Die Frage lautet: Hat der Mann Fieber? Und wenn ja, wo rührt es her? Das Fußball-Fieber, das dieser Tage ganz Europa epidemisch heimsucht, kann’s jedenfalls nicht sein, unter dem Bodo Ramelow leidet. Und unsereinem, von der Hitze der freudigen Erwartung auf den ersten Anpfiff schon ganz schön befallen, schwillt der Kamm: Jetzt muss man sich über die Linkspartei auch noch aufregen, wenn’s um Fußball geht! Unfassbar! Also: Bodo Ramelow, welcher Vizefraktionschef der Linken im Bundestag ist und nächstes Jahr Ministerpräsident von Thüringen werden will, hat im Hinblick auf die anstehende EM zu Protokoll gegeben, er wünsche sich „viele starke linke Flanken“, „viele mit kräftig rotem Dress“ und viele „von Enthusiasmus feurig-rote Gesichter“. Das ist zwar erheblich weniger witzig, als der Herr Ramelow vielleicht meinen mag, aber geschenkt! Im Vorwahljahr darf man das auch mal durchgehen lassen. Dann aber wird’s ernst: Wenn es der deutschen Mannschaft gelinge, zu ihrer Form bei der Weltmeisterschaft 2006 zurückzufinden, dann ist für ihn, Bodo Ramelow himself, „sogar eine Neuauflage des Wunders von Bern“ möglich. Ach was! Wahrscheinlich hat irgendjemand dem Herrn Ramelow geflüstert, dass die EM in diesem Jahr in Österreich und der Schweiz stattfindet, und da hat er sich flink, wie er ist, bei Schweiz gleich mal das „Wunder von Bern“ herbeiassoziiert. Auf die Belehrung, dass das Endspiel in diesem Jahr zwar nicht in Bern, sondern in Wien stattfindet, wollen wir denn auch großmütig verzichten. Aber dass das „Wunder von Bern“ in der damaligen Situation Deutschlands, als das Land nach dem verlorenen Krieg in den selbstverschuldeten Trümmern lag, etwas völlig Einmaliges – ein Wunder eben – war, das wollen wir dem Thüringer Oberlinken denn doch unter die Nase reiben. Mag er in den Manifesten von Marx, Engels und Lafontaine auch bewandert sein, von Toni „Fußballgott“ Turek, Fritz Walter und Helmut Rahn scheint Ramelow eher wenig zu wissen. Na gut, geben wir uns lieber wieder unserem erregenden Fußball-Fieber hin, anstatt uns über linke Fehlpässe zu ereifern. Eins immerhin kann man aus der Sache lernen (und das gilt im Fußball wie in der Politik): Wenn man von etwas keine Ahnung hat, dann sollte man geflissentlich den Mund halten. Abpfiff.