Versengte Israel-Fahnen, Brandreden gegen Juden: In Berlin-Kreuzberg und Neukölln hat am Wochenende ein 2500-köpfiger Mob getobt. Da ist sie wieder, die hässliche Fratze des Antisemitismus, da ist es wieder, das Gerede vom Juden als Brunnenvergifter und Völkermörder. Und das ausgerechnet in Berlin, wo einst der Reichstag brannte und die Vernichtung der Juden geplant wurde. Zahlreiche Politiker von CDU, FDP und SPD, etwa der Regierende Bürgermeister, haben sich zu Wort gemeldet, dem Aufmarsch und die Hasstiraden gegeißelt. Doch die Stimmen der Linken und Grünen, die gewöhnlich besonders laut gegen Völkerhass und Menschenverachtung aufbegehren, waren nicht zu vernehmen - mit Ausnahme von Cem Özdemir. Dabei hätte es gerade ihnen, vielleicht mit der grünen Kreuzberger Bürgermeisterin an der Spitze, gut zu Gesicht gestanden, einen machtvollen Gegenprotest auf die Straße zu bringen oder den Aufmarsch der Rechten zu blockieren.