Kind müsste man sein! Dann könnte man auch einen Brief an den Weihnachtsmann schicken, ihn einfach bei der Post einwerfen und sogar mit einer Antwort rechnen. Denn der Weihnachtsmann hat seit 14 Jahren eine reale Adresse in Thüringen. In Himmelsberg - natürlich, wo sonst? Schade nur, dass wir Erwachsene nicht mehr daran glauben, dass die fleißigen Engel vom Himmelsberger Heimatverein tatsächlich Wünsche erfüllen können. Wünsche hätten wir schon. Jede Menge sogar. Nicht nur persönliche, sondern auch politische, wenn man beispielsweise an den Klimagipfel in Kopenhagen denkt. Und wenn es nur der ist, dass dort auch verbindliche Vereinbarungen getroffen werden und nicht nur ein Wunschzettel verabschiedet wird. Denn Letzteres liegt Politikern weit mehr. Auch wenn sie ihre Wünsche nicht als Wunschzettel oder Zehn-Punkte-Wunschprogramm präsentieren, sondern besser klingende Namen bevorzugen. Wie zuletzt in Thüringen. Da haben sich die Spitzen von CDU und SPD sogar wochenlang zusammengesetzt, um einen gemeinsamen Wunschzettel vorzulegen. Sehr lang ist er am Ende ausgefallen. Zur Tarnung haben sie ihn auf den Namen Koalitionsvertrag getauft. Pech ist nur, dass dieser nicht im Himmelsberger Backhaus beantwortet wird, sondern in Berlin und Rudolstadt zum Beispiel. In Berlin lautete die schnöde Antwort der Steuerschätzer sinngemäß: Vergesst es! Ihr werdet mehrere hundert Millionen Euro weniger Einnahmen haben. In Rudolstadt legten diese Woche die Rechnungsprüfer nach. Ihr sinngemäßer Rat: Vergesst es! Eure Hauptaufgabe wird sein, die Landesfinanzen wieder in den Griff zu bekommen. So dürften längst neue Wünsche bei den Erfurter Politikern aufgelaufen sein. Bei Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht zum Beispiel. Der Inhalt könnte durchaus Parallelen zu den Wünschen in den Briefen aufweisen, die sich in Himmelsberg stapeln. Nämlich: Mehr Zeit für die Familie zu haben! Vor allem für ihre politische Familie, die unter dem Namen CDU-Fraktion firmiert. Erheblicher Gesprächsbedarf scheint nötig. Individuelle Gespräche, bis auch der Letzte in der Koalition angekommen ist und verinnerlicht hat, dass jetzt das Bündnis aus CDU und SPD so etwas wie seine neue politische Familie ist. Vielleicht hätte es sogar eine therapeutische Wirkung, wenn so mancher Abgeordneter einen Brief nach Himmelsberg schickt. Um sich einfach mal den Frust von der Seele schreiben zu können, ohne dass gleich die Koalition zu platzen droht. Als Erwachsene könnten sie ja unterscheiden, was kaum erfüllbare Wünsche sind, und was Realität ist.
Klartext Wünsch Dir was !
Von Georg Grünewald 11.12.2009 - 00:00 Uhr