Kirchengeschichte Doppel-Jubiläum zum Fest der Kirche

Zu Pfingsten feuern die Mitglieder der Stadtkirchengemeinde Sonneberg Kirchweih und zwei Jubiläen.

Die neugotische Stadtkirche St. Peter in Sonneberg wurde zum Pfingsfest vor 180 Jahren eingeweiht. Seit vielen Jahren feiern die Mitglieder der Kirchengemeinde zu Pfingsten das Stadtkirchweihfest. Foto: Steffen Ittig

Pfingsten ist das Fest der Kirche. 50 Tage nach Ostern feiern Christen den Heiligen Geist, der auf die Jüngerinnen und Jünger Jesu herabfuhr und ihnen den Mut und die Gabe verlieh, die Lehren Jesu Christi in alle Welt zu verbreiten. Soweit die Botschaft des Neuen Testamentes. In zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte wurde das Fest der Kirche insgemein auch das Fest der Kirche im Ort. Pfingsten 1845, vor mittlerweile 180 Jahren, wurde in Sonneberg die neue Stadtkirche St. Peter geweiht. Auch dieses Jahr zum Kirchweihfest der evangelischen Stadtkirchengemeinde, wird das gefeiert, mit einem Popp-Gottesdienst am Sonntag und einem Konzert des Kammerorchesters am Montag.

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Plebanus in Röthen

Derweil lohnt der Blick zurück in diesem Jahr durchaus weiter, denn im Jahr 1225 erschien erstmals ein Plebanus, ein Pfarrer, in einer schriftlichen Quelle. Jener Gerlach war Treuhänder des niederadligen Heinrich von Sonneberg in einem Rechtsstreit mit dem Kloster Saalfeld. Heinrich, dessen Familie zwischen 1207 und 1310 in Urkunden belegbar ist, nannte sich nach der Burg Sonneberg, die auf dem Schlossberg lag. Die dazugehörige Siedlung, die seit 1317 auch als „Stadt“ bezeichnet wurde und 1349 durch Gräfin Jutta von Henneberg die städtischen Rechte verliehen bekam, wie sie Neustadt (bei Coburg) bereits besaß, lag unterhalb der Burg und hieß damals noch Röthen oder Rothen wie der gleichnamige Fluss.

Ob Gerlach bereits in der Johanniskirche versah, die bis zu einem vernichtenden Stadtbrand auf dem Markt stand, wirkte, bleibt unklar. Neben dem Ort Röthen erschien 1317 im Urbar, einer Art Besitzverzeichnis, auch eine Siedlung Alt-Röthen, die im Bereich des heutigen Stadtparks zu lokalisieren wäre. 1528/29, während der ersten evangelischen Kirchenvisitation, bestand neben der Stadtkirche St. Johannis auch eine Kirche St. Laurentius in diesem, wohl während des 14. Jahrhunderts aufgegebenen Dorf. Der Flurname „Alte Kirche“, der noch im 19. Jahrhundert belegbar war, deutet auf diese Kirche hin. 1529 wurde diese nicht mehr benötigte Kirche abgebrochen. Eine Informationstafel im Stadtpark erinnert an die Lage dieser Kirche. Das Patrozinium Laurentius war unter den sächsischen Kaisern im 10. und 11. Jahrhundert beliebt und könnte auf eine Errichtung der Kirche während des hochmittelalterlichen Landesausbaues zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert hindeuten. Allerdings könnte der Pfarrer Gerlach auch bereits in der Johanniskirche unterhalb der Burg Sonneberg tätig gewesen sein. Der Begriff Plebanus wurde in den zeitgenössischen Quellen ambivalent verwendet, im 13. Jahrhundert waren die Plebani allerdings bereits die Inhaber pfarrlicher Rechte. Plebes meint hier Pfarrkirche oder Pfründe. In jedem Fall muss für das Jahr 1225 bereits eine Pfarrstelle in Röthen/Sonneberg bestanden haben. 1279 wurde abermals ein Pfarrer aus diesem Ort erwähnt. Dieser Pfarrer Berthold bezeugte damals eine fromme Stiftung für Kloster Langheim. Zu diesem Kloster unterhielten die Herren von Sonneberg seit Anfang des 13. Jahrhunderts enge Beziehungen. Zwar gründete Heinrichs gleichnamiger Sohn 1260 selbst ein Hauskloster (Sonnefeld) aber die enge Beziehung blieb auch später erhalten. Möglicherweise ist das auch der Grund, weshalb am Ende des Mittelalters der Abt des Klosters Langheim die Patronatsrechte über die Kirchen in Sonneberg, Oberlind und Neustadt bei Coburg verfügte. Allerdings verlor das Kloster seine Ansprüche nach 1529.

Sonneberg lag im Trend

Aus der Erwähnung eines Pfarrers in Röthen/Sonneberg kann auf die Existenz einer Kirchengemeinde geschlossen werden, deren Mitglieder am Ort der Pfarrei auch taufen, heiraten, beerdigen ließen sowie das heilige Abendmahl empfingen. Sonneberg liegt dabei im Trend.

Um 1070 wurde die Pfarrei Mupperg im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Banz erwähnt, 1148 ist diese und die Pfarrei Effelder in einer päpstlichen Bestätigungsurkunde genannt. In Schalkau ist 1232 eine eigenständige Pfarrei belegbar. Nicht immer findet sich die Wahrheit in Urkunden. In Oberlind dürfte im 12./13. Jahrhundert bereits eine ziemlich große Kirche bestanden haben, wenn auch erst 1444 schriftlich belegt. 1444 und 1485 wurde Oberlind gleichfalls als Pfarrkirche bezeichnet. Zwar erscheint diese Kirche 1517 als Filialkirche von Sonneberg, allerdings scheinen die Pfarrechte nur zeitweilig auf Sonneberg übertragen gewesen sein, was aber wieder eine andere Kirchen-Geschichte wäre...

Stadtkirchweihfest

Pfingstsonntag, 8. Juni
Ab 14 Uhr wird zum Pop-Gottesdienst zur Kirchweih mit Pfarrer Rainer Kunz eingeladen. Anschließend gibt es ein gemeinsames Beisammensein mit Kaffee, Kuchen, Getränken und Bratwurst, für die Kinder gibt es eine Hüpfburg (wenn es nicht regnet).

Pfingstmontag, 9. Juni
Ab 16 Uhr wird zum Konzert des Sonneberger Kammerorchesters zum Kirchweihfest eingeladen.