Die Frau ist eine gefallene Frau. Gefallen deshalb, weil sie bei Schnee und Eis ausgerutscht ist. Und sie hat sich dabei die Rippen geprellt, was höllisch weh tut. Weil sie sich so schlecht bewegen kann, hat der Mann Erbarmen mit ihr und beschließt, den Hausputz in die eigenen Hände zu nehmen. "Haben wir einen Schrubber?", lautet seine erste Frage. "Nein, ich nehme immer 'ne Zahnbürste", lautet prompt die Antwort der Frau. Im gleichen Augenblick könnte sie sich schon wieder auf die Zunge beißen. Der Mann meint es ja nur gut, aber diese Frage bringt die Frau auf die Palme. Ein bisschen vorsichtiger fragt der Mann dann: "Gibt's auch einen Lappen für den Schrubber?" Die Frau, ein bisschen milder gestimmt, zeigt ihm den Lappen. Weil sie ihrem Mann ungern beim Putzen zuschaut, geht sie ein bisschen frische Luft schnappen, macht ihre Atemübungen, die gut fürs Rippenfell sein sollen, und kommt nach einiger Zeit bestens gelaunt wieder ins Haus. Dort betrachtet sie skeptisch den Boden, der wirkt, als sei er die letzten zehn Jahre weder gesaugt noch geputzt worden. Und überall sind winzige weiße Kügelchen zu sehen, so als hätte jemand großzügig Zucker in den Räumen verstreut. Der Mann sitzt derweil zufrieden am Computer. "Äh, bist du schon fertig?", fragt sie. "Klar", antwortet er und betrachtet zufrieden sein Werk. Mit was er, bitteschön, ihren Boden behandelt habe, will sie wissen. "Na, mit Geschirrspülmittel, das macht man so", wehrt er sich. Wer bitte macht das so? Und wer kommt auf die Idee, Geschirrspülpulver auf dem Boden zu verstreuen, drüberzuwischen und zu glauben, dass das Ergebnis schön ist? Die Frau weiß nun: ihr Mann. Nachdem sie weiterhin ungläubig auf die Schlieren auf dem Boden gestarrt hat, sagt er: "Du stehst doch auf so altes Zeug. Und das da, das sieht jetzt total antik aus!"
Klartext Antik geputzt
Von Bianca Hennings 04.02.2011 - 00:00 Uhr