Kirchenkreis Schmalkalden Kreissynode macht den Weg für die Mitmachkirche frei

Verkleinert, neu aufgestellt und mit klaren Beschlüssen: Die neue Synode des Kirchenkreises Schmalkalden hat sich konstituiert und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

Der neue Kirchenkreisvorstand mit Stellvertretern: V l.: Pfarrer Anton Becker, Steffen Günther, Doreen Schellenberg, Susann Schönewald, Jens Minner, Pfarrer Andreas Adler, Dekan Ralf Gebauer, Pfarrer Wolfram Fromke. Foto: privat

Mit einem klaren Kurs für die kommenden Jahre hat sich die neue Kreissynode im Kirchenkreis Schmalkalden konstituiert. Neben personellen Entscheidungen und strukturellen Veränderungen standen dabei vor allem inhaltliche Weichenstellungen im Mittelpunkt – allen voran der Beschluss des Doppelhaushalts 2026/27, der einstimmig und ohne größere Diskussion verabschiedet wurde.

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Mitmachkirche: Neuer Weg für mehr Beteiligung und Seelsorge

Mit diesem Haushalt wurde zugleich der Weg für ein zentrales Zukunftsprojekt freigemacht: die „Mitmachkirche“. Sie steht für einen grundlegenden Wandel kirchlicher Arbeit hin zu mehr Beteiligung und neuen Strukturen. Ein wesentliches Element ist dabei das geplante Mitmach-Kirchenkreisbüro, das ab 1. September 2026 die Pfarrerinnen und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlasten soll. Ziel ist es, mehr Raum für Seelsorge und Gemeindearbeit zu schaffen – gerade vor dem Hintergrund erforderlicher Transformationen. Die Finanzierung der Stellen ist für die kommenden zehn Jahre gesichert, erklärte der Dekan. Das weist auch der Doppelhaushalt so aus.

Das künftige Mitmach-Kirchenkreisbüro wird geleitet von zwei Geschäftsführern, unterstützt von vier Assistenten, erläuterte Dekan Ralf Gebauer. Gesucht würden Menschen mit Pioniergeist, denn mit der Mitmachkirche wolle der Kirchenkreis Zukunft erfinden, die es in Deutschland so noch nicht gibt. Die Stellen sind ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endet zum 31. März.

Synode setzt auf Laienmehrheit und neue Mitgliederstruktur

Auch strukturell hat sich die Kreissynode neu aufgestellt: Das Gremium wurde von 54 auf 36 Mitglieder verkleinert, die Zahl der geistlichen Vertreter von zwölf auf sechs reduziert, sodass das Gewicht der Laien noch stärker wird als in der Vergangenheit. Insgesamt wurden zur konstituierenden Sitzung der Synode im Altenhilfezentrum Steinbach-Hallenberg zehn neue Mitglieder verpflichtet.

Ralf-Peter Schmidt führt erneut die Kreissynode an

Im Rahmen eines umfangreichen Wahlverfahrens wurde Ralf-Peter Schmidt erneut zum Vorsitzenden der Kreissynode und des Kirchenkreisvorstandes gewählt. Sein Stellvertreter ist Pfarrer Wolfgang Fromke. Weitere Mitglieder des Vorstandes sind Pfarrer Andreas Adler als stellvertretender Dekan. Seine Vertretung übernimmt künftig Pfarrer Anton Becker. Weitere Mitglieder im Kirchenkreisvorstand sind Steffen Günther aus Kleinschmalkalden (Stellvertreter Jens Minner) sowie Doreen Schellenberg (Stellvertreterin Susann Schönewald).

Zudem wurde Pfarrerin Ute Borchert als neues stellvertretendes geistliches Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck bestimmt.

In den Dekanefindungsausschuss wurden Pfarrer Olaf Schnarr, Pfarrer Heiko Oertel sowie Hans-Joachim Storch und Jacqueline Eberlein gewählt. Ob dieses Gremium jemals zusammentreten wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn nach dem Ausscheiden von Ralf Gebauer (60) in einigen Jahren wird es im Kirchenkreis Schmalkalden keine volle Dekansstelle mehr geben. Möglicherweise läuft es auf eine Zusammenarbeit der Kirchenkreise Fulda und Schmalkalden hinaus, der kleinsten Kirchenkreise innerhalb der Landeskirche.

Kevin Scharfenberg gehört künftig dem Findungsausschuss zur Wahl einer neuen Pröpstin oder eines neuen Propstes für den Sprengel Hanau-Hersfeld an. Die derzeitige Pröpstin Sabine Kropf-Brandau wird innerhalb der nächsten sechs Jahre in den Ruhestand gehen. Der Sprengel Hanau-Hersfeld umfasst die Kirchenkreise Fulda, Hanau, Hersfeld-Rotenburg, Kinzigtal und den Kirchenkreis Schmalkalden.

