Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und deshalb nimmt er Anteil am Leben seiner Artgenossen. Manchmal übertreibt es der Mensch mit der Anteilnahme. Dies nennt man Neugier. Eine Frau aus einem kleinen Städtchen der Region kann mit Fug und Recht als neugierig bezeichnet werden. Wann immer die Nachbarn in der Nähe sind, positioniert sich die Frau so auf ihrem Grundstück, dass sie genau beobachten kann, was die nebenan wohnende Familie so treibt. Fühlt sie sich unbeobachtet, wagt sie schon mal einen etwas genaueren Blick in Nachbars Garten. Manchmal nützen der Frau allerdings weder ihre Adleraugen noch ihr gutes Gehör, um die neuesten Nachrichten aus der Nachbarsfamilie zu erhaschen. Und deshalb ist die Frau mit einer Fragetechnik gesegnet, die sich so mancher Fernsehmoderator wünschen würde. Als neulich die Nachbarsgattin einige Tage verreist war, wollte die wissbegierige Dame natürlich nur allzu gerne den Grund für die Abwesenheit wissen. Wer weiß, was da schon wieder los ist! Deshalb passte sie ihren Nachbarn anderntags am frühen Morgen ab, als dieser zur Arbeit wollte und verwickelte ihn in ein Gespräch. Dabei erfuhr sie so nebenbei auch den Grund für das abendliche Flackern in Nachbars Wohnzimmer (ein neuer Kaminofen - musste sofort ausprobiert werden) und natürlich den der Abwesenheit der Nachbarsfrau (Verwandtenbesuch). Als die Fragen geklärt waren, verabschiedete sich die Hobbyagentin mit den Worten: "Man ist ja nicht neugierig. Man interessiert sich nur."