Der Bund der Vertriebenen sollte Karl-Theodor zu Guttenberg einen Aufnahmeantrag schicken. Der gefällt sich nämlich in der Rolle des Heimatvertriebenen, der aus dem amerikanischen Exil trotzig auf sein Rückkehrrecht pocht. Seinen Jägern sei es nicht gelungen, ihn "dauerhaft aus dem Revier zu vertreiben", ließ er wissen. Ein Versprechen.

Oder doch eher eine Drohung. Er kommt zurück. Und er bereitet seine Rückkehr ganz auf seine Weise vor: eine geschickte Medienkampagne, ein Buch, ein paar provozierende Thesen. So war er, so ist er. Auf Wirkung bedacht. Und doch überrascht die Schärfe, mit der Guttenberg sein Comeback einzuleiten gedenkt. Selbstkritik? Aber ja doch! Nicht zu knapp. Seine mit abgeschriebenen Stellen nur so gespickte Doktorarbeit nennt er mal eine "unglaubliche Dummheit", mal einen "ungeheuerlichen Fehler", "schlecht", "plump", "töricht". Nur ist es das alte Lied: Was nach Selbstkritik klingt, ist eigentlich eine Waffe. Er will sich unangreifbar machen. Wer unangreifbar ist, kann besser austeilen. Das tut er dann auch. Gegen fast alle: die Union, insbesondere die CSU, auch gegen diejenigen aus den eigenen Reihen, die ihm den Abgang nahelegten. Die Angriffe offenbaren, dass Guttenberg in der deutschen Politik ziemlich isoliert dasteht. In der Unionsfraktion im Bundestag ist allenthalben zu hören, man habe längst erkannt, einem politischen Hochstapler auf den Leim gegangen zu sein. Einem Alles-Versprecher, einem Ankündiger, einem, der mit der schicken Formulierung glänzte, aber das Klein-Klein der Tagesarbeit scheute. Thomas de Maizière, der Nachfolger im Ministeramt, hält sich vornehm zurück, aber deutlich genug lässt er erkennen, was er vom Vorgänger hält. Guttenberg glaubt, das alles könne ihm recht sein. Er will als Politiker ganz neuen Typs glänzen, als einer, der nicht zum "Betrieb" gehört. Einer gegen alle. Nur ist Politik kein Western.