Historisch gesehen tragen die Männer alle Schuld. Weil diese sich nämlich schon im 17. Jahrhundert gerne bei aushäusigen Stammtischen vergnügten und dort, nehmen wir an, hohe Politik betrieben, ließen sich die Damen nicht lumpen: Sie gründeten, gewissermaßen als trotziges Gegenstück, Kaffeekränzchen. Das sind gesellige Zusammenkünfte von im Wesentlichen sozial gleichgestellten Frauen, bei denen Kaffee ausgeschenkt wird. Der Name leitet sich ab vom (Königs-)Kranz, den die Sieger beim Pfingstschießen erhielten und die damit gleichzeitig verpflichtet wurden, das jeweils nächste Fest abzuhalten. Dementsprechend setzte sich in der Zeit vom 16. bis zum 17. Jahrhundert der Begriff Kränzchen für aller Arten (kleinerer) Zusammentreffen durch, bei denen sich die Mitglieder verpflichteten, der Reihe nach das jeweils nächste Treffen auszurichten. Heutzutage finden Kaffeekränzchen zuweilen ebenfalls aushäusig statt - als Damen-Fahrradtour. Erst jetzt, im "herr"lichen Spätsommer, konnte man wieder eine solche beobachten. Mitten in einer kleinen Stadt hielt die Damengruppe zielsicher - vor dem örtlichen Schuhgeschäft. Dort gab es offenbar allerdings keine topmodischen Schnäppchen zu erhaschen - lediglich ein kräftiger Mann in Bauarbeitermontur drückte sich mit dem Rücken ängstlich ans Schaufenster, mit nur einem Herrenschuh in der Hand bewehrt. Wir wissen nicht, ob die Damen dem Herrn etwas anhaben wollten. Offensichtlich konnte er sich der Übermacht aber erwehren. Oder er hatte den entscheidenden, rettenden Tipp für alle: Gegenüber hat die Eisdiele geöffnet. Guter Mann! Dafür hat er ein Kränzchen verdient.