Neuer Perspektivausschuss fördert regionale Mitgestaltung

Die Synodalen arbeiten in verschiedenen Ausschüssen mit. Diese müssen neu besetzt werden. Dazu gehören der Kreisdiakonieausschuss, der Partnerschaftsausschuss, der Finanzausschuss, der Ausschuss für Erziehung, Bildung, Jugend, der kirchenmusikalische Ausschuss, der Bauausschuss und der Perspektivausschuss. Letzterer soll bewusst offen gestaltet werden – Vertreter aus den vier Regionen des Kirchenkreises können sich aktiv einbringen und so an der zukünftigen Entwicklung des Kirchenkreises mitwirken. Die anderen Gremien sind besetzt.

Kirchengemeinde Viernau plant Wechsel nach Schmalkalden

Ein besonderer Moment in der Synode war der Besuch von Matthias Tügend aus der Kirchengemeinde Viernau. Diese hat den Antrag gestellt, in den Kirchenkreis Schmalkalden zu wechseln – und damit von der Evangelische Kirche in Mitteldeutschland zur Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck überzutreten. Die entsprechenden Gespräche sind bereits geführt, dieser Schritt trifft auf allen Seiten auf Zustimmung.

Matthias Tügend zeigte sich in seinem Grußwort sehr erfreut über die doch schnelle Entwicklung. Der Wechsel, der zum 1. Januar 2027 wirksam werden soll – vorbehaltlich entsprechender Beschlüsse der beiden Landessynoden –, sei in der Kirchengemeinde mit seinen rund 600 Mitgliedern ohne größere Diskussionen aufgenommen worden. Die enge Zusammenarbeit im Haseltal sowie die geografische Nähe zu Steinbach-Hallenberg und Schmalkalden spielten dabei eine wichtige Rolle. So wurde es Anfang dieses Jahres auch vom Rat der kurhessischen Landeskirche gesehen, der laut Protokoll „den Wunsch aus Viernau nachvollziehen und sich einen Wechsel zum 1. Januar 2027 vorstellen kann“. Die Landessynoden entscheiden im April des Jahres.

Zugleich berichtete Tügend von einer positiven Entwicklung innerhalb der Gemeinde: Der Gemeindekirchenrat habe sich nach den Wahlen deutlich verjüngt, das Durchschnittsalter liege bei 41 Jahren. Rund 40 Prozent der Gemeindemitglieder hätten sich an den letzten Wahlen beteiligt. Besonders bemerkenswert sei auch die Beteiligung einer Jugendvertreterin.

Nach schwierigen Jahren, insbesondere nach dem Tod von Pfarrerin Silke Sauer vor zwei Jahren, habe sich die Gemeinde stabilisiert und neue Angebote etabliert – etwa einen gut besuchten Abendmahlsgottesdienst am Samstagabend. Die Vorfreude auf den geplanten Neuanfang im Kirchenkreis Schmalkalden sei daher groß.

Kirchenkreis Schmalkalden: Mutige Schritte in die Zukunft

Insgesamt wurde auf der Kreissynode deutlich: Der Kirchenkreis Schmalkalden steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Sinkende Mitgliederzahlen und gesellschaftliche Umbrüche erfordern neue Antworten. Mit Projekten wie der „Mitmachkirche“, klaren strukturellen Entscheidungen und einer offenen Haltung gegenüber neuen Entwicklungen setzt der Kirchenkreis bewusst auf Zukunft – getragen von Engagement, Mut und dem Willen zur Gestaltung.

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau verglich die erste Zusammenkunft der neuen Synode mit einem „ersten Schultag“ – geprägt von Spannung, Neugier und der Chance auf einen Neuanfang. Sie betonte, dass gerade jetzt viele Menschen nach Orientierung suchten. Daraus erwachse eine besondere Verantwortung für die Synodalen, aber auch eine große Chance, Kirche aktiv mitzugestalten.

In ihren Worten wurde deutlich: Veränderung sei zwar kein leichtes Thema, aber unausweichlich. Projekte wie die „Mitmachkirche“ stünden exemplarisch für diesen Wandel – sie seien mutige Schritte, die Hoffnung geben könnten. Die Pröpstin ermutigte die Mitglieder der Synode, diesen Weg entschlossen zu gehen: Mut und Stärke seien heute mehr denn je gefragt.

Auch die weiteren Grußredner schlugen in eine ähnliche Kerbe. Markus Böttcher, Bürgermeister von Steinbach-Hallenberg, dankte den Ehrenamtlichen für ihr Engagement und hob hervor, wie wichtig Gestaltungswille und Zuversicht gerade in unsicheren Zeiten seien.

Ein gutes Gelingen wünschte ebenfalls der neu gewählte Vorsitzende der Kirchenkreissynode Fulda, Andreas Maraun, der auch Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist.

Kreissynode

Aufgaben
Die Kreissynode ist das oberste Leitungsorgan des evangelischen Kirchenkreises Schmalkalden und fördert die Zusammenarbeit der Gemeinden. Sie beschließt den Haushalts- und Stellenplan, legt inhaltliche Schwerpunkte fest und vertritt den Kirchenkreis. Sie tagt in der Regel mindestens zweimal jährlich.