in die Öffentlichkeit sieht man bei Regiomed kritisch. „Dass unser ursprüngliches (internes) Schreiben nun öffentlich in vorwiegend impfkritischen Foren geteilt und weiterverbreitet wird, ist nicht in unserem Sinn und entspricht nicht unserer eigentlichen Intention, die Mitarbeiter für auftretende Symptome zu sensibilisieren“, kommuniziert Klinik-Geschäftsführer Wieland. „Gerade weil viele der Mitarbeiter mit herausragendem und vollstem Engagement für die Gesundheit der Menschen in der Region an 365 Tagen im Jahr arbeiten und insbesondere auch während der Pandemie enormen Einsatz gezeigt haben“, betont er. Die mitunter schmerzenden Schicksale von schwer an Covid-19 Erkrankten würden von den Teams aller Berufsgruppen bereits seit etwa eineinhalb Jahren begleitet. Dies sei für alle eine enorme körperliche Anstrengung und emotionale Belastung. „Wir bedauern, dass der Eindruck entstanden ist, Regiomed würde den Nutzen der Impfung in Frage stellen – dem möchten wir ganz klar widersprechen“, heißt es abschließend.

Offen bleibt die Frage, was denn nun der „gegebene Anlass“ für das – interne – Schreiben an die Klinikmitarbeiter gewesen ist. Klinikchef Wieland erklärt dazu gegenüber dieser Zeitung: „Das Schreiben wurde aufgrund der deutschlandweit steigenden Fälle von Impfdurchbrüchen erstellt.“  Man habe  daher die Mitarbeiter nochmals bezüglich des Umgangs mit Erkältungssymptomen und den aktuell geltenden Hygienemaßnahmen aufklären und sensibilisieren wollen.

Autor

 

Bilder