Den Optimismus des Kollegen kann kein Wässerchen trüben, nur wenn das Rasierwasser leer ist, fühlt er sich nicht vollständig. Erst neulich muss er früh im Bad gestanden und vergeblich die letzten Tropfen des Dufts herausgeschüttelt haben. Doch die Flasche ist leer. So kommt er - nach eigenem Gefühl - nackt auf der Arbeit an. Alle anderen merken davon freilich nichts. Nur die Tüte einer Drogerie nachmittags auf seinem Schreibtisch weist auf einen Einkauf hin. Schließlich musste schnell Ersatz her! Die Frau des Mannes freilich schaut am Abend in das Täschchen und erblickt, voll Freude, einen schmucken Flakon. "Bestimmt für mich!", denkt sie, greift zu, und sieht, oh Schreck, ein anderes Päckchen als erwartet. Ihr Herz pocht wild; sie riecht Betrug. Schnell zurück ins Jackett mit dem Teil. Dann wartet sie. Und schnuppert. Tatsächlich! Noch am gleichen Abend kommt der Gatte vom "Stammtisch" nach Hause. Stammtisch! Ha! Die Frau riecht ihn sofort, den fremden, süßen Duft am Hals. Und das Parfum ist auch weg. "Eine Nacht nur drüber schlafen", nimmt sich die Arme vor - und schläft keine Sekunde. Dafür schnarcht der Betrüger unbekümmert. Auch am nächsten Morgen ist von schlechtem Gewissen keine Spur: Der Mann duscht, putzt Zähne, greift zum Rasierapparat. Und dann: Mit routiniertem Griff klatscht er sich das neue Parfum auf die Wangen. "Puh, brennt das", jault er. "Irgendwas haben die verändert!" Die Frau blickt starr: Ihr Mann hat keine Andere, sondern keine Ahnung. Nämlich von der Duftabteilung. Der Optimist lässt sich durch die Szene nicht erschüttern: "Lieber kein After Shave als keine Frau", meint er. Und mittags geht er noch einmal zum Einkaufen.