Was denn nun? Nationalpark oder Marketing-Gag? Der Begriff Entwicklungsnationalpark Vessertal bringt seine eigenen Erfinder ganz schön ins Schwimmen. Es scheint, als wären die Umweltpolitiker in den Regierungsfraktionen und in der Landesregierung gut beraten, sich selbst erst mal einen Moderator zu suchen, bevor sie in der Region zu moderieren beginnen.

Und dabei einmal definitiv klären, was sie wollen und unter Entwicklungsnationalpark verstehen. Was Umweltminister Reinholz jetzt dazu sagte, klingt zwar sehr plausibel - aber man hat eben auch schon anderes gehört. In der Diskussion um die Werra-Versalzung hat es den Beteuerungen der Beteiligten am runden Tisch zufolge auch funktioniert: Der habe in zweijähriger Arbeit dafür gesorgt, dass man eine gemeinsame Basis für die Diskussion hat, hieß es am Montag bei der Übergabe seiner Empfehlungen an die Landesregierungen und K+S. Es scheint, als würde es die meisten Akteure im Vessertal auch nicht stören, wenn sich die Begriffsklärungen in Erfurt etwas länger hinziehen. So wie der Düngemittelkonzern K+S offensichtlich sehr gut damit leben könnte, wenn noch länger diskutiert würde. Selbst über eine Fernpipeline - die für K+S noch ein röteres Tuch ist wie für die Vessertaler der Begriff Nationalpark. Der Diskussion versperre man sich keineswegs, beteuerte deshalb K+S-Vorstandsmitglied Gerd Grimmig gestern noch mal ausdrücklich. Man wird es ihm aufs Wort glauben dürfen: K+S würde auch noch 50 Jahre lang diskutieren. Und da ergibt sich die nächste Parallele zwischen Vesser und Werra: Es wird nicht gehen, weil 2011 Entscheidungen fallen müssen. An der Werra über die Verpressung der Salzlaugen, an der Vesser über den Erhalt des Status Biosphärenreservat. Es ist also doch an der Zeit, als Moderator in die Berge zu ziehen - wenn die Koalitionäre selbst einen Moderator gefunden haben.