Der heutige 9. November ist ein deutscher Schicksalstag in gleich doppelter Hinsicht: Am 9. November 1938, also heute vor 69 Jahren, brannten in Deutschland die Synagogen, und am 9. November 1989, heute vor 18 Jahren, fiel die Berliner Mauer, brach die marode gewordene DDR gewissermaßen in sich selbst zusammen. Ein trauriges, noch immer zutiefst bedrückendes und beschämendes Gedenken das eine, ein frohes, freudiges und glückliches das andere. Schicksalstage zweier Diktaturen, die zwar nicht gleichzusetzen sind, aber durchaus miteinander verglichen werden dürfen. Beide haben die Menschenrechte mit Füßen getreten und, wenn auch sehr unterschiedliches, so doch alles in allem unsägliches Leid verursacht. Beide Dikaturen sind überwunden. Wir sind wieder eine Nation. Gleichwohl wirken beide Daten bis heute nach. Auf ebenso unterschiedliche Weise: Da sind die Ewiggestrigen, die Verdränger, auch die Unwissenden, die gar zu gerne vermitteln, dass doch alles gar nicht so schlimm war. Dann kommen die unsäglichen Beispiele mit den Hitler-Autobahnen und den Honecker-Kindergärten. Und auch die Irrsinnsrufe nach einem neuen Adolf oder einer neuen, möglichst noch höheren Mauer. Aber da sind auch jene, die besorgt mahnen und warnen, vor dem einen wie auch dem anderen, vor den einen wie den anderen: Nie wieder! Und das ist, Gott sei Dank, immer noch die überwältigende Mehrheit in diesem Volk. Die meisten das ergeben alle seriösen Umfragen weinen dem verlogenen DDR-System keine Träne nach, die haben weder etwas mit den Stasilumpen am Hut noch mit den Schießbefehlleugnern oder Flüchtlingsjägern. Und es ist in diesem 80-Millionen Volk zum Glück auch eine verschwindende Minderheit, die immer noch oder auch wieder bescheuerten Naziparolen folgt. Umso wichtiger ist es, weder die einen noch die anderen Umtriebe als belanglose, gar harmlose Zeiterscheinungen abzutun. Sie sind es nicht. Weil derartiges Gedankengut grundsätzlich schädlich und gefährlich ist und alles andere als harmlos. Weil fanatische Extremisten immer wieder auch Sympathisanten finden, die noch dümmer sind als sie selber. Wehret deshalb den Anfängen! Wir Deutsche sollten inzwischen wissen, worauf wir dringend zu achten haben. Was wir uns auf keinen Fall gefallen lassen sollten. Wogegen wir uns immer zu Wehr setzen müssen. Was wir nie wieder haben wollen. Heute zum Beispiel den dröhnenden Aufmarsch von Neonazis in Vacha. Ausgerechnet heute! Wir sollten aber auch wissen, dass man das nicht durch Wegducken erreicht. Nazis raus aus Vacha! Nazis raus aus Thüringen! Raus aus Deutschland, ein für alle Mal!
Klartext Ein deutscher Schicksalstag
Von Berthold Dücker 09.11.2007 - 00:00 Uhr