Kleine Suhler Reihe mit Zuwachs Streiflichter aus dem Handwerk

Gunther Dreßler legt sein viertes Heft in der Suhler Reihe vor. Foto: frankphoto.de/K.-H. Frank

Gunther Dreßler zählt in der Reihe der Autoren, die die kleine Suhler Reihe füllen, zu den Erfahrenen. Jetzt legt er seine neueste Publikation vor, die den Titel „Suhler Handwerker. Streiflichter aus der Geschichte“ trägt.

Wenn man so an der Geschichte interessiert ist, sie so akribisch wie verständlich und komprimiert aufarbeiten kann wie Gunther Dreßler, dann verwundert es nicht, dass er nun sein viertes Heft für die Kleine Suhler Reihe vorlegt. Nachdem er sich dem polytechnischen Unterricht in Suhl, der Lautenbergsiedlung und dem Suhler Bismarckturm sowie der Gaststätte auf dem Domberg gewidmet hat, nimmt er sich nun die Geschichte Suhler Handwerker vor. Das Thema liegt bei Gunther Dreßler genau richtig, schließlich war er viele Jahre lang in der Handwerkskammer Südthüringen tätig und war hier unter anderem 17 Jahre lang Geschäftsführer Bildung.

All das und seine reichhaltigen Erfahrungen lieferten ihm zweifellos viel Hintergrund für sein neues Heftchen. Geholfen haben auch die zahlreichen Kontakte zu den Handwerkern Suhls. So vielfältig das Fundament für seine Autorenarbeit auch war, umso schwerer dürfte die Auswahl gewesen sein, die es erforderte, um die vielgestaltige Suhler Handwerker-Geschichte auf 76 Seiten unterbringen zu können. Auch wenn er das Handwerk, das sich um die traditionelle Waffenproduktion rankt, beiseite lässt, weil darüber schon so viel publiziert worden ist – die Auswahl dürfte ihm dennoch Kopfzerbrechen bereitet haben. Da hilft nur die Kunst des Weglassens.

„Ich habe mich auch gefragt, wie ich dieses Thema am besten angehen soll. Und ich habe mir vorgestellt, dass ich einen Scheinwerfer über die Jahrhunderte schwenke und bestimmte Abschnitte näher ausleuchte“, umreißt Gunther Dreßler seine Herangehensweise. Das erklärt auch das Wort „Streiflichter“ im Titel des Heftes, das in der Kleinen Suhler Reihe die Nummer 65 trägt und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben will. Der 75-Jährige spricht davon, wie viel Spaß es ihm gemacht habe, mit Zeitzeugen zu reden, alte Schriften zu übersetzen beziehungsweise im Stadtarchiv übersetzen zu lassen und wie schwer es war, das Heft zu bebildern. Schließlich haben die Altvorderen nicht stets und ständig eine Kamera in der Hand gehabt. Und er spricht auch über die Geduld seiner Frau, die ihn so oft entbehren musste, wenn er in seiner Schreibstube oder eben im Archiv verschwand.

Nun liegt es vor, das vierte Heft aus der Feder von Gunther Dreßler. Er spannt zwischen den in Grau gehaltenen Deckeln den Bogen von Feilenhauern über das Bauhandwerk, Bäcker und Fleischer, Friseure und Schneider, Autowerkstätten und Töpfer bis hin zu Handwerkern in volkseigenen Betrieben und den Übergang in die Marktwirtschaft. Und mit jedem Kapitel wird deutlicher, dass das Handwerk auch Spiegel der Stadtgeschichte ist.

Tatsächlich gibt es ein Wiedersehen mit Handwerkern, die noch heute tätig sind. Mit dem Klempner- und Installationsbetrieb Menschner zum Beispiel. Oder mit dem Friseurmeister Peter König, dem zu DDR-Zeiten der Gewerbeantrag erst nicht und dann doch genehmigt worden ist. Seine Geschichte läuft unter dem Titel „Ein Friseur schert aus“.

Es gibt Geschichte und Geschichten, die durchaus zum Schmunzeln anregen und es gibt vor allem eine Menge an Wissen über Handwerk und Handwerker, ohne die die Stadt nicht so wäre, wie sie ist.

So ist auch zu erfahren, wie die Firma Büttner mit ihrer enormen Bautätigkeit das Stadtbild prägte. Neben Häusern etwa in der Schmiedefelder Straße oder am Röderfeld und dem Bau der Synagoge übernahm die Firma auch den Erweiterungsbau am Alten Rathaus, das mit einer anspruchsvollen Zimmererarbeit spektakulär aufgestockt wurde. Auch die Renovierung der Hauptkirche sowie die aufwendigen Stuckarbeiten in den Jahren 1969 bis 19733 geht auf das Konto der Firma Büttner.

Wenn Sylvia Luck, die Beigeordnete der Stadt Suhl in Vertretung des Oberbürgermeisters sagt, dass sie nach dem Lesen des Heftes mit anderen Augen durch die Stadt gehe und sich an jene erinnere, die für das Stadtbild, für die Frisuren und beispielsweise für den guten Geschmack des Brotes und der Wurst gesorgt haben und noch immer sorgen, dann trifft das die Absicht dessen, was Gunther Dreßler mit dem Heft über das Suhler Handwerk erreichen will.

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