Auffällig ist daneben die Passivität der meisten Mitglieder. Nur ein geringer Prozentsatz der Kirchenmitglieder besucht sonntags regelmäßig den Gottesdienst oder beteiligt sich am Gemeindeleben. Weitgehend aufgelöst hat sich das traditionelle katholische oder evangelische Milieu, wie es zum Beispiel der Entertainer Harald Schmidt (68) noch erlebt hat: "Da wurde getauft, da wurde erstkommuniziert, da wurde gefirmt", erzählte der einstige Late-Night-Talker und praktizierende Katholik einmal. Die Kirche sei damals auch die "Partyzentrale im Dorf" gewesen, alles spielte sich dort ab.
Heute konkurriert die Kirche mit vielen anderen Weltanschauungen und Lebensentwürfen. Vor diesem Hintergrund sagen manche Forscher sogar, es sei verwunderlich, dass immer noch so viele Leute in der Kirche seien. Ein Grund dafür ist nach Einschätzung des Religionssoziologen Detlef Pollack, dass christliche Werte wie Nächstenliebe von breiten Bevölkerungsschichten geteilt werden. Deswegen bleiben viele Menschen in der Kirche, auch wenn sie gar nicht mehr glauben.