Wandel zum Besseren seit der Jahrtausendwende
Die Studie beleuchtet über die Jahrzehnte den Umgang der jeweiligen Bischöfe mit dem Tabuthema Missbrauch. Fazit: Das Bistum Passau zähle zu den deutschen Diözesen, "für die hier bereits das Jahr 2002 als Zäsur im Sinne eines einsetzenden Wandels zum Besseren anzusehen ist". Auch, wenn es eine Weile gedauert habe, bis die Vorsätze in die Tat umgesetzt worden seien.
Ebenfalls seit dieser Zeit sei eine deutliche Steigerung der juristischen Verfolgung von Gewalttaten durch Kleriker im Bistum Passau feststellbar. Anders sei dies gerade in den 1950er Jahren gewesen, als Kirchenvertreter gute Kontakte zu Justizbehörden und medizinischen Gutachtern gepflegt und Absprachen auf Freispruch oder Strafmilderung abgezielt hätten. "Ausreichend kirchenfreundliche Staatsanwälte und Richter standen offenbar zur Verfügung, auch dies seinerzeit ein deutschlandweites Phänomen."
Eine weitere Zäsur sei das Jahr 2010 gewesen. Der damalige Bischof Wilhelm Schraml habe etwa in öffentlichen Stellungnahmen die "Null Toleranz"-Grenze gegenüber mutmaßlichen Tätern bekräftigt und Betroffene und Zeugen aufgefordert, sich zu melden. Hauptzweck sei jedoch – wie auch in anderen Bistümern – gewesen, "Schaden von der in Bedrängnis geratenen Kirche abzuwenden", so die Studienmacher. Erstmals habe aber mit Schraml ein Passauer Bischof das Leid der Betroffenen und ihre Hilfsbedürftigkeit wie auch die Notwendigkeit von Aufklärung und Prävention angesprochen.
Der amtierende Bischof Stefan Oster baue seit 2014 auf den Bemühungen seines Vorgängers um eine einwandfreie Handhabung von Missbrauchs- und Gewaltfällen auf, heißt es. Anonyme Schreiben sowie Gerüchte würden ernst genommen und geprüft. In Zusammenhang mit einem Altfall habe sich der Bischof jedoch "mehrfach zögerlich" verhalten. Generell gebe es in der Bistumsleitung und dem Ordinariat aber ein Problembewusstsein, als Präventionsmaßnahme einen Verhaltenskodex für Bistumsmitarbeiter sowie seit 2021 eine Aufarbeitungskommission und einen Betroffenenbeirat.
Allerdings sei in einem Fall eine Gemeinde nicht ausreichend über Beschuldigungen gegen einen aus dem Dienst genommenen Priester informiert worden, was Gerüchte und Proteste nach sich gezogen und somit nicht zu Aufklärung, Aufarbeitung und Prävention beigetragen habe.
Aufarbeitung und Anerkennungsleistungen
Hintergrund der aktuellen Untersuchung ist die im Jahr 2018 veröffentlichte sogenannte MHG-Studie der katholischen Kirche in Deutschland. Diese listete Tausende Missbrauchsfälle, Täter und Opfer auf. In der Folge begannen die Bistümer mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, darüber hinaus gab und gibt es für Betroffene Anerkennungsleistungen.
Der Leiter der Passauer Studie sagte mit Blick auf die Betroffenen: Solange es Betroffene gebe, die sich von Kirche unangemessen behandelt fühlten, solange das Handeln der Bistumsleitung für viele noch an Transparenz zu wünschen übrig lasse, und solange es in der Gesellschaft an Verständnis für Betroffene fehle, "solange bleibt noch viel zu tun".